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Fürstenfeldbruck:Einsatz gegen Armut und Not

Engagiert in sozialen Themen (von links): Saskia Schon, Karina Werner, Thomas Beyer und Uli Schmetz bei der Feier in Fürstenfeld.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Arbeiterwohlfahrt begeht ihr hundertjähriges Bestehen: Bei der Feier betont der Landesvorsitzende Thomas Beyer, dass die Arbeit des Sozialverbandes weiterhin nötig ist

Thomas Beyer, der Landesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt (Awo), muss in diesem Jahr "an vielen Orten über die Idee sprechen", wie er sagt. Die Idee, einen Verband der Wohlfahrtspflege zu betreiben, ist jedoch schon längst in die Praxis umgesetzt worden. Die Awo feiert 2019 ihr hundertjähriges Bestehen. Dieses Jubiläum wird reihum in den Awo-Orts- und Kreisverbänden begangen. Die Arbeiterwohlfahrt Fürstenfeldbruck hat dazu in den Säulensaal in Fürstenfeld eingeladen, wo der Vorsitzende Ulrich Schmetz 70 Besucher begrüßen kann. Landrat Thomas Karmasin gratulierte zum Jubiläum mit dem Satz: "Die Awo hat eine Marke gebildet, so dass viel dahinter stecken muss."

Not und Armut des Großteils der Bevölkerung, besonders auch von Frauen, waren die Hauptmotive von Marie Juchacz, im Dezember 1919 die Gründung der Awo voranzutreiben. "Besonders nach dem Ersten Weltkrieg war der Mangel an Wohnraum, Essen und Kleidung sehr groß", berichtete Beyer in seinem Vortrag. Die Frauenrechtlerin und Sozialreformerin Juchacz, die als erste Frau eine Rede in der Weimarer Nationalversammlung hielt, gehörte der SPD an. Die Awo war dann auch ein Verband "sozialdemokratischer Wohlfahrtspflege". SPD und Awo sind seitdem immer noch weitgehend ein Synonym. Auch Festredner Thomas Beyer, 56, aus Fürth, ist Sozialdemokrat und sitzt für die SPD seit 2003 im bayerischen Landtag. Beyer erinnerte daran, dass sich Juchacz damals mit viel Mut und Kraft durchsetzen musste. "Frauen waren in der Politik nicht vorgesehen", sagte der Landesvorsitzende. Erst in den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts sei in Deutschland die Diskriminierung der Frau im Bürgerlichen Gesetzbuch überwunden worden und eine Gleichberechtigung der Menschen erreicht worden.

In den Gründerjahren der Arbeiterwohlfahrt betrieb diese Suppenküchen, Nähstuben und schickte Buben und Mädchen in der in die Kindererholung. Heute besteht die Awo als Wohlfahrtsorganisation neben der Diakonie, der Caritas und dem Roten Kreuz. Sie ist zu einem umfassenden sozialen Dienstleistungsunternehmen geworden. 60 000 Mitglieder hat der Verband in Bayern und 30 000 hauptamtlich Beschäftigte. "Geht in die Parlamente und setzt Sozialpolitik durch", lautete der Auftrag von Juchacz für die SPD, sagte Beyer. Wie vor hundert Jahren müsse die Awo "laut und deutlich Dinge ansprechen", bekräftigte er und erwähnte Paketfahrer und Auflader von Elektrorollern, die für schlechte Löhne arbeiteten. Schlechte Löhne in Gastronomie und Handel würden besonders auch in Bayern zu Altersarmut führen. "Bei den Neurenten sind wir das Schlusslicht in Deutschland", teilte Beyer der Festversammlung mit.

Der Awo-Landesvorsitzende erläuterte, dass der Sozialverband 10 000 Plätze in Altenheimen und 30 000 in Kindertagesstätten anbietet. "Beim Wort Krippe wurde 2004 im Landtag noch laut 'Sozialismus' gerufen", sagte Beyer über lang gehegte Vorurteile. Er zeigte sich überzeugt: "Die Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich vertieft sich." So habe sich an der Awo-Idee von 1919 nichts geändert. Das sah auch der Brucker Vorsitzende und stellvertretende Landrat Uli Schmetz (SPD) so: "Hinter vielen glitzernden Fassaden ist auch viel Not und Armut vorhanden, gegen die wir vorgehen müssen. "