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Fürstenfeldbruck/Eichenau:Zaubertricks hier, Zaubertrank dort

Am internationalen Museumstag geht es in Fürstenfeldbruck um die Magie - und in Eichenau wird endlich wieder Pfefferminztee ausgeschenkt

Sich ganz allein dem Zauber einer Ausstellung hingeben zu können, diese Erfahrung macht am Sonntag Magdalene Weichel. Am Internationalen Museumstag ist sie aus Jesenwang nach Fürstenfeldbruck gekommen. Nur ein Umstand trübt das Vergnügen: der vermaledeite Mundschutz. Weil Magdalene Weichel aber die meiste Zeit ganz allein ist zwischen den Stellwänden und Exponaten der am Freitag eröffneten Sonderausstellung "Bezaubernd - Magie und Zauberkunst" im ersten Stock, verschwindet das weiße Ding ganz schnell. So als hätte Harry Houdini, der weltberühmte Entfesselungskünstler, seine Hände im Spiel.

Magdalene Weichel besucht die Sonderausstellung im Museum Fürstenfeldbruck.

(Foto: Stefan Salger/oh)

Noch bis Mitte Oktober wird der Bogen gespannt von schwarzer und weißer Magie über Wahrsager, Geisterbeschwörungen bis hin zu Bühnenshows. "Das hat schon was Faszinierendes", sagt Magdalene Weichel. Sie kommt öfters in Museum Fürstenfeldbruck - auch weil hier ihre gute Bekannte Annette Kersting arbeitet, so auch an diesem Tag. Seit Dienstag ist die Einrichtung auf dem Klosterareal wieder geöffnet. Das sei "gut so", denn auch Kultur sei ja in gewisser Weise ähnlich "systemrelevant" wie etwa die Gastronomie. Und der Weg hat sich gelohnt für diese sehr informative Ausstellung.

Größerer Andrang als in Fürstenfeldbruck herrscht im Pfefferminzmuseum Eichenau.

(Foto: Stefan Salger/oh)

Obwohl der Eintritt am Internationalen Museumstag frei ist, hält sich der Andrang in Grenzen. Das liege sicherlich am sommerlichen Wetter, vermutet Daniela Englisch, die gemeinsam mit ihren Kolleginnen Iris Mellentin und Annette Kersting Dienst hat. Am Vortag waren es noch etwa 50 Besucher gewesen, den Sonntag scheinen aber viele Familien eher für einen Ausflug zu nutzen. Wiederholt habe es schon positives Feedback gegeben, dass das Museum wieder geöffnet hat, sagt Annette Kersting. Alle drei Kolleginnen sind mit Plexiglas-Visieren ausgestattet, die komfortabler zu tragen sind als der sonst obligatorische Corona-Mundschutz.

Alexandra Sciotto und ihr Sohn Christopher nutzen die Gelegenheit, um eine frisch aufgebrühte Tasse Tee zu trinken. Auch dort gilt Mundschutzpflicht - nur die Ausstellungsfigur darf unbeeindruckt in der "Vor-Corona-Zeit" schwelgen.

(Foto: Stefan Salger/oh)

Die selbst genähten Varianten müssen auch ein paar Kilometer entfernt, im Eichenauer Pfefferminzmuseum, zwangsläufig mal gelüftet werden. Wie sonst könnte man den frischen aufgebrühten Tee genießen ("mehr bio und regional erzeugt geht nicht"), der dort zu jedem Besuch einfach dazugehört. Alexandra Sciotto ist gemeinsam mit ihrem vier Jahre alten Sohn Christopher gekommen. Sie gehören zu den ersten von überraschend vielen Besuchern, die am frühen Nachmittag gleich neben der Schule die paar Treppen in die Kellerräume heruntersteigen. "Viele nutzen die Gelegenheit, endlich wieder einen Tee kaufen zu können", sagt Hans Kugler, der Vorsitzende des Fördervereins. Alexandra und Christopher Sciotto schlagen gleich zwei Fliegen mit einer Klappe - sie verkosten eine Tasse Tee und flanieren gleich noch durch die interessante Ausstellung des 1986 gegründeten Pfefferminzmuseums, das in Form eines etwa einen Kilometer entfernten Feldes sogar über eine Art Dependance verfügt - dort wird, fast wie früher, immer noch Pfefferminze angebaut, geerntet und dann zu Tee verarbeitet.

Das zweite Mal ist Alexandra Sciotto da, für ihren Sohn ist es die Premiere. Die meisten erläuternden Informationstafeln lässt Christopher eher links liegen, aber die Gerätschaften wie etwa die in einer Vitrine aufgereihten Schneidemesser, interessieren ihn schon. Geschmack gefunden an der Pfefferminze hat er schon lange: "Er kennt das Teehaus in Eichenau", verrät seine Mutter.

Für das Pfefferminzmuseum ist der Sonntag die Premiere, denn wochentags ist nicht geöffnet. Es hätten sich bereits viele Stammgäste gemeldet und gefragt, wann denn nun endlich wieder geöffnet werde, erzählt Hans Kugler, der den Besuchern an diesem Tag bei Bedarf die historischen Ausstellungstücke erläutert. Es wird klar, dass der Anbau von Pfefferminze durchaus eine kräftezehrende Handarbeit war. Die Mechanisierung hielt sich in Grenzen. So stehen in dem Museum noch eine alte Schneidemaschine und eine Windfege aus Holz.

© SZ vom 20.05.2020

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