bedeckt München 17°

Fürstenfeldbruck:Ein Wochenende die Zeit zurückgedreht

Die Ritterspiele locken vor allem Eltern mit ihren Kindern an. Die Besucher kommen in mittelalterlicher Verkleidung und erfreuen sich an der Geschichte vom magischen Stein

Mit großen Feuerfächern in den Händen, deren Enden entflammt sind, tanzen Akrobatinnen in der Dunkelheit. Sie drehen sich und schwingen und kreisen die Fächer, bis die Lichter verschwimmen. Um sie herum lassen zwei Reiter, ebenfalls mit Feuerfächern in den Händen, die Flammen tanzen. Das Feuerspektakel am Freitag ist der Höhepunkt der Fürstenfelder Ritterspiele, die am Wochenende vor der Kulisse des Klosters Fürstenfeld stattfanden. Trotz strömendem Regen harren die Besucher bis zum Ende der Show aus und beobachten, wie die Funken sprühen, Kreise aus Feuer in der rotbeleuchteten Wiese brennen und mit entflammten Fackeln auf Pferden geritten wird.

Neben dem Feuerspektakel konnten Besucher der Fürstenfelder Ritterspiele, veranstaltet von der Excalibur Horse Shows, auf dem Markt mittelalterliche Gegenstände erwerben. Ketten, Gürtel, Gürtelschnallen und altertümliche Kleidung gab es in Zelten zu kaufen, ebenso wie Lederbänder, -beutel und -rucksäcke. An einem Kinderspielzeugstand standen hölzerne Pfeile, Bögen, Schwerter und eine Hellebarde, eine Hieb- und Stichwaffe aus dem Mittelalter, zum Verkauf. Beerenweine, mit Namen wie "Drachenglut" und "Elfentau", lockten die Besucher an. Auch selbstgemachte Seifen gab es zu kaufen, aber so wie im Mittelalter konnten sie nicht gefertigt werden, weil die damaligen Fette wie Hirschtalg heute nicht mehr verwendet werden.

Ritterspiele

Die Ritterspiele in Fürstenfeldbruck haben ein Publikum, das ihnen treu bleibt.

(Foto: Günther Reger)

Bei der "Orfee" konnte man seine Hand lesen lassen. "Ich deute nicht die Zukunft oder die Lottozahlen, sondern lese den Istzustand der Handlinien", sagte sie.

Zu dem dem Mittelalterfest kamen viele Familien, die Kinder konnten sich mit stumpfen Waffen im Schwertkampf üben, schminken lassen, in einem Nähkurs einen Beutel machen und der Darbietung eines Märchens folgen. Viele der Besucher der Ritterspiele kamen in passender Kleidung, sie trugen lange Gewänder oder schwarze Kapuzenmäntel mit Fellen über den Schultern hängend. In den Holzhütten gab es Essen zu kaufen: Hanffladen, Bratwürste, ofenfrische Flammkuchen und weitere Speisen. Auch eher weniger mittelalterliche Zuckerwatte, Quarkbällchen und Baklava konnten die Besucher genießen und ihren Durst mit Met, Wein und Bier stillen. Bei heißen Getränken im Tee-Zelt konnte man sich bei dem kühlen Wetter aufwärmen.

Täglich schlugen sich die Ritter beim Turnier. Auf der Tribüne und um die Holzabsperrung um die Turnierwiese sammelten sich die Besucher, um das Geschehen zu verfolgen. Fanfaren erklangen und eröffneten das "Turnei", wie es im Mittelalter hieß. Mit "Handgeklapper" wurden die einziehenden Ritter begrüßt, die das Märchen vom magischen Stein, der in einer Kiste verwahrt wird, auführten. Vier Scheibenschlüssel wurden benötigt, um die Kiste zu öffnen. Ullrich, der erste Ritter der Altrunen, sollte die Kiste verstecken. Sie wurde ihm jedoch vom schwarzen Ritter, gespielt von Nicki Pfeifer, dem Veranstalter, und seinem Vetter Karl der Habgierige abgenommen. Der Gewinner des Turniers sollte die Scheibenschlüssel. Und so spielten Ritter Ullrich, Prinz Michael zu Fürstenfeld, Karl der Habgierige, Roxana zu Ingoldenstadt, Tara zu Fürstenfeld und der schwarze Ritter, ritten durch die Arena und erzählten von einer Zeit mit Rüstungen, Kettenhemden und Helmen, in die eigentlich niemand freiwillig zurückkehren will. Die Turnierteilnehmer hatten verschiedene Aufgaben zu meistern. Im Galopp mussten sie einen Becher greifen, den der Knappe in die Luft hielt, mit der Lanze Ringe aufnehmen und im Ritt einen Apfel mit dem Schwert teilen. Beim Rolanddrehen ritten die Turnierteilnehmer auf eine Scheibe zu und stießen sie mit der Lanze an, eine Umdrehung der Scheibe gab einen Punkt. "Eins, zwei, drei, vier", zählte das Publikum lautstark mit.

"Wollt ihr den Tjost, wollt ihr Reiter fallen sehen?", wurde das Publikum gefragt. Ein einhelliges "Ja!" ertönte aus der Menge. Jeweils zwei Ritter ritten aufeinander zu, beim Zusammenprall barsten die Lanzen, der Verlierer sank auf seinem Pferd zusammen. Die Zuschauer applaudierten ihren Favoriten zu und brüllren "Jubel", wenn sie gewannen. Die Bösewichte aber , der schwarze Ritter und Karl der Habgierige, wurden lautstark ausgebuht.