Süddeutsche Zeitung

Fürstenfeldbruck:Ersatz fürs Nadelöhr

Die einzige Brücke, die die Brucker Amperinsel erschließt, ist baufällig und muss ersetzt werden

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Man könnte sagen, dass die Kreisstadt so etwas hat wie ein veritables Brückenproblem. Da ist die Amperbrücke zwischen Marktplatz und Leonhardikirche, die marode ist und auf absehbare Zeit entweder saniert oder ersetzt werden muss. Und da ist die Brücke, die von der Schöngeisinger Straße aus die Amperinsel anbindet. Die ist noch baufälliger als die große Schwester, aber kaum weniger bedeutsam - stellt sie doch die einzige Zufahrtsmöglichkeit zur Lände dar und damit zum Bauhof, zum Alten Schlachthof, zum Wirtshaus und dem Kraftwerk der Stadtwerke. Der Bereich wird in einigen Jahren überplant, vor allem der Bauhof soll Platz machen für einen Mix aus Wohnen und Gewerbe. Der Verkehr wird also eher zunehmen. Und vor allem der ganze Baustellenverkehr muss über das Nadelöhr abgewickelt werden. Oder auch noch über das provisorische Nadelöhr, das eine Querung des Amperarms bis zur Fertigstellung des Neubaus gewährleisten soll.

Am Dienstag hat der zuständige Fachausschuss mit einer Empfehlung an den Stadtrat erste Pflöcke eingeschlagen, um die aus Sicherheitsgründen von Ende 2021 an nicht mehr nutzbare Brücke zu ersetzen. Noch zu prüfen ist, ob dies mit einem schlichten Konstrukt aus Stahlbeton erfolgt oder in einer filigranen und optisch ansprechenden, aber damit auch teureren Metallausführung, wie sich dies Thomas Brückner (Grüne) und Christian Götz (BBV) wünschen würden ("Wir wollen ein Eingangstor zum neuen Viertel und nicht wieder eine Nullachtfünfzehn-Brücke"). Weil das gut neun Meter breite Bauwerk in einen verkehrsberuhigten Bereich integriert wird, kann auf eine Abtrennung von Gehwegen durch Bordsteine verzichtet werden. Die auf etwa 1,9 Millionen Euro veranschlagte Brücke wird also zum Shared Space, bei dem Gehwege zwar zum Beispiel durch ein anderes Material markiert werden können, in dem aber Radfahrer und Fußgänger mit Autofahrern gleichberechtigt sind.

Ein bis zu einer Million Euro teures Provisorium ist für die auf ein bis zwei Jahre veranschlagte Zeit für Abbruch und Neubau in jedem Fall erforderlich. Auf Brückners Vorschlag hin wird nun noch geprüft, ob die Behelfsbrücke so konstruiert werden kann, dass sie später ein paar Meter nach Osten verschoben oder gehoben werden kann und dann als Dauerlösung dienen könnte. Von einer ebenfalls vorgeschlagenen Holzkonstruktion riet der Ingenieur des beauftragten Planungsbüros ab. Denn um die Tragfähigkeit zu gewährleisten, müssten sehr mächtige Balken verwendet werden, was im Fall von Hochwasser problematisch wäre. Zudem wäre die Lebensdauer eines solchen Bauwerks sehr begrenzt und Wartung sowie Pflege aufwendig. Und zum Schutz wäre eine Überdachung angeraten, was die Kosten noch weiter in die Höhe treiben würde.

Verworfen wurde mehrheitlich der Vorschlag, sich bei der neuen Brücke lediglich auf eine Breite von siebeneinhalb Metern zu beschränken, so dass nur Platz wäre für eine Autofahrspur. Ordnungsamtschefin Birgit Thron riet davon ab, weil es sonst zu Rückstaus auf die Schöngeisinger Straße und zur Behinderung des Busverkehrs kommen könnte.

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Quelle:
SZ vom 15.10.2020
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