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Fürstenfeldbruck:Flaneure zwischen Skulpturen und Filzblumen

Tausende Besucher drängen sich beim Töpfer- und Handwerkermarkt durch das Klostergelände. Sie finden qualitätsvollen Dekor für Haus und Garten und können zuweilen dessen Entstehungsprozess beobachten

Zufrieden sitzt die kleine Emilia auf dem Arm ihres Vaters. Mit ihren großen Augen fixiert sie Gertraud Steinke, die gerade einen Keramikteller sorgfältig in Zeitungspapier einwickelt. "Der ist für ihre Küche", sagt Vater Michael Schuler und blickt auf seine Tochter. Entschieden hat sich die kleine Familie, die extra aus Puchheim zum Brucker Kloster angereist ist, für gleich mehrere Stücke aus dem Angebot von Steinke. Für die Brucker Keramikern ist der Fürstenfelder Töpfer- und Kunsthandwerker-Markt eine gute Gelegenheit, Kunden für ihre Waren zu finden. Denn auch an diesem Sonntagmittag sind wieder Hunderte Menschen zwischen der barocken Klosterkirche und dem Veranstaltungsforum unterwegs, um die Waren der 100 Aussteller zu bewundern und ausgewählte Stücke mit nach Hause zu nehmen. Davon, dass von oben die Sonne brennt und es um sie herum ziemlich eng ist, lassen sie sich nicht stören.

Sich zu entscheiden, das fällt einigen Besucher gar nicht so leicht, was bei der Bandbreite der angebotenen Waren nicht verwunderlich ist. Von handgefertigten Stempeln über selbst geschmiedeten Schmuck bis hin zu Steinskulpturen ist alles dabei. Wer einen Garten oder ein Haus mit Deko schmücken möchte, für den ist das hier so etwas wie das Paradies. Das mag einer der Gründe sein, warum die Veranstaltung nun seit mehr also 25 Jahren immer wieder Tausende Besucher anlockt. Ein anderer Grund ist die Qualität der eingeladenen Aussteller. Sie werden von den Veranstaltern persönlich und gewissenhaft ausgesucht.

Einer von ihnen ist Maximilian Sailer aus Großaitingen im Landkreis Augsburg. Er hat auf der Wiese neben dem Klostergärtchen einige seiner Steinskulpturen aufgebaut. Sie sind Gebrauchskunst im besten Sinne des Wortes. Handwerklich gut gearbeitet, mit Motiven, die man sich gerne in den Garten stellt, Tiere und Gesichter etwa. Sailer ist seit 2004 sowohl bei Ausstellungen als auch auf Kunsthandwerkermärkten präsent. Sein Werkstoff ist bayerischer Kalkstein. Nach einer Lehre zum Steinmetz und einem Studium der Architektur hat er dann seine Liebe zur Kunst entdeckt.

Die Chance, die eigenen Waren einem neuen Publikum näher zu bringen, nutzt auch Gisela Helmes-Kronschnabl, die in Fürstenfeldbruck den "Filz Palast" betreibt. Wie der Name schon vermuten lässt, vertreibt sie alles, was man filzen kann, von Hüten über Blumen bis hin zu Dekoartikeln wie Blumen. An dem Stand sitzt auch Nine Herdner. Hauptberuflich ist sie Musikredakteuerin, doch in ihrer Freizeit filzt sie leidenschaftlich gerne, gibt sogar Kurse. In Fürstenfeldbruck sitzt sie nun an einem kleinen Tisch, auf dem eine Wasserschale, ein Zerstäuber und eine Unterlage aus Luftpolsterfolie liegen - und natürlich eine Tüte mit verschiedenfarbigen Fasern, ihr Arbeitsmaterial also. Gerade verpasst sie einer großen offenen Blüte den letzten Schliff. Mit geübter Hand dauere die Herstellung etwa eine Dreiviertelstunde, verrät sie. Für die Besucher die Chance, sich diese interessante Handwerkstechnik einmal genauer anzuschauen und nicht nur die fertigen Produkte zu sehen.

Überhaupt gehört es zur Atmosphäre des Marktes, dass viele Aussteller vor Ort an ihren Werken arbeiten und so einen Einblick in ihre Handwerke gewähren und den Besuchern natürlich auch für Fragen zur Verfügung stehen. Und die Gäste nehmen dieses Angebot dankbar an, unterhalten sich, lassen sich dann eines der Stücke, über dessen Herkunft sie soeben einiges erfahren haben, einpacken. So wie Emilia und ihre Eltern. Mit einem ganzen Paket an Keramikobjekten im Gepäck stürzen sie sich wieder in den Trubel.