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Fürstenfeldbruck:Der schwierige Weg zu den Noten

Zwischenzeugnis

Bereits am Donnerstag erhielten einige Schüler ihre Zwischenzeugnisse. Andere bekommen sie am Freitag in der Schule ausgehändigt, und wieder anderen werden sie per Post geschickt.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Leistungserhebungen sind im Online-Unterricht nur eingeschränkt möglich. Viele Lehrer zeigen offenbar Verständnis für den besonderen Druck, dem Schüler in der Pandemie ausgesetzt sind

Von Anna Schorr, Fürstenfeldbruck

Die Leistungsbewertung in der Schule funktioniert auch zu Corona-Zeiten - allerdings anders als gewohnt. Das zeigt sich nun bei den Zwischenzeugnissen, die auch als Berichte vergeben werden können. Die Noten wurden erstmals komplett unter Pandemie-Bedingungen erhoben. Eigentlich sollten die Zeugnisse am 12. Februar ausgegeben werden. Coronabedingt wurde der Termin verschoben. Das ist nicht die einzige Besonderheit der diesjährigen Zeugnisvergabe.

Die Schülerinnen und Schüler erhalten sie am Donnerstag und Freitag in der Schule, je nachdem, an welchem Tag sie im Wechselunterricht sind. Viele bekommen ihr Zwischenzeugnis oder den Leistungsbericht gar nicht persönlich in die Hand gedrückt. Stattdessen werden sie verschickt, per Post oder über Elternportale. Lernentwicklungsgespräche in der Grundschule finden per Videokonferenz mit Schülern, Lehrern und Eltern statt.

Auch bei der Notenerhebung mussten sich Schüler und Lehrkräfte auf neue Bedingungen einstellen. Bis Dezember konnte in Präsenz unterrichtet werden. In dieser Zeiten seien nach Möglichkeit Schulaufgaben geschrieben worden, berichtet Monika Christoph, Direktorin des Puchheimer Gymnasiums. Im Online-Unterricht sind schriftliche Leistungsnachweise allerdings nicht erlaubt. Deshalb lägen deutlich weniger Noten als in normalen Schuljahren vor, erklärt der Direktor des Max-Born-Gymnasiums (MBG) in Germering, Robert Christoph. Aus diesem Grund hält er die Entscheidung für richtig, statt Zwischenzeugnissen sogenannte Zwischenberichte auszustellen. In ihnen werden alle Einzelnoten aufgeführt. Die Schulen konnten wählen, ob sie Berichte oder Zeugnisse ausgeben. Schüler, die für eine Bewerbung - etwa für eine Fachoberschule - ein "richtiges" Zwischenzeugnis benötigen, bekommen eines ausgestellt.

Für Lehrkräfte war es im ersten Halbjahr des Schuljahres 2020/21 nicht einfach, Noten für ihre Schüler zu erstellen. Thomas Frey, amtierender Leiter des Schulamts Fürstenfeldbruck, macht deutlich, dass Lehrer bei der Vorbereitung der Prüfungen teils den doppelten Aufwand hätten. Ist der Unterricht in sich abwechselnden Lerngruppen organisiert, müsse beispielsweise für die Dienstags-Gruppe ein anderer Test als für die Montags-Gruppe erstellt werden, erklärt er. Andernfalls könnten sich die Schüler über die Prüfungsinhalte austauschen. Auch bei der Leistungsbewertung über Video-Konferenzen mussten Lehrer umdenken.

Robert Christoph erklärt dies am Beispiel der mündlichen Leistungserhebung, der Ausfrage: "Lehrkräfte müssen beachten, dass Schüler zu Hause immer ihre Hefte vor sich liegen haben. Da wird man jetzt sicher kein Tafelbild abfragen." Der Direktor des Viscardi-Gymnasiums Fürstenfeldbruck, Walter Zellmeier, weist darauf hin, dass es sich beim Online-Unterricht nicht um eine typische Klassenzimmersituation handle. So sehe man als Lehrkraft nicht, was die Schüler zu Hause vor dem Bildschirm machten.

Trotz alledem konnten in diesem Schuljahr im Online-Klassenzimmer mündliche Noten erstellt werden. Neben dem Ausfragen sei beispielsweise auch die Bewertung von Unterrichtsbeiträgen und Präsentationen möglich, sagt Michael Heimes, Rektor der Ferdinand-von-Miller-Realschule in Fürstenfeldbruck. Auch die Notenkonferenzen laufen ihm zufolge anders ab als sonst: als Videokonferenz. Die Namen der zu bewertenden Schüler durften allerdings aus Datenschutzgründen nicht genannt werden. "Die Lehrkräfte müssen sich dann halt gut vorbereiten und man sagt dann 'Jetzt geht es um Schüler Nummer Drei'", erklärt Heimes. Das sei alles "richtig gut gelaufen".

Bei der Notenvergabe gingen Lehrkräfte zurückhaltender vor als üblich, sagt die Puchheimer Direktorin Christoph. Lieber vergebe man keine Note, als am Ende zu einer fehlerhaften Einschätzung zu kommen. Ein weiterer wichtiger Aspekt: Noten erzeugen oft Druck. Und den hätten Schülerinnen und Schüler aufgrund der aktuellen Lage sowieso schon, sagt Frey vom Schulamt. Um nicht noch mehr Druck aufzubauen, seien Lehrkräfte bei der Notengebung vorsichtiger und verständnisvoller. Der kommissarische Schulamtsleiter plädiert für eine "Bewertung mit Maß und Ziel". Robert Christoph vom MBG in Germering sagt dazu: "Die Notenvergabe ist immer eine pädagogische Herausforderung. Und das ist jetzt natürlich noch einen Ticken schwieriger." Noten könnten aber auch eine wichtige Funktion erfüllen, erklärt seine Puchheimer Kollegin. Sie zeigten auch den aktuellen Leistungsstand und seien damit eine wichtige Rückmeldung für Schüler und Eltern. Mit weniger Noten fehle die Orientierung, sagt auch Frey. Direktor Zellmeier sieht das Problem für Schüler weniger in der etwas anderen Notenvergabe dieses Jahr, sondern eher in der gesamten Situation.

Er mache sich Sorgen um die seelische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen. Das Soziale fehle, und das lange Sitzen vor dem Computer strenge an. Heimes sieht bei vielen Schülern eine Belastung durch den Distanzunterricht. Es gebe aber beide Seiten: Anderen tue der Online-Unterricht gut. Auch Monika Christoph hat den Eindruck, dass es durchaus Schüler gibt, die mit dem Distanzunterricht gut zurecht kommen: "Darauf können Lehrkräfte und Eltern stolz sein!" Realschulreaktor Heimes blickt nach vorn: "Wir sollten weniger Zeit aufs Jammern verwenden, so bleibt mehr Zeit für Innovation."

Für Schüler und Eltern, die nach der Zeugnis- und Berichtvergabe eine Beratung brauchen, steht ein Telefonservice der staatlichen Schulberatungsstellen zur Verfügung. Die Beratungsstelle Oberbayern-West ist am 5. März von 9 bis 15 Uhr, sowie am 8. und 9. März von 9 bis 16 Uhr unter Telefon 089/5 58 99 24-10 zu erreichen. Weitere Informationen im Internet unter www.schulberatung.bayern.de.

© SZ vom 05.03.2021
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