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Fürstenfeldbruck:Cthulhu und Splittermond

In der Stadtbibliothek werden Rollenspiele getestet

Von Karl-Wilhelm Götte, Fürstenfeldbruck

Der Titel "Pen & Paper" ist etwas für Insider. Die wissen sofort, dass es sich um eine Art Rollenspiel handelt. "Es sind klassische Fantasy-Rollenspiele", erläutert Linda Dietzinger von der Brucker Stadtbibliothek, die dafür am späten Samstagnachmittag für mehrere Stunden ihre Pforten öffnet. Die Resonanz in Coronazeiten ist beachtlich: 45 Spielerinnen und Spieler von neun Jahren an bis 60 plus sitzen an zehn Tischen in der Bibliothek. "Bruck'n'Roll" hat Dietzinger, zuständig für Medien und Informationsdienste der Bibliothek Aumühle, angekündigt.

Von Rock'n'Roll ist an diesem Abend natürlich wenig zu spüren, dafür dominieren die coronabedingten Gesichtsmasken zu sehr. Die Maskenträger nehmen es mit Humor. "Man sieht dann nicht, wenn ich bösartig grinse", sagt Spielleiterin Lea Mehl und lacht hinter ihrer Stoffmaske. Sie leitet das Spiel mit dem schwierigen Namen "Cthulhu". "Das ist ein Horror-Setting, das auf den Werken von H.P. Lovecraft beruht", erklärt Organisatorin Dietzinger.

Gleich vorne am Eingang sitzt Lars Lorber im Piraten-Outfit nebst passendem Hut. Fünf Frauen sitzen um ihn herum und haben sichtlich Spaß an diesem Piratenspiel, das Lorber selbst entworfen hat. Es müssen aus mehreren Stapeln Karten gezogen und die darauf formulierten Aufgaben oder Fragen gelöst, erraten oder beantwortet werden. Er ist der Leiter des Spiels, das er "Rotbarts Schatz" nennt, also ein Schatzsuchespiel. Diese Schatzsuche, so scheint es, wird einige Stunden dauern.

Auch die anderen Teilnehmer haben sich auf einen längeren Abend eingestellt. Lissy Fischer wartet im Erdgeschoss noch auf den Spielleiter. "Dungeons and Drageons", auch ein Fantasy-Rollenspiel, soll gleich losgehen. Fischer hat ihre Familie mitgebracht. Ihre beiden Söhne Benjamin und Lukas sind dabei, genauso wie Schwiegertochter Beate. Die durchaus typische Altersklasse reicht hier von 26 bis 52 Jahren. Würfel liegen auf dem Tisch und auch Papier und Stift. "Indizien müssen sicherlich gesammelt werden", erklärt Benjamin, handelt es sich doch um ein Detektivrollenspiel. Die Fischer-Familie ist mit solchen Spielen vertraut und spielt regelmäßig zusammen. Heute ist sie gekommen, um an den verschiedenen Spieltischen, die durchgewechselt werden können, Neues auszuprobieren. Gespielt wird auch "Splittermond", "Dungeon World" und "Beyond the Wall". Kai Otte ist Spielleiter von "Alien", einem Science-Fiction-Horror-Rollenspiel, "das von den gleichnamigen Filmen inspiriert wurde", so Linda Dietzinger, die diese Art Spiele als "kommunikatives Hobby" von zumeist Erwachsenen einordnet. Otte schirmt sich mit einem aufgestellten Karton ab und hat ein dickes Alien-Buch vor sich liegen. "Wir sind gerade auf einer Raumbasis angekommen", sagt Otte, "alles ist verlassen und niemand antwortet." Manfred Reimann bringt vier Kindern das Spiel "Splittermond" näher. "Das ist ein kooperatives Spiel", erklärt er. Die Kinder schlüpfen in Rollen von Zauberern und Elfen. Es gibt aber auch Arrou, den Sandläufer der Tarr, der wie seine vier Brüder ein Kämpfer ist, "hitzköpfig und voller Tatendrang", so die Beschreibung. Dietzinger hat gerade den fehlenden Spielleiter für "Dungeons and Drageons" an den Tisch gebracht. Sie ist zufrieden, wie es läuft. Sie hat einige Erfahrung mit Spiele-Events in der Stadtbibliothek. Am Nachmittag hat es noch einen Workshop für Spielleiter gegeben - eine Einführung in die "Kunst des Meisterns", so Dietzinger. Sie hat 2019 drei und im Coronajahr 2020 immerhin noch zwei Spieleabende organisiert. Der nächste Termin folgt am 16. Januar. Zur Vorbereitung können passende Bücher ausgeliehen werden.

© SZ vom 27.10.2020
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