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Fürstenfeldbruck:Halb leeres Impfzentrum

Im Dezember wurde das Impfzentrum des Landkreises im ehemaligen Aldi im Westen der Kreisstadt eingerichtet.

(Foto: Günther Reger)

Seit Anfang Juni wird kein Vakzin für eine erste Injektion geliefert. Dadurch sinkt die Auslastung teils auf 50 Prozent. Nun soll es wieder besser werden

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Groß war der Ärger um die Maskendeals einzelner Politiker und ihrer Angehörigen, die den Staat viel Geld gekostet haben. Offenbar nimmt es der Staat aber auch selbst nicht so genau mit den Kosten rund um die Bekämpfung der Pandemie. In den zurückliegenden Wochen erreichten vielerorts relativ wenige der knappen Impfdosen die Impfzentren der Landkreise. Und ihnen war es explizit verboten, Termine für Erstimpfungen abzuarbeiten - die blieben für geraume Zeit den Ärzten sowie den neu hinzugekommenen Betriebsärzten vorbehalten. Hinter den Kulissen rumort es und es herrscht Unmut darüber, dass auf diese Weise Steuergeld verpulvert werde.

Denn für die Impfzentren fallen feste Pauschalen an, um damit auch Fixkosten wie Mieten und Personalkosten zu decken. Ein Experte wundert sich, dass vor diesem Hintergrund nicht prioritär zunächst die Impfzentren ausgelastet werden, bevor der Impfstoff, der dort nicht verarbeitet werden kann, dann an die Ärzte weitergereicht wird. Matthias Skrzypczak, medizinischer Leiter des Impfzentrums Fürstenfeldbruck, bestätigte auf Nachfrage, dass es im Juni bislang keine Dosen für die Erstimpfung gegeben habe. Ein paar hundert Personen erhielten an manchen Tagen dennoch ihre erste Spritze - dies aber aus vorhandenen Restbeständen oder deshalb, weil die Lieferungen durch sparsames Einteilen für mehr Chargen reichten als offiziell vorgesehen. Nach SZ-Informationen soll den Impfzentren sogar explizit verboten worden sein, die Impfstofflieferungen für Erstimpfungen einzusetzen. Für Zweitimpfungen hat es aber offensichtlich nicht genügend Kandidaten gegeben, deren Erstimpfung lange genug zurückliegt. In Fürstenfeldbruck soll die Auslastung dadurch zeitweise auf 50 Prozent gefallen sein.

Ein Sprecher der Taskforce Corona-Pandemie am Gesundheitsministerium bestätigte am Freitag auf SZ-Anfrage, der Fokus aller bayerischen Impfzentren liege noch auf den Zweitimpfungen. "Allerdings können seit dieser Woche auch wieder Erstimpfungen verabreicht werden, vor allem mit Moderna." Die Zahl werde in den nächsten Wochen weiter steigen und auch Impfungen mit Biontech umfassen. Über das Portal BayImco sei bereits wieder eine Terminierung von Erstimpfungen möglich.

Auf die Frage nach den Kosten durch eine Unterauslastung der Impfzentren und die Verantwortung gibt es eher ausweichende Antworten. Der Freistaat Bayern übernehme "die notwendigen und angemessenen Kosten für den Betrieb der Impfzentren". Den Kommunen würden alle Kosten durch den Freistaat erstattet. Kosten etwa für Verbrauchsmaterialien würden bei Unterauslastung sinken. Dem Sprecher zufolge gilt das auch fürs Personal.

Nach der Coronavirus-Impfverordnung des Bundes erhält der Freistaat Bayern die Hälfte der insgesamt anfallenden notwendigen Kosten rückerstattet. Daraus ergibt sich, dass sich Bund und Land die auf eine Unterauslastung zurückzuführenden "Mehrkosten" teilen. Dass vermeidbare Kosten anfallen, wird von dem Sprecher weder bestätigt noch dementiert. Mit dem Hinweis, man habe "keine Informationen" darüber, "da die Kosten der Impfungen bei niedergelassenen Ärzten und Betriebsärzten über die Kassenärztliche Vereinigungen beim Bund in Rechnung gestellt werden." Zwischen den Zeilen ist zu erkennen, wer im Zweifelsfall die Verantwortung trägt: der Bund. Denn der stellt den Ländern die Impfdosen pro Woche für die Zentren zur Verfügung und ist auch für die Verteilung des Impfstoffs - über die Apotheken - an die Arztpraxen zuständig.

Warum aber werden bereits Betriebsärzte eingeschaltet und machen damit den Impfzentren Konkurrenz, obwohl es noch gar nicht genug Impfstoff gibt? Die Betriebsärzte seien nun mal "eine wichtige Säule der bayerischen und bundesweiten Impfstrategie" heißt es.

Vom Kreisverband des Roten Kreuzes, der das Impfzentrum in Fürstenfeldbruck betreibt, heißt es am Montag, es sei richtig, dass die Hausärzte, "die näher an ihrem Patienten dran sind, auch am meisten Impfstoff bekommen". Letztlich sei man mit der Impfstoffverteilung zufrieden. In der angelaufenen Woche fahre das Impfzentrum wieder unter "Maximallast" von etwa 950 Zweitimpfungen pro Tag.

Zurzeit sind für das Impfzentrum noch 32 013 Bürgerinnen und Bürger registriert, die auf einen Termin warten. Das heiße, so BRK-Sprecherin Anette Menke, dass die Zahl der im Zentrum geimpften Menschen die Zahl der aktuell noch Registrierten übersteigt. Mit Priorität zwei gibt es auf der Warteliste lediglich noch neun Personen, mit Priorität drei noch 12 705. Die weiteren 19 299 Personen sind ab Priorität vier registriert. Ungenauigkeiten ergeben sich dem BRK zufolge daraus, dass weiterhin nicht alle Menschen ihre Accounts im System löschen, nachdem sie beim Arzt geimpft wurden.

© SZ vom 22.06.2021
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