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Fürstenfeldbruck:Gefragt sind konkrete Vorschläge fürs Zentrum

Märkte zeigen, wie die Hauptstraße alternativ nutzbar wäre. Ansonsten aber dominieren im Herzen der Kreisstadt die Autos. Die SPD setzt große Hoffnungen in die Fortführung des Verkehrsentwicklungsprogramms.

(Foto: Stadt Fürstenfeldbruck)

SPD vermisst ein schlüssiges Verkehrskonzept für die Innenstadt

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Insgesamt sieht die Fürstenfeldbrucker SPD die Stadt auf einem guten Weg, so etwa bei der zivilen Umplanung des Fliegerhorsts, der Umgestaltung des ehemaligen Stadtwerkeareals im Zentrum oder bei der Verkehrssicherheit. Gleichwohl sieht sie in einigen Bereichen noch Handlungsbedarf. Das gilt für die Bebauung des Viehmarktplatzes ebenso wie für die Verkehrsführung im Zentrum. Das ist beim Pressegespräch der Partei am Donnerstag deutlich geworden, das coronabedingt erstmals per Videokonferenz geführt wurde.

Philipp Heimerl, Fraktionsvorsitzender und Referent für Wirtschaftsförderung, blickt gemeinsam mit Verkehrsreferent Mirko Pötzsch, der Ortsvereinsvorsitzenden und Kulturreferentin Tina Jäger sowie dem stellvertretenden Ortsvorsitzenden Martin Haisch zurück aufs Wahljahr, vor allem aber voraus auf die Herausforderungen. Wie gewaltig diese gerade aus finanzieller Sicht sein dürften, wird sich bei den Haushaltsberatungen zeigen, in deren Zeichen die nächsten Wochen stehen. Vor allem für die großen Projekte wie Viehmarktplatz oder Eishalle könnte dies weitere Verschiebungen bedeuten. Heimerl bedauert, dass es bei der Zusammenarbeit mit anderen Fraktionen und auch der Stadtverwaltung vor allem pandemiebedingt "noch etwas ruckelt". Persönliche Gespräche, in denen Unstimmigkeiten auch mal auf dem kleinen Dienstweg ausgeräumt werden könnten, sind derzeit kaum möglich. Gleichwohl zeigt sich Heimerl zufrieden, auch mit der Zusammenarbeit mit der CSU-Fraktion. In vielen Punkten bestehe im Stadtratsplenum große Einigkeit. Und auch wenn die SPD-Fraktion seit Mai auf drei Stadträte zusammengeschrumpft ist, so haben die Sozialdemokraten - bei wechselnden Mehrheiten - doch noch genügend Einfluss. Bisweilen sind sie zwischen den Blöcken der CSU und BBV das Zünglein an der Waage. Ganz gereicht hat es in der Debatte um den Bau von Sozialwohnungen in Eigenregie am Sulzbogen freilich nicht, was Heimerl bedauert. Besser lief es mit der von der SPD beantragten Zweckentfremdungssatzung. Große Hoffnungen ruhen auf SPD-Kreisrat Christoph Maier, der als Chef der jüngst gegründeten Kreiswohnbaugesellschaft den erforderlichen "Zug" in den Wohnungsbau der Kommunen bringen soll. Heimerl hofft, dass auch die Erstellung eines Mietspiegels dazu beiträgt, in der Kreisstadt mehr bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen zu können. Die Bebauung der Lände zielt in eine ähnliche Richtung. Heimerl lehnt einen Verkauf der städtischen Grundstücke zugunsten von Erbpachtmodellen ab und plädiert dafür, Genossenschaften und Baugemeinschaften zu berücksichtigen.

Im Verkehrsbereich geht es Mirko Pötzsch zufolge durchaus voran, wie etwa bei der Abmarkierung roter Radschutzstreifen. Auf anderen Feldern laufe es hingegen "etwas stockend". Als Beispiele nennt der Verkehrsreferent die geplanten Radwege an Augsburger und Münchner sowie Fürstenfelder Straße. Zudem fehlt es Pötzsch und Haisch angesichts des bereits weit fortgeschrittenen Verkehrsentwicklungsplans an konkreten Handlungsempfehlungen für die Innenstadt - nachdem bereits jahrelang zum Beispiel über Einbahnstraßenregelungen und Kreisverkehre debattiert worden war. Nicht zufrieden ist Pötzsch vor allem mit den Radabstellanlagen am Bahnhof.

Nachholbedarf sieht Heimerl bei der Digitalisierung, die den Weg für einen besseren Bürgerservice des Rathauses ebnen könnte. Beim Klimaschutz sieht er ebenfalls noch Luft nach oben, wenn es etwa um Dachbegrünungen oder die Kartierung des Mikroklimas in der Stadt geht.

Bei der zivilen Umplanung des Fliegerhorsts sieht die SPD die Stadt auf dem richtigen Weg. Die Nachbarkommunen würden sehr wohl eingebunden, betont Heimerl. Im anstehenden Ideenwettbewerb sieht er die erforderliche Basis für weitere, vertrauenschaffende Gespräche, die vom Oberbürgermeister zu führen seien. Eher in einer "Sackgasse" befinde man sich beim Viehmarktplatz. Noch sei unklar, unter welchen Voraussetzungen sich ein Investor finde und ob die Aufstockung des Marktgebäudes um ein Stockwerk wirklich zielführend wäre.

Auf die coronabedingte Krise der Kulturbranche verweist Kulturreferentin Tina Jäger. Sie suchte in den zurückliegenden Monaten Kontakt auch zu vielen Vereinen, die oft durchs Raster der "klassischen Kulturbetriebe" fallen, so etwa Heimatgilde oder der Verein Amper-Slam. Jägers Ziel ist es, ein breites Spektrum in den von ihr beantragten und bereits beschlossenen runden Tisch Kultur einzubinden - dieser soll sodann als Bindeglied zum städtischen Kulturausschuss dienen.

© SZ vom 08.01.2021
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