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Fürstenfeldbruck:Gut gerüstet mit Internet und Erbsensuppe

Beim Neujahrsempfang der Luftwaffe stehen neben einem Dauerbrennerthema Anekdoten und Rekorde im Blickpunkt

Die Welt ist in Bewegung. Zwei elementare Dinge haben am Brucker Stadtrand dem Lauf der Zeit standgehalten, auf zwei anderen strategischen Feldern haben sich Neuigkeiten ergeben. Das zeigt sich am Montag beim Neujahrsempfang der Luftwaffe auf dem Fliegerhorst: Wie schon im Jahr zuvor sagt Brigadegeneral Michael Traut wortlautgetreu den Satz: "Wir sind noch fünf Jahre hier." Und auch die Erbsensuppe, die nach dem Empfang serviert wird, beweist neben Konsistenz wieder Konstanz: Sie ist nach wie vor "die beste der Welt", wie sowohl Traut als auch Oberbürgermeister Erich Raff (CSU) verschmitzt betonen.

Was sind dann die beiden Neuigkeiten? "Wir haben jetzt Internet", frohlockt Traut. Und hatte der Kommandeur der Offizierschule bislang immer gesagt, Stadtrat Herwig Bahner als Chef des Bundeswehrdienstleistungszentrums werde am Standort mal "das Licht ausmachen", so korrigiert er sich: Das werde nun wohl eher Bahners Nachfolger erledigen müssen.

Bei aller guten Laune steht natürlich der so oder so nahende Abzug der Bundeswehr aus Fürstenfeldbruck im Blickpunkt. Traut bekräftigt - und diesmal ganz im Ernst - dass die Offizierschule planmäßig bis Herbst 2023 nach Roth umgezogen sein soll. Zwei andere Einheiten aber bleiben wegen Verzögerungen bei Neubauten an anderer Stelle etwas länger in Bruck, wie dies die Bundeswehr bereits vor einigen Wochen offiziell bekannt gegeben hat. So verzögert sich der Umzug des Ausbildungszentrums für abbildende Aufklärung nach Kropp und des für IT und Kommunikation zuständigen Führungsunterstützungssektors eins nach Untermeitingen. Erst Ende 2026 soll der Fliegerhorst also komplett dicht gemacht sein - "voraussichtlich", wie Traut wohlweislich einschränkt. Denn es sind nicht die ersten Verzögerungen. Oberbürgermeister Erich Raff weist später auf die beiden Seiten der Medaille hin. Zum einen freue man sich, dass Bundeswehr und Bedienstete länger bleiben dürfen, zum anderen werden Teile der zivilen Umplanung - und vor allem natürlich der Zeitplan - zur Makulatur.

Same Procedere as every Year, aber wie lange noch? Brigadegeneral Michael Traut (links) begrüßt OB Erich Raff im Saal des Offizierheims.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Traut macht freilich noch mal sehr deutlich, dass sich für die Offizierschule nichts ändert. Für die Stadt keine gar so schlechte Kunde. Denn auch wenn Raff es in seinem kurzen Grußwort nicht explizit anspricht: die Stadt hat vor allem die gepflegten Sportanlagen auf dem Fliegerhorst im Blick, bei vielen Vereinen gibt es Begehrlichkeiten. Zudem wäre eine Freifläche nahe der Schwimmhalle aus Sicht der Stadt eine Alternative für den Bau einer Eishalle, sofern der innenstadtnahe Standort nahe der Amperoase sich nicht realisieren lassen sollte.

Das alles freilich ist noch Zukunftsmusik. Traut lenkt bei der Feier im Saal der Offizierheimgesellschaft denn auch den Blick lieber auf die Gegenwart. Der militärische Alltag sei von der einen oder anderen "Trendwende" geprägt. Da ist vor allem nach jahrelanger unfreiwilliger Abrüstung der Aufbau bei der Truppe zu nennen. Traut bezeichnet die Herausforderungen auf diesem Feld als "spannend". Und nach vielen Jahren ist nun auch die Offizierschule mit offenem Wlan versorgt, was für die Ausbildung große Vorteile hat. Auch an einer anderen Front geht es voran: Offenbar gelingt es der Bundeswehr, sich als leistungsstarker und attraktiver Ausbilder zu präsentieren. Dabei werden auch mal neue Wege beschritten. Traut lässt durchblicken, dass er auch ohne Instagram leben könnte, dass dieser Vermarktungskanal aber gleichwohl sinnstiftend eingesetzt werden kann (der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler). So hat die Bundeswehr 50 Folgen der Serie "Die Rekrutinnen" produzieren lassen - eine der Offiziersanwärterinnen kommt aus Olching. Nachwuchssorgen gehören offenbar der Vergangenheit an: Der aktuelle Offizierslehrgang verzeichnet ein Plus von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr, jeder fünfte der zurzeit 800 Lehrgangsteilnehmer ist eine Frau. Insgesamt verrichten 1700 Personen den Dienst auf dem Militärareal.

Die Kostprobe bestätigt General und OB: Die Erbsensuppe ist die beste der ganzen Welt!

(Foto: Stefan Salger/oh)

Neben Informationen aus erster Hand gibt es beim Neujahrsempfang traditionell Blasmusik (des Gebirgsmusikkorps Garmisch-Partenkirchen) sowie Erbsensuppe - auch diesmal wieder mit Wurstverstärkung. Die Gäste, darunter Landratsstellvertreterin Martina Drechsler, viele weitere Politiker sowie Vertreter aus Verwaltung, Wirtschaft, Polizei sowie Bundeswehr, können selbst ergründen, warum die Ausgabe der Erbsensuppe auf dem Brucker Christkindlmarkt die Rekordsumme von 21 000 Euro eingebracht hat. Die gesamten Erlöse werden an karitative Einrichtungen gespendet.