Fürstenfeldbruck Expelliarmus

Im normalen Leben ist Christine Dietzinger (stehend) Erzieherin, heute aber Hexe und Hauslehrerin.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Harry-Potter-Tag in der Aumühle

Von Isolde Ruhdorfer, Fürstenfeldbruck

In der Stadtbibliothek ist etwas anders als sonst. "Es schaut nur von außen so aus, als ob es eine Bibliothek wäre", verrät Christine Dietzinger. Sie ist Vorsitzende des Lese- und Theaterclubs Turmgeflüster. An diesem Nachmittag ist sie allerdings eine Hexe, die Große Halle der Bibliothek ist die von Hogwarts und das ganze Gebäude ist Schauplatz von "Harry Potter und der Feuerkelch". Es findet nämlich eine Spiel- und Bastelaktion für Hexen, Zauberer und Muggel (also Nicht-Magier) ab neun Jahren statt. Die vom Verein Turmgeflüster kreierten Spiele lehnen sich alle an wichtige Ereignisse aus dem vierten Band der Reihe an. Darin nimmt Harry am Trimagischen Tunier teil und muss für seine Schule den Pokal gewinnen.

Doch zuerst wird bestimmt, zu welchem Haus - Gryffindor, Ravenclaw, Hufflepuff oder Slytherin - die Kinder gehören. Dafür liegt schon ein großer, alter Zauberhut bereit. Der kann allerdings nicht wie im Original sprechen. Stattdessen zieht Dietzinger für jedes Kind unter Trommelwirbel einen Zettel aus dem Hut. "Ravenclaw!", verkündet sie für ein Mädchen. Unter tosendem Applaus setzt sie sich an einen der vier "Haustische". Von der Decke hängen selbst gebastelte Papierkerzen, in der Ecke dampft ein großer Kessel vor sich hin und auf der Bühne steht der Feuerkelch, in den die Kinder später ihre Namen werfen dürfen. Alle naschen von bunten Süßigkeiten, die Berti Botts Bohnen aller Geschmacksrichtungen ähneln. Eine mit Popelgeschmack hat aber noch keiner erwischt. "Als erstes braucht ihr einen Zauberstab", sagt Dietzinger. Jeder bekommt ein Essstäbchen, das dann verziert wird. Während die Kinder ihre Zauberstäbe mit Herzen und Glitzersternchen bekleben, wird fleißig über Harry Potter diskutiert. Die Bücher haben hier nämlich, bis auf ein Mädchen, alle gelesen. Am Gryffindor-Tisch versucht man unterdessen, sich zu verzaubern. Ein Junge richtet seinen Zauberstab auf seinen Freund und ruft "Expelliarmus!". Der kontert mit einem "Avada Kedavra!".

Gegruselt hat sich beim Lesen keines der Kinder. Zu kompliziert war ihnen der vierte Band, der immerhin über 700 Seiten hat, auch nicht. Fragt man genauer nach, können die zum Großteil Neunjährigen selbst komplizierte Zusammenhänge fehlerfrei erklären. "Die Aufgabe ist, sich mit dem Inhalt zu befassen", sagt Dietzinger. Schließlich gehe es um "literarisches Lernen". Davon, die Handlung zu vereinfachen, um sie den Kinder verständlicher zu machen, hält sie nicht viel. Das Mindestalter von neun Jahren für die Aktion findet sie aber angemessen. "Sie wollen das gerne machen", sagt sie.

Inzwischen rennen die kleinen Harry Potter-Fans durch das ganze Gebäude und sammeln Unterschriften für "B.Elfe.R", den "Bund für Elfenrechte". Später müssen sie noch, wie Rita Kimmkorn, einen echten Artikel für den Tagespropheten schreiben und einen Drachen besiegen. Denn schließlich geht es darum, wer am Ende den Trimagischen Pokal gewinnt.