Süddeutsche Zeitung

Fürstenfeldbruck:Ein Rahmen fürs neue Quartier

Lesezeit: 2 min

Stadt will klare Regeln für das Baugebiet Am Krebsenbach vorgeben. Dort sollen auch geförderte Wohnungen entstehen für Menschen, die keine Spitzenverdiener sind

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Nach dreijähriger Pause hat sich ein städtisches Gremium erstmals wieder mit dem Wohnquartier beschäftigt, das östlich der Veilchenstraße und nördlich von Am Krebsenbach entstehen soll. Zahlreiche Mitglieder der etwa 500 Mitglieder zählenden "Bürgerinitiative Krebsenbach" verfolgten die Vorstellung der Pläne von Stadtbaurat Johannes Dachsel im Stadtrat. Konsens unter den Politikern ist eine frühzeitige Einbindung der Anlieger in die Planungen.

Ziel der Stadt ist es, einen möglichst klar definierten Rahmen vorzugeben, den der in Berlin ansässigen Bauwerber anschließend mit einer detaillierten Planung füllen kann. In nicht öffentlichen Sitzungen hat der Bauausschuss bereits Vorarbeit geleistet. Dachsel sieht in dem Projekt die Möglichkeit, eine Blaupause für die spätere Bebauung des Fliegerhorsts zu schaffen. "Wir brauchen Mut", sagte er im Stadtrat und erinnerte daran, dass ein Teil der Einheiten auf der vier Hektar großen Fläche im geförderten Wohnungsbau entstehen soll und damit Menschen zugute käme, "die keine Spitzenverdiener sind". Die Stadt trage die Verantwortung für Gemeinwohl und Generationengerechtigkeit, sagte er mit Blick auf die Bürgerinitiative. Die hatte wiederholt vor einer zu dichten Bebauung gewarnt, weil sie mehr Verkehr und einen steigenden Grundwasserspiegel befürchtet. In der "verkehrlichen Erschließung" sieht auch CSU-Fraktionschef Andreas Lohde "die Achillesferse der Planung". Gerade deshalb sei eine sehr frühe Bürgerbeteiligung wichtig. Ähnlich äußerten sich SPD-Fraktionschef Philipp Heimerl und BBV-Chef Christian Götz, der die Verkehrsprobleme, ebenso wie Alexa Zierl (ÖDP), aber mit Hilfe verkehrsreduzierender Konzepte für lösbar hält.

Dachsel will Kritikern mit Argumenten den Wind aus den Segeln nehmen und betonte, der Eigentümer sei an konstruktiven Gesprächen mit allen Fraktionen und den Anwohnern ausdrücklich interessiert. Man habe im Brucker Osten die einmalige Gelegenheit zu zeigen, "wie die Stadt der Zukunft aussehen kann." Die Voraussetzungen scheinen gut zu sein: Die Wege ins Zentrum oder zum Bahnhof sind kurz und würden sich zumindest theoretisch auch ohne eigenes Auto bewältigen lassen. Gleichwohl wird über eine weitere Ampel an der Münchner Straße nachgedacht, um Rückstaus zu vermeiden.

Weite Teile der Fläche gelten als Außenbereich, die Stadt kann über ihr Planungsrecht vorgeben, was dort gebaut werden darf. Zudem kann sie über das Instrument der "Sozialgerechten Bodennutzung" vorschreiben, dass 40 Prozent der Einheiten, für die neues Baurecht geschaffen wird, im sozialen Wohnungsbau errichtet werden. Der grobe Rahmen, über den im Fachausschuss offenbar große Einigkeit bestand, sieht eine zweigeschossige Bebauung plus Dachgeschoss in den Randbereichen vor. Im zentralen Bereich soll ein Geschoss mehr erlaubt sein. Ziel ist es, dem Bauherrn zwar eine verträgliche Rendite zu ermöglichen, gleichzeitig aber die Interessen von Stadt und Nachbarn im Blick zu behalten. Auf dem Gelände soll eine Kita eingerichtet werden und Platz bleiben für Grünflächen nebst Bäumen sowie öffentlich zugängliche Bereiche, von denen auch die Anlieger profitieren. Dachsel könnte sich die Beteiligung von Genossenschaften ebenso vorstellen wie Betreutes Wohnen. Beide Formen hätten den Vorteil, dass sich dadurch wohl die Zahl der zusätzlichen Fahrzeuge in Maßen halten ließe.

Thomas Brückner (Grüne) sieht die Stadt auf einem guten Weg. Zu verhindern gelte allerdings "eine Schlafstadt". Er ermunterte die Verwaltung, sich trotz der offenbar mäßigen Aussichten für die Ansiedlung von Gewerbebetrieben in Erdgeschosslagen einzusetzen. Markus Droth (Freie Wähler) strich zufrieden die bereits erreichten Fortschritte bei der Bebauungsdichte heraus und bekannte sich zur Beteiligung einer Genossenschaft als Beitrag zur sozial gerechten Bodennutzung. Mit der "Interessengemeinschaft Aumühlenpark" könnte es hier bereits einen Ansprechpartner geben.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.5341512
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 05.07.2021
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.