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Fürstenfeldbruck:Den Sportvereinen fehlen die neuen Mitglieder

Leere Räume, nicht gebrauchte Geräte: Sport ist momentan nur zuhause erlaubt.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Corona-Pandemie verhindert nicht nur den Spaß am gemeinsamen Trainieren in der Halle oder auf dem Platz. Sie bremst auch das Interesse an den Vereinen. Diese werden sich nach der Öffnung vor allem mit Werbung in eigener Sache befassen müssen

Von Elisabeth Deml, Fürstenfeldbruck

Die Sportvereine stehen vor einer schwierigen Herausforderung. Aufgrund der derzeitigen Corona-Bestimmungen mussten sie ihren Betrieb einstellen oder auf ein Online-Angebot ausweichen. Finanzielle Sorgen, Vereinsaustritte und fehlende Neueintritte erschweren die Situation. Dennoch berichten Vertreter von Sportvereinen und dem Landesverband von ihren Bestrebungen und Bemühungen, die Krise zu überstehen und den rückläufigen Mitgliederzahlen entgegenzuwirken.

BLSV

"Die Einschränkungen sind schnell beschrieben", erzählt die Referentin für Öffentlichkeitsarbeit des Bayerischen Landessportverbands (BLSV), Traude Mandel: "Es geht nichts." Seit November stehen die Sportvereine still. Keinerlei Aktivitäten sind erlaubt, zumindest nicht im Amateursport. Die Folge: Immer mehr Mitglieder kündigen ihre Mitgliedschaft, immer weniger Sportler entscheiden sich für einen Neueintritt. "Das ist das eigentlich Fatale. Es wird eine große Anstrengung darstellen, wieder neue Mitglieder anzuwerben." Die Maßnahmen hält Mandel allerdings für gerechtfertigt, "schließlich gilt es einer weiteren Verbreitung des Virus vorzubeugen."

Der Staat hat den Sportvereinen im vergangenen Jahr Hilfe in Form von finanzieller Unterstützung zugesprochen. Laut Mandel habe die Verdopplung der Vereinspauschale den Vereinen viel geholfen. "Wir hoffen, dass sich das Innenministerium zu einer weiteren Zahlung durchringen kann." Eine erneute Wiedereröffnung erhofft sich Mandel ab April. "Wir sollten jetzt sehr vorsichtig sein, bis alles einigermaßen gesichert ist und dann durchstarten. Die Sportler brennen darauf wieder zu trainieren."

Bisher fokussierten sich die Sportvereine auf Online-Angebote, um den Kontakt zu den Mitgliedern aufrecht erhalten zu können. "Das Problem ist, dass noch zu wenige Leute von den Angeboten wissen." Ganz ersetzen können die digitalen Angebote die Sportveranstaltungen ohnehin nicht. "Ich glaube, dass nicht nur die Bewegung fehlt, sondern auch das Miteinander. Vor allem Kinder müssen viel aufholen."

SV Esting

Gleiche Ansichten vertritt auch Hermann Glas, Geschäftsführer des SV Esting. "Es betrifft nicht so sehr die wirtschaftliche Lage. Das kriegen wir hin. Das Problem liegt bei den Mitgliedern." Sport sei mehr als das bloße Trainieren. Es ist oftmals der gemeinsame Zusammenhalt unter den Sportlern, der jetzt wegfalle. "Wir werden nicht ansatzweise als systemrelevant angesehen", erläutert Glas. "Obwohl die Bewegung und das Soziale so wichtig sind. Das fällt momentan hinten runter." Dennoch hält er die Maßnahmen für gerechtfertigt. "Jeder vernünftige Mensch ist für die Einschränkungen."

Rund 50 000 Euro investierte der SV Esting, um ein sicheres Hygienekonzept gewährleisten zu können. "Wir sind so ausgelegt, dass wir sofort wieder ein Präsenztraining im Freien anbieten könnten", erklärt Glas. Vorerst kann das Sportprogramm jedoch nur online angeboten werden, was vor allem Senioren vor technische Herausforderungen stellt. Von ihnen könnten allerdings noch einige durch die Live -Angebote aufgefangen werden.

