Fast museal sei der Technikraum, sagt Michael Schneck. Dort gebe es noch „Sicherungen, die man so reinschrauben muss“. Schneck ist Abteilungsleiter der Handballer beim TuS Fürstenfeldbruck und deshalb oft genug in der Wittelsbacher Halle, die das gleiche Problem hat wie viele andere Sporthallen: Sie ist alt und benötigt dringend eine Modernisierung.
Da geht es ihr nicht besser als vielen Schulgebäuden. Auch dort gibt es Renovierungsbedarf. Im ganzen Land. Viele der Schulen und Hallen stammen aus den Siebziger- und Achtzigerjahren, sind großteils nur instandgehalten, aber nie umfassend renoviert worden. Jetzt ist der Bedarf umso größer. Für ihre Besitzer – vorwiegend Kommunen, seltener Vereine – ist das auch ein finanzielles Problem.
Die Wittelsbacher Halle, eine Dreifachsporthalle aus dem Jahr 1982, gelegen nahe dem Bahnhof Fürstenfeldbruck, soll jetzt generalsaniert werden. Das bedeutet, dass Sportlerinnen und Sportler, Schülerinnen und Schüler für einige Zeit ausgeschlossen werden und anderswo ihrem Sport nachgehen müssen.
Betroffen davon werden auch die Drittliga-Handballer sein, das Aushängeschild des TuS Fürstenfeldbruck. Seit gut einem Jahrzehnt gehören sie – mit einem einjährigen Ausflug in Liga zwei – durchgehend der semiprofessionellen dritthöchsten deutschen Spielklasse an, bisweilen wollten an die tausend Zuschauer die Spiele sehen. Das Flaggschiff ist aber nur eine von 16 Mannschaften, die die TuS-Handballer während der Sanierungszeit in andere Hallen verlegen müssen. Und fast alle Teams brauchen Raum und Zeit für Training ebenso wie für ihre Punktspiele.
Wo sollen die Sportler vorübergehend unterkommen? Auch andere Hallen sind voll belegt.
Doch so einfach ist das nicht. Auch die Hallen der Nachbarklubs sind voll belegt, verfügbare Trainingszeiten rar. Eine eigene Sporthalle zu bauen, wie es der TuS Fürstenfeldbruck vor Jahren einmal angedacht hatte, konnte nicht umgesetzt werden. Beinahe exklusiv können sie als Verein in den Nachmittags- und Abendstunden die im Landkreisbesitz befindliche Wittelsbacher Halle nutzen, zusätzlich finden dort in den Wintermonaten noch ein paar Fußballturniere und ansonsten Schulsport der nahegelegenen Realschule, der Berufs- und der Fachoberschule statt.

