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Fürstenfeldbruck:Eissport könnte Fall für die Justiz werden

Eishockey mit Dach

Germering verfügt mit dem Polariom als einzige Kommune im Landkreis bereits über eine Eishalle (im Bild ein Derby des EV Germering in gelben Trikots gegen den EV Fürstenfeldbruck).

(Foto: Günther Reger)

Anwohner beauftragen Anwalt und kündigen Widerstand gegen den neben der Amperoase geplanten Bau einer Halle an. Auch den weiteren Betrieb des offenen Stadions halten sie wegen Lärmbelästigung für unzulässig

Die in der Kreisstadt geplante Eishalle könnte ein Fall für die Gerichte werden, lange bevor das erste Fundament gesetzt werden soll. Eine Anwohnergemeinschaft befürchtet Ruhestörung durch abendlichen Betrieb und hat den Olchinger Rechtsanwalt Ewald Zachmann eingeschaltet. Es geht nicht nur um den von der Stadt bislang favorisierten Bauplatz für eine Halle neben der Amperoase, sondern darüber hinaus auch um den weiteren Betrieb des benachbarten offenen Eisstadions. Die Stadt will die Vorbehalte prüfen. Die CSU mahnt, vor diesem Hintergrund Standortalternativen auf dem Fliegerhorst ernsthaft zu untersuchen.

Kurt Eder ist einer der Sprecher der "WEG Holzhofstraße", der nach eigenen Worten mehr als 70 Eigentümer einer Wohnanlage nahe der Schöngeisinger Straße vertritt. Er macht unter Berufung auf ein aktuelles Lärmgutachten deutlich, dass man die Anlagen an der Amperoase nicht haben will. Auch die vorgeschlagene abendliche Verkehrsführung der Besucher beispielsweise über die Heubrücke und damit weg von der Schöngeisinger Straße ändere nichts an der grundsätzlichen Ablehnung einer Halle auf einem Bolzplatz nahe den Schwimmbädern. Der Stadtrat hatte diesem Standort jüngst Priorität zugemessen. Eher routinemäßig als "Plan B" soll zudem eine Fläche auf dem Fliegerhorst auf ihre Eignung untersucht werden.

Eder widerspricht nachdrücklich dem Eindruck, man habe sich mit dem Förderverein des EV Fürstenfeldbruck bereits einvernehmlich verständigt. Dessen Zweiter Vorsitzender Manuel Vilgertshofer hatte im Stadtrat seine Zuversicht bekundet, sich mit den Nachbarn einigen zu können und nach mehr als drei Jahrzehnten endlich eine ligataugliche Lösung zu finden für den Eislaufverein sowie die wetterunabhängige Nutzung durch den Eis- und Rollsportclub. Den Standort auf dem Fliegerhorst lehnt Vilgertshofer vor allem wegen des bereits auf 2026 verschobenen und weiterhin unsicheren Abzugs der Bundeswehr ab.

Dass der Förderverein jüngst - im Sinne der Rentabilität - die Weitervermietung einer künftigen Halle nach 22 Uhr ins Gespräch gebracht hat, bestärkt die Anwohner in ihrer Ablehnung. Auf einer jüngst einberufenen Mitgliederversammlung sei der Entschluss gefallen, sich zu wehren. Daran haben auch Zugeständnisse des Landesliga-Eishockeyteams nichts geändert, das seine Heimspiele um eine halbe Stunde vorverlegt hat. Eder: "Das hat nicht viel gebracht. Und eine Eishalle würde unserem Wohngebiet noch mehr Verkehr bringen. Die Lärmbelastung ist heute schon unzumutbar. Wir sind keinesfalls zu Zugeständnissen bereit." Eder verweist auf einen alternative Standort zwischen Kurt-Schumacher-Straße und Bundesstraße 471. Die Fläche freilich ist für den Bau einer Multifunktionshalle der Herrschinger Bundesliga-Volleyballer reserviert - Platz für eine Eishalle nebst weiterer Parkplätze gebe es dort nicht, hält Oberbürgermeister Erich Raff (CSU) dagegen.

Ziel der Anwohner ist es, auch den abendlichen Betrieb im Eisstadion zu untersagen oder zumindest die Lärmbelästigung deutlich zu reduzieren. Kurt Eder hat sich eigenen Worten zufolge bereits Schallschutzfenster einbauen lassen, weil er das abendliche Getrommel und Dröhnen der Eismaschine nicht mehr ausgehalten habe. Rechtsanwalt Ewald Zachmann bringt in einem Brief an die Stadt Zweifel an der grundlegenden Baugenehmigung mit entsprechenden Auflagen zum Lärmschutz für das Stadion vor und deutet an, dass die Anwohner auf eine Klärung vor dem "Verwaltungsgericht und/oder Zivilgericht" dringen könnten. Raff lässt Mitarbeiter der Verwaltung nach den damaligen Bauplänen suchen. Die offenbar vom Landratsamt als zuständiger Genehmigungsbehörde in München archivierten Unterlagen aus den frühen Siebzigerjahren würden gesichtet. "Was da drin steht, weiß niemand, wir müssen jetzt erst mal abwarten."

Zachmann ermahnt die Stadt, gegen "unzulässigen Lärm vorzugehen, der von einer baulichen Anlage ausgeht". Diese Pflicht werde spätestens seit Vorlage der schalltechnischen Untersuchung im März des vergangenen Jahres permanent verletzt. Eine Entlastung würde sich die Wohneigentümergemeinschaft auch von einer Herabstufung der Holzhofstraße von der Staatsstraße zur Gemeindestraße versprechen. Dies würde beispielsweise den Weg ebnen für Tempo 30.

Raff schwindet die Hoffnung auf eine gütliche Einigung mit den Anwohnern: "Die stellen alles auf den Prüfstand." Dauere ein Rechtsstreit drei oder vier Jahre, dann könne man in diesem Lichte auch den Fliegerhorst als Standort prüfen, zumal die Offizierschule als Hauptnutzer des dortigen Sportgeländes bereits 2023 abziehen soll. Ähnlich sieht das CSU-Fraktionschef Andreas Lohde. "Es ist leider eine verfahrene Situation". Das "Lärmkontingent" rund ums SCF-Gelände und die Amperoase sei offenbar ausgeschöpft.