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Fürstenfeldbruck:Einfach nach Gefühl

Public Grave

Gitarrist Chris (von links), Beni am Schlagzeug, Bassist Korny und Sänger Hamby sind "Public Grave". Seit mehr als zehn Jahren sind die Liebhaber des Death Metal slammend und groovend unterwegs.

(Foto: Martin Schmidt)

In Ecuador sind sie für ihr Album ausgezeichnet worden, in Fürstenfeldbruck sind sie daheim. Die Mitglieder von "Public Grave" spielen Death Metal mit einem unverwechselbarem Sound

Die Fürstenfeldbrucker Death Metal Band "Public Grave" weiß, wie es sich anfühlt, wenn sich Leidenschaft, jahrelanges dranbleiben und Kämpfen am Ende auszahlt. Denn die Band wird seit 2018 durch die Landshuter Plattenfirma "Rebirth The Metal Productions" vertreten. Seit mehr als zehn Jahren machen Bassist "Korny" Phillip Hauck, Sänger "Hamby" Christoph Hamberger, Schlagzeuger "Beni" Benedikt Eichenseer und Gitarrist "Chris" Christian Dalisda bereits gemeinsam Musik. Angefangen hat alles auf einer Geburtstagsparty.

"Wir kannten uns davor schon in und um die Schule, aber da kam dann die Idee," sagt Hauck. Equipment sei schnell organisiert gewesen, es sei alles ganz einfach gewesen. Sie hätten auch alle bereits davor Musikunterricht genommen, außer der Sänger Hamberger, der startete von Null. Mit den "Ich glaube du kannst das, Du bist ein Sänger" von Eichenseer begann die Gesangskarriere von Hamberger. Seine Art des Gesangs sei vorwiegend von den im "Death Metal" vorkommenden anderen Stilen inspiriert oder abgeleitet worden. Viel Ausprobieren, aber auch Whisky und Zigaretten hätten ihm dann zu seiner heutigen "dämonische und biestartige" Stimmfarbe verholfen.

Aus dem Probenprozess heraus habe sich dann auch der charakteristische Sound ergeben, der heute ihr Alleinstellungsmerkmal sei, erklärt Eichenseer. "Wir machen alles einfach nach Gefühl, so wie wir Lust haben. Es fließt sehr viel davon ein, was wir selber mögen. Am Ende soll etwas rauskommen was wir auch selber gerne anhören."

Aus diesem Jonglieren mit verschiednen Genres und Vorlieben ist dann ein Sound entstanden, der die Musikrichtungen des "Death Metal" und "Slams", beides Subgenres des klassischen "Metal", vereint. Das Endprodukt sei, so sagen die Musiker selbst, eine groovige Mischung, die sie in dieser Art von keiner anderen Band in der Szenen kennen würden. Auch wenn es um das Komponieren einzelner Songs geht, vertrauen die vier Autodidakten ganz auf ihr Gefühl. "Im Songwriting-Prozess sind bei uns alle involviert, und wir probieren viel zusammen aus, sammeln Riffs und Songideen", erläutert Dalisda. Jeder von ihnen habe während dieses kreativen Vorgangs Ideen zu allem. Dabei sei es völlig irrelevant, ob es sich auch mal nicht um das eigene Instrument handle. Hamberger legt ganz am Ende noch die Texte drüber.

Nach mehreren kleineren Demoaufnahmen und auch erfolglosem Anklopfen an die Türen von verschiedenen Labels - "Wobei das ohne Vitamin B wirklich äußerst schwierig ist", berichtet Hamberger - nahmen die vier Bandmitglieder ihr Glück dann in die eigene Hand.

Anfang 2016 begannen sie unter Eigenregie mit der Produktion ihres ersten Albums. In Bad Wörishofen hatten sie ein passendes Tonstudio gefunden und das Mixing und Mastering sogar an eine in Portugal ansässige Firma, ausgelagert. Nach mehr als zwei Jahren Arbeit hielten die Vier dann 2018 ihr Debütalbum "Cadaverous Ressurection" in der Hand. Laut der Pressemitteilung will dieses "durch seine apokalyptischen Szenarien und Zombies der Gesellschaft den Spiegel vorzeigen".

Im Rahmen des selbstorganisierten Releaskonzertes im alten Schlachthof der Subkultur Fürstenfeldbruck sei das Potenzial der kreierten Tracks sofort durch die lokale Metalszene bestätigt worden, erinnert sich Eichenseer. An dieser Veranstaltung sei dann auch erstmalig ein Vertreter der Landshuter Plattenfirma "Rebirth The Metal Productions" auf die leidenschaftlichen Musiker aufmerksam geworden.

Das Debütalbum erlangte schnell auch internationale Aufmerksamkeit. Nach positivem Kritiken des Veranstalters des UK Slam Fests drang die Kunde der Fürstenfeldbrucker Band sogar bis nach Ecuador. Im Dezember 2018 kürte die Tageszeitung "El Telegrafo" das Album zum besten Death Metal Album 2018.

Nach diesem Erfolg war dann auch endlich der Plattenvertrag unter Dach und Fach. Verändert hätte sich aufgrund des Vertrags vor allem etwas am Bekanntheitsgrad der Band. Dazu kämen noch mehr Likes auf Facebook und zahlreiche Glückwünsche, sagt Hamberger. Aber selbst jetzt, da der Ruhm noch ganz frisch ist, gönnen sich die Vier dennoch keine Verschnaufpause. Sie würden schon an neuen Ideen für das nächste Album arbeiten, berichtet Eichenseer.

Angespornt durch den Erfolg des ersten Albums seien mehr Konzerte und vielleicht eine kleine Tour durch Europa in greifbare Nähe gerückt. Das Wichtigste sei dabei aber immer, Spaß zu haben und sich kreativ auszutoben. Dass den Leuten das, was wir kreiert haben, so gut gefällt, sei ein doppelter Anreiz. Dennoch würde die Band ihre Musik nie anpassen. Eichenseer erklärt: "Wir machen das so, wie es uns gefällt."