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Fürstenfeldbruck:Corona fördert das digitale Bezahlen

Ramona Bosch leitet die Commerzbank-Filiale in Fürstenfeldbruck.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Commerzbank befasst sich im Jahresbericht mit den Auswirkungen der Pandemie. Ob die Filiale in Bruck bestehen bleibt, ist noch unklar

Von Erich C. Setzwein, Fürstenfeldbruck

Wenn sich in der Corona-Krise etwas beschleunigt, dann die Digitalisierung. Ob es sich nun um die von jetzt auf gleich eingerichteten Home-Office-Arbeitsplätze in Küchen, Wohnzimmern oder unter Dachgauben oder die "kontaktlose" Zahlung an der Supermarktkasse handelt. In diesen und weiteren Bereichen sind die Ergebnisse sicht- und greifbar. Das hat auch die Commerzbank in Fürstenfeldbruck festgestellt und in ihrer Jahresbilanz-Pressekonferenz darauf hingewiesen. Allein 140 neue Kunden habe man ausschließlich über eine Online-Anmeldung dazubekommen, berichtete Ramona Bosch, Leiterin des Marktbereichs Fürstenfeldbruck, Dachau und Oberschleißheim in einer Telefonkonferenz mit den Medien.

Dass die Digitalisierung weitere direkte Folgen für die Commerzbank überhaupt haben wird, das zeigt sich in dem bis 2024 angestrebten Abbau von Filialen in Deutschland. Sind es derzeit noch etwa 750, so soll die Zahl auf 450 sinken. Ob auch Fürstenfeldbruck betroffen sein wird, darüber wollte Ramona Bosch sich noch nicht äußern. Erst im zweiten Halbjahr würden sich die Gremien der Bank damit befassen.

Die Richtung, in die das Ganze geht, aber scheint klar zu sein. Mehr Beratung online und am Telefon von Beratungszentren aus, die nicht in der Nähe des Kunden sein müssen. Vor allem die Besitzer von Privatkonten sollen künftig noch mehr Online-Banking machen, so wie die Firmenkunden der Brucker Filiale. Die sind nach Angaben der Bereichsleiterin bereits zu hundert Prozent nur noch online bei ihrer Bank. Insgesamt 7757 Kunden vertrauen im Landkreis Fürstenfeldbruck der Commerzbank ihre Geldgeschäfte an. Und immer mehr von ihnen hätten das bargeldlose Bezahlen entdeckt, wie die Nachfrage nach neuen Girocards mit Bezahlfunktion gezeigt habe.

Die Firmenkunden waren es, denen im ersten Corona-Jahr die Brucker Filiale einbesonderes Augenmerk gönnte. Als im März klar wurde, welche Folgen der Lockdown haben würde, habe man innerhalb von 48 Stunden eine "digitale Antragsstrecke" aufgebaut, um den Kunden rasch bei der Beantragung und Abwicklung nötiger Kredite zu unterstützen. Weil plötzlich die Umsätze fehlten und Darlehen nicht mehr bedient werden konnten, seien mehr als 30 000 Kredite "auf Eis gelegt" worden, formulierte es Ramona Bosch. Bis Ende des vergangenen Jahres seien Kredite im Gesamtwert von 3,3 Milliarden Euro gestundet worden, mittlerweile seien bis auf 992 die Zahlungen bei allen anderen wieder eingegangen. So hätten sich vor allem die Händler von März bis Juni ein Sicherheitspolster geschaffen. Auch seien neue Kredite bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Höhe von 1,5 Millionen Euro beantragt, bislang aber nur 1,3 Millionen gezogen worden. Die durchschnittliche Kreditsumme pro Kunde gab Bosch mit 30 000 Euro an und kommentierte: "Das wurde mit Augenmaß beantragt."

Beschleunigt hat sich die Digitalisierung aber nicht nur bei den Firmen-, sondern auch bei den Privatkunden, wie Ramona Bosch feststellte. So sei der Anteil derjenigen, die Onlinebanking betrieben im Landkreis um 27 Prozent gestiegen. Jeder fünfte Kunde erledige seine Wertpapiergeschäfte vom Smartphone aus, und unter denen seien viele unter 25 Jahre alt. Ein weiterer Trend, der sich derzeit festige.

Warum das Sparen - entweder in seiner klassischen Form oder in der Anlage von Wertpapieren - zugenommen habe, erklärt sich Bosch so: "Da war ein wenig Angstsparen dabei." Die Sorge vor einer Kündigung oder die Kurzarbeit sieht sie als Auslöser. Die Filialleiterin rechnet aber damit, dass das kurzfristig Angesparte schon bald wieder ausgegeben werden, wenn es dazu Einkaufsmöglichkeiten im stationären Handel gebe.

Corona hat der Bank - und wird dies auch noch weiter tun - Kunden gebracht, die sich wegen der wochen- oder monatelangen Isolierung in einer Wohnung ein Häuschen im Grünen wünschen. Inzwischen liegt die Gesamtsumme bei der Baufinanzierung bei 79 Millionen Euro. Das entspricht einem Plus von 8,2 Prozent im vergangenen Jahr. Kreditnehmer seien an einer "grünen Baufinanzierung" interessiert. Wer sich dafür entscheide, könne mit einer Zinsreduzierung rechnen. Die Nachfrage vor allem jüngerer Kunden an nachhaltigen Anlagen sei gewachsen und größer als zuvor.

© SZ vom 04.03.2021
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