Erzählcafé in der AumühleEinsatz für Menschenwürde und Demokratie

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Willi Dräxler
Willi Dräxler Stadtbibliothek Aumühle

Integrations-Referent Willi Dräxler berichtet in der Stadtbibliothek von seinem Leben und seiner Arbeit.

Von Peter Bierl, Fürstenfeldbruck

Der Stadtrat Willi Dräxler ist ein waschechter Brucker, geboren 1959 in der Maisacher Straße, im Ort aufgewachsen und zur Schule gegangen. Ein Teil seiner Vorfahren stammt aus Puch, aber als er mit seiner Familie 2002 in den kleinen Ortsteil zog, musste er beweisen, dass er dazu passt. Dräxler hat eine Streuobstwiese, das Heu bringt er zu einem Bauern. Der forderte ihn auf, den Traktor samt Anhänger und Fracht rückwärts auf den Futtertisch im Stall zu bugsieren. Trotz aller Aufregung meisterte Dräxler die Probe auf Anhieb und bewies so in den Augen der Nachbarn, dass er dazugehört.

Bei aller Sesshaftigkeit verlief seine Biografie nicht gradlinig. Der Vater wollte, dass der Sohn ihm als Elektriker nachfolgte. Der las in der Realschule eine Werbung des Landratsamtes zur Ausbildung als Verwaltungsbeamter im mittleren Dienst, was wiederum der Mutter gefiel, die auf die Sicherheit im öffentlichen Dienst setzte.

Praktikum in Ecuador

Dräxler absolvierte die Lehre, arbeitete zwei Jahre als Beamter auf Probe und sattelte dann um. Forstwirtschaft, Maschinenbau oder Sozialpädagogik lockten ihn. Er entschied sich für soziale Arbeit, besuchte die Fachoberschule und die Hochschule mit der Perspektive, seine Karriere im Jugendamt der Kreisbehörde fortzusetzen. Er absolvierte ein halbjähriges Praktikum in einem SOS-Kinderdorf in Ecuador, wo er seine spätere Frau kennenlernte, anschließend noch ein Praktikum im Jugendamt, wo ihn ein Vorgesetzter darauf hinwies, dass der Caritas-Verband eine ABM-Stelle vergeben wollte, an jemanden mit Auslandserfahrung. Weil Dräxler nicht erwerbslos war, hätte er den Posten eigentlich nicht bekommen können, aber die damalige Leiterin des Arbeitsamtes, die spätere Brucker Bürgermeisterin Eva Schumacher, half über die Klippe hinweg.

Dräxler begann bei der Caritas in Bruck die Unterstützung für Flüchtlinge aufzubauen, er leistete Pionierarbeit. Damals kamen die ersten Geflüchteten, viele aus Äthiopien, Iran und Osteuropa, dazu Sikhs aus Indien. Sie wurden in Containern auf der Ludwigshöhe untergebracht, willkommen waren sie vielen Brucker keineswegs. Zehn Jahre blieb Dräxler auf diesem Posten, dann wechselte er zum Bereich Migration beim Diözesanverband der Caritas, wo er bis heute tätig ist.

In Fürstenfeldbruck gehört er seit 2014 für die BBV dem Stadtrat an und fungiert als Referent für Integration. Das schließt für ihn alle Einwohner ein, denen Ausgrenzung droht. Besonders stolz ist er auf die Leitlinien zur Förderung der Stadtgemeinschaft, die er initiiert und die schließlich einstimmig beschlossen wurden. Den Begriff Integration mag er eigentlich nicht mehr, weil der für viele Migranten zum Schimpfwort geworden sei, wie er berichtet.

Im Frühjahr nächsten Jahres wird Dräxler in Rente gehen, seine drei Kinder sind längst erwachsen, das zweite Enkelkind ist unterwegs. In Bruck wird er weiter aktiv bleiben. Ihm geht es um drei Aspekte: Menschen zusammenbringen, dafür sorgen, dass alle akzeptiert werden und dass die Vergangenheit nicht vergessen wird. In diesem Sinn hielt Dräxler am Volkstrauertag eine Rede in Puch und sprach über Hass und Hetze im Netz, die Verherrlichung von Despoten und autoritären Systemen. Gerade bereitet er eine Veranstaltung über die Opfer von Zwangssterilisierung und Euthanasie während der faschistischen Herrschaft vor.

Ihm ist wichtig, dass Menschenwürde und Demokratie zusammengehören. Dass Migration inzwischen als „Mutter aller Probleme“ hingestellt wird, ärgert ihn. Den Ausdruck „irreguläre Migration“ hält er für das Unwort des Jahres. „Die Suche nach Schutz ist legal. Mit solchen Ausdrücken schafft man Feindbilder“, warnt er.

Die Veranstaltung des Brucker Forums „In Bruck und der Welt dahoam“ mit Willi Dräxler in der Stadtbibliothek Aumühle findet am Samstag, 23. November, von 15 bis 17 Uhr statt.

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