Fürstenfeldbruck Gedenkstein für Max Mannheimer

Schüler des Graf-Rasso-Gymnasiums in Bruck schaffen eine Erinnerungsstätte für den Holocaust-Überlebenden "Es ist uns allen eine große Ehre, ihn kennengelernt zu haben", sagt Stephanie Sedlmair bei der Einweihung

Von Peter Bierl, Fürstenfeldbruck

Ein Gedenkstein und eine Stele erinnern seit Montag auf dem Schulhof des Brucker Graf-Rasso-Gymnasiums an Max Mannheimer (1920-2016). Der Auschwitz-Überlebende und Sozialist war viele Jahre lang nach Bruck gekommen, um den Jugendlichen von seinen Erlebnissen zu berichten. Seit seinem Tod findet jedes Jahr eine Veranstaltung zu seiner Erinnerung in der Schule statt. Die Schüler des P-Seminars Geschichte haben nun diese neue Form des Gedenkens entwickelt. "Er ist uns ein Vorbild, weil er in aussichtslosen Lagen, die Hoffnung nie aufgab. Wir konnten uns alle ein bisschen an ihn anlehnen", sagte Sophia Stadelmayer bei der offiziellen Einweihung.

P-Seminare dauern eineinhalb Jahre und dienen in der gymnasialen Oberstufe dazu, nicht nur Wissen zu erarbeiten, sondern gemeinsam ein praktisches Vorhaben zu verwirklichen. Die Lehrerin Elke Schussmann bot vor zwei Jahren dieses P-Seminar in Geschichte über Max Mannheimer an, weil die 14 Teilnehmer zum letzten Jahrgang gehören, die Mannheimer noch persönlich erleben durften. "Für uns gehört er zur Schulfamilie", erklärte Jonas Vogl. Die Teilnehmer des Seminars hatten schon vorher einige Kenntnisse über den deutschen Faschismus. "Jetzt geht es mehr in die Tiefe und wir nehmen diese Vergangenheit anders wahr", sagte Stadelmayer. Zuerst haben die Schüler in Archiven sowie in der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Dachau weitere Informationen gesammelt sowie das Grab Mannheimers auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in Freimann besucht, erzählte Vogl.

Schulleiterin Doris Hübler und Eva Faessler (rechts), die Tochter von Max Mannheimer, legen weiße Rosen auf den Gedenkstein im Schulhof des Graf-Rasso-Gymnasiums bei der Einweihung am Montag. Davor steht die Stele mit biografischen Angaben.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Daraufhin entschieden die Schüler, ihre Studienfahrt nach Auschwitz zu machen, wo die Eltern, die Schwester und die erste Frau Mannheimers als Juden im Februar 1943 ermordet wurden. Sie sahen die berüchtigte Selektionsrampe und gingen auf der Straße des Todes, die diese direkt mit den Gaskammern verband. Im Book of Names mit den Namen aller Getöteten suchten sie die Namen der Familienangehörigen. Der Besuch im Herbst hat alle tief berührt. "Es war erdrückend, oft saßen wir nur da und schwiegen", erzählte Stadelmayer. Der Lehrerin kamen bei der Präsentation von Fotos am Montag die Tränen, so dass sie nicht weitersprechen konnte.

Bereits am Anfang des Seminars entwickelten die Schüler die Idee, einen dauerhaften Erinnerungsort zu schaffen. Die Jugendlichen organisierten ein Gedenkkonzert in der Schule, sammelten Geld und suchten Sponsoren. Die Sparkasse gab einen größeren Betrag, die Gärtnerei von Max Heilmeier aus Gröbenzell unterstützte das Vorhaben. Der Gedenkstein und die Stele stehen im hinteren Bereich des Schulhofes in der Nähe des Rondells. Im Frühjahr wird hinter dem Gedenkstein noch ein Busch weißer Rosen gepflanzt.

"Max Mannheimer gehörte wegen seiner Besuche am Rasso-Gymnasium zur Schulfamilie", sagt Jonas Vogl bei der Einweihung des Denkmals.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Kulturreferentin Birgitta Klemenz (CSU) dankte im Namen der Stadt für dieses Denkmal. Das "Nie wieder" sei heute aktueller denn je. Mannheimers Tochter Eva Faessler sagte, sie sei sehr angerührt und beeindruckt. Die Schülerin Stephanie Sedlmair verwies in ihrer kurzen Ansprache auf die Symbolik der Gedenkstätte. Der Stein verkörpere nicht nur den steinigen Weg, auf den Mannheimer gezwungen wurde, er sei auch eckig und kantig, fest und hart und unvergänglich. "Es ist uns allen eine große Ehre, diesen Mann kennengelernt zu haben", sagte Sedlmair. Auf der Stele findet sich der Satz Mannheimers: "Ihr seid nicht schuld an dem was war, aber verantwortlich dafür, dass es nicht wieder geschieht."