Im Laufe des Jahres 2027 soll Baubeginn sein und die Halle dann für ein- bis anderthalb Jahre für den Schul- und Vereinsbetrieb komplett gesperrt werden. Das bedeutet, dass der Handballspielbetrieb für mindestens eine Saison ausgelagert werden muss. Die Maßnahmen im laufenden Betrieb durchzuführen, bietet sich nicht an, die Halle wäre dann ohnehin nur in Teilbereichen und eingeschränkt nutzbar.
Vorgesehen ist nun eine Generalsanierung des Bauwerks, das heißt: von Grund auf. Kosten: etwa zwölf Millionen Euro. Auch ein Neubau wurde erwogen. Fazit wie so häufig: noch teurer. 27 Millionen würde das laut Landratsamt Fürstenfeldbruck kosten, zuzüglich der Kosten für den Abriss.
Die Gebäudehülle soll energetisch auf den aktuellen Stand gebracht werden. Das bedeutet, dass das auf drei Seiten verglaste Gebäude eine neue Verglasung samt Wärmedämmung erhalten soll, einen neuen dazugehörigen Sonnenschutz – der derzeitige ist noch die Originalausstattung von 1982 –, dazu einen neuen Dachaufbau mit Blechdach und Photovoltaikanlage. Weitere Baumaßnahmen betreffen einen barrierefreien Zugang zum Untergeschoss, die Haustechnik, Sanitärinstallationen, Belüftung und Beheizung der Halle, die derzeit nur noch auf „ein oder aus“ geschaltet werden könne, heißt es aus dem Landratsamt. Und wie so oft müssen Brandschutzauflagen erfüllt werden.
Damit auch weiterhin 800 Zuschauer rein dürfen, muss die Halle eine Versammlungsstätte bleiben
Die Zuschauertribüne soll ebenfalls ausgewechselt werden. Sie ist für publikumsintensive Veranstaltungen der Sportvereine wie die Drittligaspiele der Handballer wichtig. Dabei geht es auch um die Frage, ob die Halle überhaupt als Versammlungsort umgebaut werden soll. Ohne diese Klassifizierung dürfte sie nur 200 Zuschauer fassen. Fürstenfeldbrucks Oberbürgermeister Christian Götz (BBV), der als Kreisrat auch in die Sanierungsentscheidung eingebunden ist, berichtet davon, dass in den „Pantherkäfig“, wie die Halle bei den Handballern genannt wird, zu Heimspielen „500 bis 800 Zuschauer kommen“. Er verspricht, dass die Stadt Fürstenfeldbruck den Mehrbedarf eines Erhalts als Versammlungsstätte finanzieren werde. Derzeit ist die Halle für 800 Zuschauer zugelassen.
Vereinssportler und Schüler für eine Zeit auszulagern, ist ein größeres logistisches Unterfangen. Im Nachbarort Eichenau, wo mit der Budrio-Halle ebenfalls eine Dreifachsporthalle anderthalb Jahre lang saniert wird, haben sie dasselbe Problem. Von 2026 an werden die Handballer des Eichenauer SV deshalb in der Wittelsbacher Halle ein Ersatzquartier finden. So versucht man einander zu helfen. In Fürstenfeldbruck könnte auch die Halle am Fliegerhorst eine vorübergehende Ausweichmöglichkeit sein. Für die Drittliga-Handballer könnte die Paul-Barth-Halle in Gröbenzell ein geeignetes Interimsquartier sein, dort spielen die Frauen des HCD Gröbenzell – ebenfalls in Liga drei. Gegebenenfalls kämen auch Hallen in Haunstetten, Friedberg, Freiham oder Germering infrage.

Außerdem sind Handballer bei der Quartiersuche darauf angewiesen, dass sie auch Harz verwenden dürfen – ein Haftmittel, das sie sich auf die Finger reiben, um präziseres Fangen und Werfen der Bälle zu ermöglichen, das die Hallen aber auch mehr verschmutzt. Nicht in allen Sporthallen ist das „Harzen“ deshalb erlaubt.
Für die betroffenen Schulen sucht die Kreisverwaltung nach Ausweichquartieren, warnt aber bereits davor, dass man wegen der ohnehin hohen Auslastung der Hallen davon ausgehen müsse, dass Schulsport während der Sanierungszeit „nur eingeschränkt möglich“ sein werde.

SZ Good News:Gute Nachrichten aus München – jetzt auf Whatsapp abonnieren
Mehr positive Neuigkeiten im Alltag: Die Süddeutsche Zeitung verbreitet jeden Tag auf Whatsapp ausschließlich schöne und heitere Nachrichten aus München und der Region. So können Sie ihn abonnieren.
Und ein wenig bangen alle Beteiligten darum, dass die kalkulierten Zeiten auch eingehalten werden können und die Vereinsmitglieder die Einschränkungen lange genug zu akzeptieren bereit sind. Zudem sind Vereine wie der TuS Fürstenfeldbruck auf die Zuschauereinnahmen sowie die Einnahmen aus dem Pausenverkauf während der Punktspiele angewiesen. So wie in Puchheim, wo der Landkreis als Bauherr die Drei- und die Zweifachhalle am Schulzentrum gleichzeitig abreißen und dann neu aufbauen ließ, soll es möglichst nicht enden: Erst nach fünf Jahren Bauzeit konnte in den neuen Hallen wieder Sport getrieben werden.

