Naturschutz im Landkreis Fürstenfeldbruck4130 Frösche, Kröten und Molche gerettet

Lesezeit: 2 Min.

Weil ihre Lebensräume zerstört werden, gibt es immer weniger Grasfrösche. Doch ihnen kann geholfen werden.
Weil ihre Lebensräume zerstört werden, gibt es immer weniger Grasfrösche. Doch ihnen kann geholfen werden. Christian Koebele; LBV/Christian Koebele

Die Bilanz des Landesbundes für Vogel- und Naturschutz zur Amphibienwanderung zeigt, dass Schutzmaßnahmen wirksam sind. Das Beispiel eines sanierten Teiches macht den Rettern Hoffnung.

Von Ingrid Hügenell, Egenhofen

SZ bei Google bevorzugen

Überraschend viele Frösche, Kröten und Molche haben die freiwilligen Helferinnen und Helfer des Landesbundes für Vogel- und Naturschutz im Landkreis Fürstenfeldbruck in dieser Saison zu ihren Laichgewässern getragen - insgesamt 4130. Die Naturschützer führen diesen Erfolg auch auf die eigenen Schutzmaßnahmen zurück. Vor allem am Zaun in Poigern (Gemeinde Egenhofen) seien viele Tiere gezählt worden, nämlich 1250 aus sechs Arten.  „Eine kleine Sensation“, jubeln die Amphibienretter: „Das beste Ergebnis seit 2015!“ Das kommt nicht von ungefähr: Das Laichgewässer war fast verschwunden und wurde aufwendig wieder hergestellt.

„Poigern ist ein Paradebeispiel für eine erfolgreiche Artenschutzmaßnahme“, sagt Simon Weigl, Geschäftsstellenleiter und Artenschutzexperte des LBV Fürstenfeldbruck. „Nur vier Jahre nach der Sanierung des Teichs haben wir wirklich beeindruckende Ergebnisse.“ Mit der Sanierung sei der Grundstein für den Zuwachs gelegt worden. „Jetzt hoffen wir, dass sich die Amphibienpopulation dort weiter stabilisiert.“

Vom Sorgenkind zur hoffnungsvollen Kinderstube

Im Rahmen einer Ausgleichsmaßnahme hatte der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) Fürstenfeldbruck in Zusammenarbeit mit dem LBV, einer Landschaftsarchitektin und einer Landschaftspflegefirma den stark verlandeten Teich wiederbelebt. Das Ufer wurde von starkem Bewuchs und wasserziehenden großen Gehölzen befreit, gebietsheimische Pflanzen ausgesät. Ein Lehmtümpel wurde als zusätzliches Laichgewässer angelegt. Der Erfolg: Trotz des trockenen Frühjahrs blieb der Wasserstand immer ausreichend hoch. Zudem müssen die Uferstreifen in den kommenden Jahren nicht bearbeitet werden, so kann sich der Amphibiennachwuchs ungestört entwickeln. „Alle diese Maßnahmen verwandelten den zugewachsenen Teich wieder in ein lebendiges Biotop.“

Nicht nur Frösche und Kröten, auch  Molche konnten gerettet werden.
Nicht nur Frösche und Kröten, auch  Molche konnten gerettet werden. LBV

Das Wunschziel des LBV, dort tausend Tiere zu zählen, wurde übertroffen. Es fanden sich sogar mit 498 Exemplaren mehr Grasfrösche als Erdkröten (410) ein.  Die geschützte Froschart gehe durch den Verlust ihrer Lebensräume stark zurück und sei gebietsweise sogar verschwunden, erklärt der Naturschutzverband. Auch Teichmolche und Teichfrösche waren mit 282 beziehungsweise 88 Exemplaren stark vertreten. Vier der besonders gefährdeten Laubfrösche tauchten als Zaungäste auf.

Von Mitte Februar bis Anfang Mai kontrollierten Freiwillige der LBV-Kreisgruppe täglich morgens und abends die fast zwei Kilometer langen Zäune in Poigern sowie in Mammendorf, Wenigmünchen und Herrnzell. Dabei kamen laut LBV mehr als 500 ehrenamtliche Stunden zusammen. 40 Helfer trugen 4130 Tiere über die Straße. Darunter viele Teich- und Bergmolche, auch deren Zahlen gehen sonst eher zurück.

Etwa zwei Kilometer Amphibienschutzzäune haben die Freiwilligen aufgebaut und täglich kontrolliert.
Etwa zwei Kilometer Amphibienschutzzäune haben die Freiwilligen aufgebaut und täglich kontrolliert. LBV

Die meisten der geretteten Tiere, 3100, waren Erdkröten. Insgesamt erholten sich die Bestände nach den sehr schlechten, weil trockenen Jahren 2023 und 2024 wieder.

Die Amphibienzahlen an den Zäunen lieferten wichtige Daten, erläutert Weigl. „Daraus können wir notwendige Schutzmaßnahmen ableiten und auch zeitnah in die Wege leiten.“ Der freiwillige Einsatz der Helferinnen und Helfer trage entscheidend zum Artenschutz bei. „Ohne Schutzmaßnahmen würden die Amphibien aus unserem Landkreis verschwinden.“ Wer in der Saison 2026 an den Amphibienschutzzäunen des LBV Fürstenfeldbruck mithelfen will, kann sich jederzeit unter fuerstenfeldbruck@lbv.de melden.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Artenschutz
:Auf geht's zur Hummel-Challenge

Der Bund Naturschutz will mehr über Bayerns Hummeln herausfinden, um die pelzigen Wildbienen besser schützen zu können. Wie jeder vom 20. Juni bis 3. Juli zum Hummel-Forscher werden kann.

Von Ingrid Hügenell

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: