Die Zuhörerplätze sind selten voll, wenn im Landratsamt von Fürstenfeldbruck die Kreisrätinnen und Kreisräte zur Sitzung zusammenkommen. Dieses Mal reichten sie bei Weitem nicht aus, als sich etwa 40 Vertreterinnen und Vertreter der Gröbenzeller Bürgerinitiative Alpenstraße zum Protest einfanden. Sie sind nicht einverstanden damit, dass auf einem großen Grundstück in eben jenem Straßenzug zusätzlich zu den dort bereits bestehenden drei Gebäuden, in denen 54 Asylbewerber untergebracht sind, zwei Container für weitere 44 Menschen aufgestellt werden sollen. Das Vorhaben eines Investors hatte der Gemeinderat von Gröbenzell vor einem Jahr abgelehnt, das Landratsamt Fürstenfeldbruck allerdings hat es erlaubt.
Die Anwohner trugen nun im Kreistag ihre Bedenken vor. Diese richteten sich nicht gegen die Menschen, sondern „gegen die Art und Weise, wo und wie sie integriert werden sollen“, sagte eine Anwohnerin. Die Protestierenden wehren sich gegen zu viele Menschen auf dem Grundstück, was dem sogenannten „Gröbenzeller Weg“ widerspreche, wonach Geflüchtete vor allem in kleinen Gruppen in Wohngebäuden untergebracht werden sollen.

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Auch das Wohngebiet leide darunter, stellten die Mitglieder der Initiative klar und berichteten von einem „steigenden Unsicherheitsgefühl“ und einer „dauerhaften Belastung der Anwohner“. Sie berichteten auch von „unhaltbaren Zuständen in den Bestandsgebäuden“ mit Innentemperaturen nach Heizungsausfällen von zwölf Grad, Schimmelbefall, Dauerbaustellen an den Außenanlagen und „monatelang zugänglichem Asbestabfall“.
Antworten auf ihre Anliegen bekamen sie nur bedingt. Über ein Betreuungskonzept könne man gerne sprechen, sagte Landrat Thomas Karmasin (CSU) zu den Protestierenden. Das aber habe keine Eile, da man nicht wisse, ob die Baugenehmigung überhaupt Bestand habe. Die Gemeinde Gröbenzell hat mittlerweile Klage gegen das Landratsamt eingereicht. Für Asylfragen sei allerdings der Kreistag gar nicht zuständig, betonte Karmasin, versprach der Initiative aber eine schriftliche Antwort auf ihre Fragen: „Dafür sorge ich persönlich.“ Und er empfahl, sich an sein Büro zu wenden, um dort den gewünschten Ansprechpartner genannt zu bekommen.

