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Fürstenfeldbruck:Der Weg zum Ich

Mittelschule Nord Kinder- und Jugendtheater EUKITEA mit dem Präventionsprojekt âÄžAm Rande des RegenbogensâÄœ

Auch einmal den Blick auf sich selbst zu richten, die eigenen Gefühle, Positionen und Beziehungen hinterfragen - das lernen die Schüler.

(Foto: Matthias F. Döring)

Ein Präventionstheater gibt Mittelschülern wertvolle Impulse

Jugendliche haben es nicht immer leicht: Streit mit den Eltern, Stress in der Schule, Freundschaften und solche, die keine sind - das alles kann junge Seelen mehr belasten als ihnen bewusst ist. Die Neuntklässler der Mittelschule Fürstenfeldbruck Nord sowie interessierte Schüler der achten und zehnten Klassen wurden nun durch ein Theaterstück mit diesen Themen konfrontiert und dazu motiviert, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen.

Das Theaterstück "Am Rande des Regenbogens" vom Theater Eukitea aus Diedorf bei Augsburg richtet sich an Jugendliche ab 13 Jahren. Es soll sie ermutigen, sich selbst und ihren eigenen Weg zu finden - doch es wurde viel greifbarer aufbereitet als das Sei-einfach-du-selbst-Konzept: Die Szenen des Stücks geben Impulse zum Grenzen setzen, loslassen was nicht mehr wichtig ist, erkennen was wichtig ist, Lebensfreude entwickeln, sich selbst lieben und wertschätzen lernen.

Man findet die zwei Jugendlichen Amira und Matteo, gespielt von Kathrin Müller und Giorgio Buraggi, abwechselnd in einer alltäglichen Situation. Amira streitet mit ihren Eltern, die ihr nur Vorwürfe machen und nicht wollen, dass sie ein anderes Leben führt. Matteo macht alles, um anderen zu gefallen, ist dauergestresst und vergisst darüber sich selbst. Beiden erscheint ein unsichtbarer Freund, gespielt von dem jeweils anderen, der ihnen den inneren Spiegel vorhält. Die einprägsamen Dialoge mit dem unsichtbaren Freund geben Impulse für die Jugendlichen: "Nimm dir Zeit für dich, Matteo. Schreib alles auf ein Papier, was dich bedrückt." Einfach mal innehalten also. Er spornt die beiden - und damit auch das Publikum - zur Selbstreflexion an: Was kannst du gut? Worauf hast du gerade so richtig Lust, Matteo? Hast du manchmal Angst, Amira? "Angst ist die dunkle Schwester der Liebe", sagt der Freund altklug und erklärt: "Um keine Angst zu haben, muss man nur schauen, dass genug Liebe da ist" - auch Liebe für sich selbst. Amira spricht mit dem Unsichtbaren über ihre beste Freundin Sophia, mit der sie nichts mehr gemeinsam hat. Er ermutigt sie, die Freundin loszulassen: Für jede schöne Erinnerung lassen sie symbolisch ein Blatt über das Wasser treiben. Die Szenen erscheinen banal - dennoch wirken sie nach: Besonders beim Thema Freundschaft tuscheln die Schüler viel.

Zwischen den Szenen tanzen die Schauspieler über die Bühne - sie bewegen sich dabei wie auf dem Surfbrett von einem Sturm getrieben. Das Surfen sei repräsentativ für das Leben, sagt Schauspielerin Kathrin Müller: Mal surft man entspannt, mal fällt man ins Wasser.

Am Ende des Stückes sprudeln Amira und Matteo vor Ideen für ihre Zukunft. Sie haben sich nicht plötzlich selbst gefunden - doch sie haben erkannt, dass ihr Leben nur ihnen gehört und versuchen sich ihren Weg zu bahnen.

Die meisten Schüler folgen aufmerksam dem Stück, erwidern die Emotionen der Charaktere. Nach dem Stück stellen die Schüler interessiert Fragen: zum Theater, zur Arbeit der beiden Schauspieler, zur Entstehung des Stücks. Warum den Schauspielern das Thema so wichtig ist, fragt ein Schüler. Weil das Leben jedem Herausforderungen stellt und denen müsse man sich stellen, sagt Kathrin Müller.

Die Aufführung wurde durch die Finanzierung von der Sparda Bank München ermöglicht. Jürgen Schmid, Leiter der Geschäftsstelle Fürstenfeldbruck, liegt das Thema am Herzen: "Jugendliche haben heutzutage mit viel mehr Einflüssen zu kämpfen als früher." Am Abend nach der Aufführung wurde das Theater für die Eltern noch einmal gespielt, um auch sie für die Themen zu sensibilisieren. Am nächsten Tag fanden für die Schüler begleitende Workshops mit den beiden Schauspielern statt. Auf die einzelnen Rollen komme es bei diesem Theaterstück nicht an, sagt Schauspieler Giorgio Buraggi. Die Hauptintention sei vielmehr, die Jugendlichen in ihren persönlichen Werten zu stärken: Was kann ich machen, um mich selbst zu lieben? Was liegt mir am Herzen, was kann ich loslassen?