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Fürstenfeldbruck:Ein märchenhaftes Leben

Jahrzehnte lang hat die Künstlerin und Kostümbildnerin Barbara Buchwald-Stummer die Menschen mit ihren Arbeiten verzaubert, erheitert und herausgefordert. Nun ist sie nach schwerer Krankheit gestorben

Von Florian J. Haamann, Fürstenfeldbruck

Die Künstlerin Barbara Buchwald-Stummer gehört zur Kreisstadt wie die Klosterkirche und die Amper. Ganz egal wo und wann man in Bruck unterwegs war, die Chance war groß, einer gut gelaunten Barbara Buchwald-Stummer zu begegnen. Genauso gut konnte es aber auch passieren, dass die Künstlerin mit den kurzen Haaren und dem verschmitzten Lächeln plötzlich in der Bürotür stand, weil sie entweder von einem interessanten Projekt zu berichten hatte oder einfach weil es mal wieder an der Zeit für einen kurzen Plausch war. Buchwald-Stummer gehörte zu den Menschen, die man gerne verkürzt als "Original" bezeichnet, weil es eben quasi unmöglich ist, ihnen in all ihren Facetten in einem kurzen Gespräch oder einem einzigen Zeitungsartikel gerecht zu werden. Wie nun bekannt wurde, ist Barbara Buchwald-Stummer bereits am 23. April nach einem langen, schweren Demenzleiden im Alter von 84 Jahren gestorben.

Die Herzkammer, von der aus Buchwald-Stummer die Stadt mit ihren Arbeiten über die Jahre bereicherte, war ihr Häuschen mit märchenhaft-verwunschenem Garten hinter dem Viehmarktplatz. Wie in einem Märchen konnte man sich als Besucher auch im Inneren des Hauses fühlen. Auf dem Boden schwere Orientteppiche, an den Wänden Souvenirs von ihren Besuchen überall auf der Welt, Ölgemälde, Schaukästen, in den Regalen antiquarische Bücher. Und dazwischen überall Kunstwerke und Kostüme, die sie über die Jahrzehnte gefertigt hat.

Buchwald-Stummer

Barbara Buchwald-Stummer 2017 in ihrem Häuschen.

(Foto: Günther Reger)

Designerin, Kostümbildnerin, Modezeichnerin. All das war Buchwald-Stummer. Mit 17 Jahren wurde sie 1954 an der Münchner Meisterschule für Mode angenommen. Nach dem Studium dort schloss sie ein weiteres an der Akademie für das grafische Gewerbe ab, diesmal als Gebrauchsgrafikerin. Kurzzeitig arbeitete sie anschließend als Dozentin, bis ihr klar wurde, dass sie vor allem eines braucht: Freiheit. Freiberuflerin war der Weg, den sie von da an einschlug. Auf den großen Schauen in Paris und Rom hat sie Modegrafiken der neusten Kreationen der großen Designer gezeichnet, vier Jahre lang auch für die Süddeutsche Zeitung. Mit der Welt der Mode und Kostüme war sie schon als Kind in Kontakt gekommen. Ihre Mutter war Schauspielerin, gemeinsam haben die beiden nach dem Krieg einen kleinen Maskenverleih eröffnet, um über die Runden zu kommen, nachdem der Vater an den Folgen einer Kriegsverletzung gestorben war. Dafür hat sich Buchwald-Stummer als Zwölfjährige das Nähen beigebracht.

Später hat sie viele Kostüme für Filme des Bayerischen Rundfunks gestaltet - gemeinsam mit ihrem Mann Hans Stummer. Unter anderem für das Weihnachtsspiel von Carl Orff und Hans-Jürgen Syberbergs Filme "Parsifal" und "Hitler, ein Film aus Deutschland". Brucker kennen ihre Kostüme aber auch vom Historienspiel "Ludewig der Strenge".

In der Kunst hat Barbara Buchwald-Stummer nie das Schöne, Harmonische, Perfekte interessiert. Mit ihren Arbeiten wollte sie dem Raum geben, was unbequem ist. Objekte verwenden, die sonst unbeachtet im Müll landen würden, seien es Teesiebe, Tücher oder Filmrollen. Viele Jahre lang hat sie als Mitglied der Künstlervereinigung Fürstenfeldbruck an Ausstellungen teilgenommen. Auf eine bestimmte Technik hat sie sich nie festgelegt. Analoge Fotografien konnte man bei ihr genauso entdecken wie Skulpturen. Die Geschichten, die ihr ihr Großvater über Maulwurfsgrillen erzählt hat, hat sie ebenso thematisiert wie die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. Nur eines hatten ihre Arbeiten gemeinsam: den Hang zur Provokation, den Drang, gewohnte Muster und Gedanken aufzubrechen, den Betrachter herauszufordern. Ob sie gerne provoziere? In einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung hat sie diese Frage bejaht. "Ich glaube das ist heute auch notwendig."

Das Haus der Künstlerin und Kostümbildnerin befindet sich hinter dem Brucker Viehmarktplatz.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Mit Bararba Buchwald-Stummers Tod verliert Fürstenfeldbruck nicht nur eine einzigartige Künstlern, sondern auch einen Hauch von Fantasie und Zauber im Alltag.

© SZ vom 07.05.2021
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