Fürstenfeldbruck CSU will das "Blaues Palais" erhalten

Großes Haus, kurze Wege: Trotz einiger Defizite in punkto Wärmedämmung gilt die 1977 eröffnete Offizierschule als sanierungswürdig.

(Foto: Johannes Simon)

Thomas Goppel und Generalkonservator Mathias Pfeil wollen das Gebäude der Offizierschule unter Denkmalschutz zu stellen

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Kosten scheinen keine Rolle zu spielen bei dem für Ende 2021 geplanten Umzug der Offizierschule von Fürstenfeldbruck nach Roth. Anders lässt sich die stoische Ruhe schwerlich erklären, mit der die Bundeswehrspitze die jüngst deutlich nach oben korrigierte Kostenschätzung - von 144 auf 178 Millionen Euro - sowie die Warnung des Wehrbeauftragten vor Steuergeldverschwendung hingenommen hat. Immer wieder heißt es gebetsmühlenartig: "Wir ziehen um, es bleibt dabei." Und das, obwohl das Gebäude auf dem Fliegerhorst sich nach Expertenmeinung für einen Bruchteil der Neubaukosten renovieren ließe - die Schätzungen reichen von 30 bis 100 Millionen Euro. In der Stadt und aktuell ganz besonders in der CSU gibt es derzeit Überlegungen, das sogenannte Blaue Palais möglichst schnell unter Denkmalschutz stellen zu lassen.

Das 1977 eröffnete Haus in der für die diese Zeit typischen Glas- und Stahl-Architektur sei trotz des vergleichsweise jungen Alters sehr erhaltenswert, heißt es. Vor allem deshalb, weil die bundesweit einzigartige Bildungseinrichtung zur Geschichte der Stadt gehört und das militärische Areal nach dem endgültigen Abzug der letzten Bundeswehreinheit wohl von 2022 an ein ziviles Gesicht erhalten wird. Der Kilometerbau sowie 19 weitere Gebäude der früheren Luftkriegsschule stehen bereits unter Denkmalschutz. Was aber soll mit dem größten Gebäude, dem Blauen Palais, passieren?

Bevor die Stadtspitze abends zum Neujahrsempfang einlud, machte sie sich am Donnerstagvormittag vor zwei Wochen selbst ein Bild. Angeregt hatten dies Georg Jakobs (CSU) und Brucks CSU-Chef Andreas Lohde, die selbst aber nicht teilnehmen durften. Mit dabei war hingegen Generalkonservator Mathias Pfeil, der anschließend von einem guten Bauzustand und "hoher architektonischer Qualität" sprach. Eine "abschließende Beurteilung" soll bis zur Sommerpause gefasst werden, heißt es aus dem Landesamt. Zusätzlichen Schwung in die Sache könnte nun eine gemeinsame Initiative mehrerer CSU-Politiker bringen, bezeichnet doch auch Thomas Goppel das Blaue Palais als "Denkmal von besonderem Wert".

Der Landtagsabgeordnete kann als Leiter des Landesdenkmalrats ein gewichtiges Wort mitreden. Hinter den Kulissen hat er bei seinen Parteifreunden, Landrat Thomas Karmasin, Alexander Dorow, Erich Raff sowie Lohde und Jakobs, für eine gemeinsame Linie geworben. Pfeil habe bereits Kontakt aufgenommen zu Landrat Karmasin, so Goppel am Donnerstag. Mit einem Federstrich lässt sich der "Glaspalast", wie Goppel die Offizierschule nennt, aber nicht unter Denkmalschutz stellen, darauf weist auch Andreas Lohde hin. Die Denkmalbehörde habe klar gemacht, dass eine Entscheidung pro Denkmalschutz leichter fällt, wenn es schon ein Grobkonzept über die Nutzung gibt.

Eine für einige Beobachter ernüchternde Erkenntnis. Denn mancher hatten insgeheim gehofft, dass es anders herum gehen könnte und der Denkmalschutz ein Instrument ist, das den Bund doch noch zum Nachdenken anregen könnte. Lassen sich doch denkmalgeschützte Gebäude nicht so einfach durch funktionale Neubauten ersetzen und Veränderungen müssen von der Unteren Denkmalschutzbehörde genehmigt werden. Dadurch kann der Marktwert der Immobilie sinken. Weil die bundeseigene Bima als Eigentümer aber gehalten ist, einen möglichst hohen Verkaufspreis zu erzielen, könnte das ein Dämpfer sein - je niedriger die Erlöse, desto schmerzhafter sind höhere Neubaukosten. Die Hoffnung: Die Bundeswehr könnte den 2011 beschlossenen Umzug doch noch revidieren. Dass ein geringerer Verkaufserlös die Bundeswehr freilich zum Umdenken bringt, bezweifeln Experten mit Blick auf die bisherige Dickhäutigkeit gegenüber Kostensteigerungen.

Goppel hält das ebenfalls für ein ziemlich absurdes Gerücht. Die Bundeswehr werde deshalb nichts mehr revidieren. Generalkonservator Mathias Pfeil weist zudem darauf hin, dass vor einer Entscheidung zum Denkmalschutz ja auch der Eigentümer konsultiert wird. Goppel empfiehlt, sich mit der Verlegung der Offizierschule abzufinden und sich auf eine konstruktive Nachfolgeplanung zu konzentrieren. Der CSU-Politiker könnte sich vorstellen, dass ein Wissenschafts- oder Forschungszentrum ins Blaue Palais einzieht. Denkbar sei aber auch ein Umzug der Bayerischen Beamtenfachhochschule, die zurzeit im ehemaligen Kloster Fürstenfeld untergebracht ist. Goppel will ausloten, was der Landkreis davon hält. Erst dann werde er beim Ministerpräsidenten vorstellig.