Trotz der vielfältigen Angebote mache sich bei Kindern und Jugendlichen eine Verschlechterung der sportlichen Leistung bemerkbar. "Das ist bereits ganz extrem im Sommer aufgefallen", so Glas, schließlich gebe es auch Familien, in denen die Kinder weniger sportlich gefördert würden. Die künftige Schwierigkeit besteht nun darin, die sich verringernden Mitgliederzahlen "wiederaufzufüllen". "Das geht nicht von heute auf morgen. Für uns wird das Werben und das Marketing mit einem hohen Aufwand und Kosten verbunden sein", sagt Glas.

TSV UG

"Wir haben uns sehr viele Gedanken beim letzten Lockdown gemacht und haben die steigenden Zahlen Ende Oktober mit großer Sorge gesehen", erklärt der Vorsitzende des TSV Unterpfaffenhofen-Germering (TSV UG), Walter Müller. Zusammen mit zwei weiteren ehrenamtlichen Helfern hatte er die einzelnen Sporteinrichtungen im Rahmen des Hygienekonzepts ausgestattet und Beschilderungen, Plakate und Absperrbänder in den sportlichen Räumlichkeiten angebracht oder Belegungspläne für die einzelnen Hallen entworfen. Den investierten Arbeitsaufwand schätzt er auf rund 200 Arbeitsstunden. Dennoch ist der Sportbetrieb geschlossen. "Die Sportler und Sportlerinnen fragen beständig nach, wann wir wieder öffnen", berichtet Müller. Das sei bisher noch unklar. Zudem sei eine Wiedereröffnung mit bestimmten Sicherheitsvorkehrungen verknüpft. Am Anfang des vergangenen Jahres hatte der Sportverein noch 5700 Mitglieder, Ende 2020 waren es nur noch rund 5000. "Das sind nicht viel mehr Kündigungen als sonst", erklärt Müller. Es seien die fehlenden Neueintritte, die die Situation des Sportvereins erschwerten.

"Mit Sorgen sehe ich die Mutanten", sagt Müller. Dennoch rechne er mit einem positiven Fortschritt beim Impfen. "Wir stellen uns auf Einschränkungen im Sportbetrieb ein und möchten ihn, so gut es geht, ausüben."

TuS Fürstenfeldbruck

Die Mitgliederzahlen haben sich auch im Turn- und Sportverein in Fürstenfeldbruck verringert. "Das ist allerdings ein normaler Schwund", erklärt Helmut Becker, Präsident des Sportvereins. "Wir haben treue Mitglieder. Uns haben nicht allzu viele verlassen. Es fehlen einzig die Nachrücker." Die Online-Sportangebote seien "bei Weitem nicht das Gleiche", so Becker. Sie dienten eher als "Hilfssportangebote", um die Verbindung miteinander aufrecht zu erhalten. "Dennoch müssen wir die Maßnahmen annehmen. Es gibt ein höheres Gut. Wir müssen Corona eindämmen."

Laut Becker habe sich der Arbeitsaufwand im Turn- und Sportverein eindeutig erhöht. Zu den Hauptaufgaben gehört es, den Sportlern Alternativen anbieten zu können, schließlich zahlten sie weiterhin ihren Mitgliedsbeitrag. Deshalb gründete Becker ein Projekt, das Unternehmen eine kostenlose Werbeplattform auf der Homepage des Sportvereins zur Verfügung stellt. Im Gegenzug erhalten TuS-Mitglieder die Waren der regionalen Anbieter vergünstigt.

Auch dem TuS Fürstenfeldbruck kamen die staatlichen Hilfen zugute, allerdings seien die finanziellen Mittel der Stadt auch nicht unerschöpflich. "Wir sind momentan nicht unbedingt auf die Gelder angewiesen. Die Abteilungen haben weniger Ausgaben als sonst", erklärt Becker. Es sei der Hauptverein, der "unter dem Ganzen leide" und nach wie vor die Fixkosten übernehmen müsse, trotz schwindender Mitgliederzahlen. Dennoch zeigt sich Helmut Becker optimistisch: "Ich glaube fest daran, dass die Menschheit Corona in den Griff bekommt und wir wieder Sport machen können."

© SZ vom 04.03.2021
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