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Schülerlotsen:Es fehlt an Helfern

Schulweghelfer

Sicher zur Schule: Die Maisacher Gemeinderätin Christa Turini-Huber betätigt sich auch als Schulweghelferin.

(Foto: Günther Reger)

Germering und Puchheim suchen nach Ehrenamtlichen, denn sie haben nicht mehr genügend Lotsen für die viel frequentierten Übergänge im Bereich der Grundschulen. In Maisach gibt es am Mittag einen Engpass

Von Henning Vetter, Fürstenfeldbruck

Aufgabe von Schulweghelfern ist es, im Umfeld von Grundschulen darauf zu achten, dass Buben und Mädchen sicher zum Unterricht gelangen. Aber die Zahl derer, die sich freiwillig morgens und mittags an Ampeln oder Zebrastreifen stellen und Kinder über die Straße winken, fällt seit Jahren stetig. Damit steigen die Gefahren für die Schulanfänger im Straßenverkehr. Vor allem bei Grundschülern ist der Schulweg mit einigen Risiken verbunden, denn ihnen fehlt die Erfahrung im Verkehr. Die Schulweghelfer stehen an potenziell gefährlichen oder viel frequentierten Stellen und helfen beim Überqueren der Straße.

Die Situation in Germering bezeichnet Susanne Steer vom Straßenverkehrsamt Germering als "ganz schlecht". Es gebe im Ort zehn bis zwölf fest eingerichtete Stellen für Schulweghelfer, von denen seien zwei derzeit nicht besetzt, sagt sie. Die ehrenamtlichen Helfer sind oft Senioren, die irgendwann aus Altersgründen ihre Tätigkeit niederlegen, oder Eltern, die das Ehrenamt aufgeben, wenn ihr Kind die Grundschule verlässt. So geschah es auch in diesem Jahr. Die Hoffnung, noch neue Helfer für die Lotsenaufgabe zu gewinnen, hat Steer aufgegeben. "Die Aufrufe fruchten nicht, wir haben Anreize geschaffen, mehr können wir als Stadt nicht tun." Als Aufwandsentschädigung gibt es für jeden Einsatz drei Euro, zudem übernimmt die Stadt Ausrüstung und Versicherung.

Ähnlich ist die Lage in Puchheim. In diesem Jahr kam auf zwei Abgänge lediglich eine neue Helferin. Auf den ersten Blick ist das kein großer Einbruch, doch diese Tendenz besteht seit Jahren. "Früher war die Situation deutlich besser. Mittlerweile können einige Stellen zeitweise gar nicht besetzt werden", klagt Margret Ladstätter. Sie ist Koordinatorin für die Schulweghelfer in Puchheim. Dabei ist die Tätigkeit sehr erfüllend, die Kinder freuen sich über die Helfer. Ladstätter: "Einmal sollten Schüler am Ende der vierten Klasse sagen, was am schönsten an der Grundschule gewesen sei. Ein Kind antwortete: Die Schulweghelfer!"

Seit acht Jahren ist Ladstätter Koordinatorin. Sie hat einen festen Stamm an Helfern zur Verfügung. Jeder von diesen könne mindestens eine Situation beschreiben, in der durch seinen Einsatz ein schwerer Unfall verhindert werden konnte, erzählt Ladstätter. Den Grund für den Rückgang der Helfer sieht sie darin, dass immer mehr Mütter berufstätig sind oder Senioren sich nicht an eine Tätigkeit binden wollen. Das sei jedoch gar nicht nötig, so die Koordinatorin: "Wir suchen Leute, die einmal in der Woche eine halbe Stunde Zeit haben." Auch Urlaub zu nehmen, sei kein Problem. "Es ist besser, eine Stelle ist für zwei oder drei Wochen vielleicht mal nicht besetzt als das ganze Jahr." Doch die Aufrufe laufen bisher ins Leere. Bei rund 70 Erstklässlern hat sich lediglich die Mutter eines Schülers bereit erklärt, bei der Sicherung des Schulwegs zu helfen.

