Fürstenfeldbruck Es bleibt beim Plädoyer für vier Gleise

Der Brucker S-Bahnhof verfügt über je zwei Gleise auf beiden Seiten des Mittelbahnsteigs. Zum nächsten Bahnhof geht es dann aber (noch) auf zwei Gleisen weiter.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Nach kontroverser Debatte ziehen Stadtrat und Oberbürgermeiste nun doch an einem Strang. Nur an der Petition scheiden sich die Geister

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Die Kreisstadt wird sich nun doch weiterhin für den viergleisigen Ausbau der S-Bahnstrecke zwischen Pasing und Fürstenfeldbruck einsetzen. Mit einstimmig gefassten Beschlüssen soll ein deutliches Signal gegeben werden, dass mit einem dreigleisigen Ausbau die Verkehrsprobleme in dem wachsenden Ballungsraum auf lange Sicht wohl nicht gelöst werden können. Auch Oberbürgermeister Erich Raff (CSU) stimmte letztlich zu - trotz seiner Zweifel, dass sich in der Sache noch viel bewegen lässt. Eine zusätzliche Petition des Stadtrats an Staatsregierung und Landtag wurde mit 25 gegen zwölf Stimmen beschlossen.

Die Antragsteller Jan Halbauer (Grüne) sowie Verkehrsreferent Mirko Pötzsch (SPD) warben am Dienstag im Stadtrat erneut nachdrücklich dafür, einen bereits 2014 einstimmig gefassten Beschluss nun zu bekräftigen. Die Forderung: Gleichzeitig mit dem Ausbau der zweiten Stammstrecke in München sollen bis zum Brucker S-Bahnhof zwei zusätzliche Gleise verlegt werden - zwei für die S-Bahn sowie zwei für den Regional-, Fern- und Güterverkehr. Falls zunächst lediglich drei Gleise realisiert werden können, soll damit zumindest die künftige Erweiterung um ein viertes Gleis nicht komplett verbaut werden - beispielsweise durch den Umbau von Bahnhöfen. Der Oberbürgermeister soll sich nun mit seinen Amtskollegen der Anrainerkommunen Grafrath, Eichenau und Puchheim sowie dem Vorsitzenden des zuständigen Münchner Bezirksausschusses abstimmen, um bei der Staatsregierung in der Sache nochmals mit vereinten Kräften vorzusprechen. Zudem unterstützt die Kreisstadt auch weiterhin die Bürgerinitiative "S-4-Ausbau jetzt", deren Sprecher Pötzsch ist. Auf Drängen Raffs und des CSU-Fraktionsvorsitzenden Andreas Lohde werden die Bemühungen unter den Vorbehalt gestellt, dass dadurch nicht Vereinbarungen mit der Bahn, beispielsweise was den Bau des zusätzlichen Bahnsteigs in Fürstenfeldbruck betrifft, gefährdet werden. Philipp Heimerl (SPD) hält dies freilich für unwahrscheinlich. Denn der Bahnsteig an Gleis eins in Bruck steht einem viergleisigen Ausbau nicht im Wege, und der barrierefreie Umbau in der Buchenau ist bereits im Gange.

In der Debatte wies Raff Vorwürfe von Pötzsch und Halbauer zurück, er vollziehe geltende Beschlüsse nicht, habe sich nicht um eine Vorberatung im Fachausschuss gekümmert und zu früh die Flinte ins Korn geworfen. Raff erinnerte daran, dass der viergleisige Ausbau bereits 2010 gestrichen worden war. Den Vorwurf der Untätigkeit wies er entschieden zurück. Wiederholt habe er sich bei den höheren Stellen für den viergleisigen Ausbau stark gemacht. Letztlich aber ohne Erfolg - im Juni 2018 fiel dann die Entscheidung für den dreigleisigen Ausbau. Gleichwohl habe man der Bahn in anderen Bereichen viele Zugeständnisse abgewonnen, wie an den beiden Bahnhöfen. Der OB warnte vor allzu großer Euphorie, nun doch noch etwas bewirken zu können. Es fehle überall der Platz, bereits im Zuge des dreigleisigen Ausbaus müssten Grundbesitzer enteignet werden.

Franz Neuhierl (Freie Wähler) will sich dennoch nicht mit den Absagen der Regierung zufrieden geben: "Sagen dürfen wir schon, dass wir nicht zufrieden sind" und dass die Bahn schlafe. Vier Gleise seien schlicht geboten. Alexa Zierl (Die Partei und Frei) sieht das ähnlich: Man dürfe sich nicht zurücklehnen und resignieren: "Denn irgendwann werden sie es kapieren", dass das anvisierte Wachstum des Fernverkehrs zwischen München und Zürich um 50 Prozent und Zehn- oder 15-Minutentakt ohne viertes Gleis kaum machbar sind. Nachbesserungen an den Planungen der Bahn sind Pötzsch und Halbauer zufolge noch möglich: Vor 2027 sei mit Baubeginn der zweiten Stammstrecke nicht zu rechnen, prophezeite Halbauer.

Dritte Bürgermeisterin Karin Geißler wies auf die Bedeutung eines mit großer Mehrheit gefassten Beschlusses hin. Schon Raffs Vorgänger Sepp Kellerer (CSU) habe vor vielen Jahren seine Entschlossenheit bekundet, die Viergleisigkeit durchzusetzen. Noch gebe es eine Chance, auch mit Blick auf den Klimawandel etwas zu bewegen und umzusteuern.