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Fürstenfeldbruck:Genuss im Sonnenschein

Die Wiedereröffnung von Cafés ermöglicht Gästen und Gastronomen erste Schritte in die Normalität. Doch manche Sorgen bleiben bestehen

Die Cafés und Bars dürfen seit Montag wieder draußen bedienen, und ihre Gäste nutzen das schon aus. Die Hygieneauflagen sind umfangreich, was aber die Aussicht auf Kaffee und Kuchen im Sonnenschein nicht schmälert.

Ute Blank hat bereits lang auf diese Gelegenheit gewartet. "Das ist einmalig, sich nach zwei Monaten endlich wieder draußen hinsetzen zu können", sagt sie. "Mein erster Kaffee hat super geschmeckt und der war sogar nach zwei Minuten schon hier." Ob sie in dieser Woche eventuell noch einmal ins Café gehe, lasse sie sich offen, sagt sie. Auch Volker Böhm genießt das erste Heißgetränk an der frischen Luft. Dabei findet Böhm jedoch besonders die schrittweisen Öffnungen wichtig. "Man hat das vorher so stringent gemacht. Jetzt so zu tun, als wär alles vorbei - das stimmt ja auch nicht."

Um die Schwierigkeiten, die mit der schrittweisen Wiedereröffnung noch nicht gänzlich vergangen sein werden, wissen auch und insbesondere die Betreiber selbst. Martin Wiedemann, Inhaber von "Conditorei und Café Wiedemann" in Fürstenfeldbruck freut sich, endlich wieder Gäste empfangen zu können. Doch Wiedemann sind dabei auch die Herausforderungen der aktuellen Situation bewusst. Damit man im Café Wiedemann trotz Abständen und der "dünnen Besiedlung", wie Wiedemann sie nennt, dennoch auf eine Gästeanzahl kommt, die sich für den Betrieb lohnt, wurde der Cafégarten des Geschäftes bis auf den Parkplatz erweitert. "Mit lediglich 20 Sitzplätzen rentiert es sich für uns nicht. Wir müssen schauen, dass wir die Leute so unterbringen, dass es sich auch für unsere Servicekräfte lohnt. Es ist nicht so, dass wir das jetzt hier zum Spaß machen."

Auch Martin Wiedemann freut sich, dass der Betrieb von Cafés und Bars seit Montag wieder möglich ist.

(Foto: Olaf Schaeffer)

In der Krisenzeit hatte man den Betrieb stark zurückgefahren, erklärt Wiedemann, ein Großteil der Belegschaft musste in Kurzarbeit übergehen. Sollte die schrittweise Öffnung für den Normalbetrieb sich nicht rentieren, müsste ein erneuter Übergang der Mitarbeiter in die Kurzarbeit abgewogen werden. "Wir müssen jetzt auf den Kosten-Nutzen-Faktor schauen. Das muss natürlich auch alles stimmen."

Antonio Di Gorga betreibt das "Caffè Roma" in der Brucker Innenstadt. Er sei zufrieden, dass die Regierung den Gastronomen "sozusagen Last-Minute zum Saisonbeginn" die Möglichkeit bereitgestellt habe, wieder Gäste vor Ort zu bewirten, sagt Di Gorga. "Auch wenn es strenge Maßnahmen gibt, bin ich damit einverstanden. Es geht um unsere Gesundheit, und da darf man nicht nur an das Wirtschaftliche denken. Wir sollten zufrieden sein, dass wir uns mit Abstand und weniger Tischen wieder in der Stadt präsentieren dürfen und es freut uns, auch viele Gäste wiederzusehen, die wir in den fast drei Monaten nicht mehr gesehen haben."

Zusätzlich zum einzuhaltenden Mindestabstand müssen sich Gäste in Wiedemanns und Di Gorgas Cafés in anonymisierte Besucherlisten eintragen lassen, welche im Ernstfall die Rückverfolgung von Infektionswegen und die Kontaktierung Betroffener ermöglichen sollen. Das Formblatt für die Besucherlisten sowie weitere Infografiken wurden den Gastronomen vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband zur Verfügung gestellt. Die Zusammenarbeit mit dem Verband beschreiben die Wirte als positiv. "Die muss man sehr loben, die sind die ganze Zeit bei uns gewesen. Die haben uns täglich immer wieder Informationen gegeben, wie es weitergehen wird, was wir machen sollen", sagt Di Gorga. Der Verband hat ihn auch bei der Beantragung der Soforthilfe unterstützt

Antonio Di Groga hat alle erforderlichen Schutzmaßnahmen ergriffen, damit er seine Gäste wieder bedienen kann.

(Foto: Olaf Schaeffer)

Für beide Gastronomen ist die vollständige Rückkehr zur Normalität zwar noch weit entfernt, doch sei der positive Ausblick entscheidend, erklärt Di Gorga. "Jetzt können wir allmählich wieder starten und das ist sehr schön. Weil das ist unser Leben, das ist wichtig - die Dolce Vita. Seitdem wir heute wieder da sind, sieht man mehr Leute auf der Straße, mehr Bewegung. Die Leute lachen, sind gut gelaunt. Das ist schön und das ist genau was wir alle brauchen."

© SZ vom 19.05.2020

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