Fürstenfeldbruck Grenzübertritt

Der SPD-Landtagsabgeordnete Kränzlein gibt seinen Nachfolgekandidaten bekannt

Von Karl-Wilhelm Götte, Fürstenfeldbruck

Herbert Kränzlein hatte von vornherein gesagt, dass er nur eine Wahlperiode als Landtagsabgeordneter zur Verfügung stehen würde. "Alles hat seine Zeit und die Zeit ist gekommen", begründete der bald 68-jährige SPD-Politiker seinen Rückzug aus dem Landtag im kommenden Jahr. 29 Jahre zeit- und kraftraubende berufsmäßige Politik als Bürgermeister und im Landtag müssten reichen. Den SPD-Gremien schlägt er Christian Winklmeier aus Gilching als Kandidat im Wahlkreis Fürstenfeldbruck-West/Landsberg für die Wahlen im September 2018 vor. Der 26-jährige Student der Politökonomie hatte sich bereits beim vergangenen Bundestagswahlkampf als SPD-Kandidat einen Namen gemacht.

"In Fürstenfeldbruck und Landsberg hat sich kein Kandidaten gefunden", berichtete Kränzlein jetzt bei einem Pressegespräch. "Mir wäre eine Frau sehr recht gewesen." Die gab es nicht. Deshalb fiel seine Wahl auf Christian Winklmeier, der bereits den Segen des SPD-Kreisvorstandes Starnberg bekommen hatte. "Sein Name ist schon bei der Bevölkerung verankert und er hat einen hoch engagierten Bundestagswahlkampf absolviert", warb Kränzlein für den jungen SPD-Politiker. "Er hat das intellektuelle Potenzial, ein Thema aufzubereiten und zu erklären.

Kränzlein sieht die SPD "in einer schwierigen Lage". Die Partei müsse wirkliche Selbstkritik üben und "eine neue Kontur kriegen". In seinem Brief an die SPD-Mitglieder im Kreisverband und in den Ortsvereinen Fürstenfeldbruck und Obere Amper schreibt er: "Ich halte die Debatte darüber für entbehrlich, wenn sich danach doch nichts ändert." Kränzlein schreibt weiter: "Wer für soziale Gerechtigkeit eintritt, dann aber faktisch wenig ändert, um aggressiver Steuervermeidung und Steuerhinterziehung der Reichen und der Großkonzerne einen Riegel vorzuschieben, verliert am Glaubwürdigkeit." Kränzlein kritisiert auch, dass "der Mindestbehalt für Hartz-IV-Empfänger viel zu niedrig ist" und die Anrechnung einer Kindergelderhöhung bei Hartz IV "ein Skandal ist". Die SPD müsse, auch in der Wohnungsfrage, "konkrete Maßnahmen benennen, die der ärmeren Hälfte der Bevölkerung reale Verbesserungen bringen werden." Er denke dabei an die Installierung einer staatlichen Wohnungsbaugesellschaft, die sich am "Wiener Modell" des Gemeindebaus orientiert.

Kränzlein war 2014 eher überraschend in den Landtag gewählt worden. Auf der SPD-Liste für Oberbayern war er auf einen sehr aussichtslosen 28. Platz gereiht, dann aber von den Wählern per Zweitstimme auf Rang elf nach vorne gehäufelt worden. Aufgrund der jüngsten bayerischen Wahlumfragen rechnet er damit, dass 2018 sieben Parteien in den nächsten Landtag einziehen werden. Ob das günstig für die Sozialdemokraten sein wird, sagte er nicht. "Die CSU wird dauerhaft die absolute Mehrheit verlieren", prognostiziert der langjährige Puchheimer Bürgermeister indes überzeugt. Markus Söders Landesentwicklungsplan sei am Riedberger Horn verrissen worden. An seine SPD richtet Kränzlein die Forderung, "Ideen auch in konkretes Handeln umzusetzen". Sein Appell an die Parteiführung: "Es dürfen nicht nur vordergründige Debatten geführt werden."