Auch in Maisach ist die Situation angespannt. Zwar gibt es hier 21 Helfer - genügend, um in der Früh die Schulwege zu sichern. Aber niemanden für den Mittag. Das hat Folgen, vor allem für die Autofahrer, die gegen 13 Uhr nur noch schwer an der Schule entlang fahren könnten, erklärt die CSU-Gemeinderätin Christa Turini-Huber. Das liege an den Gruppen von Schülern, die unachtsam die Straße überquerten, auch dort, wo die Ampel auf Rot stehe, sagt Turini-Huber. "Dazu gibt es auch entsprechende Rückmeldungen aus der Bevölkerung." Auch hier findet die Gemeinde keine Freiwilligen, welche die entsprechenden Stellen absichern könnten. Die Autofahrer sind zwar vorsichtig, die Sicherheit der Schüler jedoch nicht gewährleistet, sagt Turini-Huber.

Eine halbe Stunde pro Woche beträgt der Zeitaufwand als Verkehrshelfer, wobei freilich auch öfter gearbeitet werden kann. Ausgebildet werden die Helfer von der Polizei, zum Beispiel von Andreas Cherchi. Er ist Verkehrserzieher und weiß um die Gefahren auf dem Weg zur Schule. "Die Kinder nehmen ein Auto wahr, können aber Abstand und Geschwindigkeit nicht richtig zuordnen", erläutert Cherchi. Erst im Alter von neun oder zehn Jahren werden solche Informationen besser verarbeitet. Zudem sind die Grundschüler schnell abgelenkt, daher bedarf es der Helfer, um die Wahrnehmung der Kinder zu fördern.

Aber auch Autofahrer sollen durch Schulweghelfer auf potenzielle Gefahrensituationen aufmerksam gemacht werden. Die Helfer können grundsätzlich an drei Stellen stehen: am Zebrastreifen und an der Ampel, da seien die Situationen durch die Straßenverkehrsordnung klar geregelt, und am Schulwegübergang. Der ist mit einem blauen Schild gekennzeichnet, Autofahrer müssen jedoch nicht zwingend halten. An dieser Stelle ist Kooperation gefragt, da die Helfer den Verkehr nicht regeln dürfen. Damit gebe es aber auch keine Probleme, sagt der Polizist, die Autofahrer seien aufmerksam. "Da gibt es höchsten mal einen Auswärtigen, der ein Schild übersehen hat, aber das ist insgesamt selten."

Um weitere Schulweghelfer zu gewinnen, gibt es Vorträge, in welchen die Eltern der neuen Schüler über die Gefahren auf dem Schulweg aufgeklärt und von einem Einsatz für einen sicheren Weg zum Unterricht überzeugt werden sollen. Auch ehemalige Freiwillige werben für den Einsatz als Schulweghelfer.

In Fürstenfeldbruck ist die Lage weniger angespannt. Für die 18 Standorte gibt es zur Zeit 20 Helfer sowie einen Springer für Krankheitsfälle, sagt Susanne Reichlmaier. Es könnten sich aber gerne noch welche melden. "Es ist immer gut, wenn man noch welche auf Vorrat hat." Manche Freiwillige sind schon sehr lange dabei: "Eine Frau hilft den Kindern schon seit 25 Jahren." In Gröbenzell schätzt der Amtsleiter des Zentralen Dienstes, Georg Hörl, die Situation insgesamt gut ein. Hier gebe es für sechs Standorte 20 Schulweghelfer. Dennoch sucht die Gemeinde vier bis fünf weitere Helfer, um die Freiwilligen zu entlasten. In Germering und Puchheim wünscht man sich ebenfalls mehr Engagement, denn der Einsatz hilft. Das ist sicher. Seit 1980 gab es keinen einzigen tödlichen Unfall auf Schulwegen, die von Helfern betreut wurden.

© SZ vom 19.09.2016
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