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Fürstenfeldbruck:Christentum und Kirche

Online-Vortrag des Brucker Forums

Von Elisabeth Deml, Fürstenfeldbruck

Mit dem Spannungsfeld zwischen Christentum und Kirche in der Moderne hat sich der Referent Sebastian Painadath bei einem Online-Vortrag des Brucker Forums beschäftigt. Sein Vortrag mit dem Titel "Das gewordene Christentum und die werdende Kirche! Impulse für eine andere Art, Christ zu sein!" beginnt mit einem Moment der Stille. Ein melodischer Gong ertönt aus den Lautsprechern. Die etwa 80 Teilnehmer schließen die Augen. Painadath begrüßt die Teilnehmenden aus Indien. Dort ist es bereits fast Mitternacht, als der Vortrag um 19.30 Uhr in Deutschland beginnt.

Der Vortrag setzt sich mit der Frage auseinander, inwiefern die Kirche zukunftsfähig gestaltet und der Glaube im Alltag verwirklicht werden kann. Zuerst differenziert Painadath zwischen den Begriffen "Kirche" und "Christentum". Für ihn stelle die Kirche eine spirituelle Weggemeinschaft dar. Die Kirche biete geistiges Potenzial und drücke sich durch ein gemeinsames Miteinander aus. Sie gleiche einem spirituellen und lebenslangen Prozess. Dahingegen bilde das Christentum die Institution mit den dazugehörigen Strukturen. Beides unterscheide sich, sei aber nicht trennbar. Dennoch neige das Christentum als Institution dazu, die Vergangenheit in die Zukunft zu tragen und dort nach Bezugspunkten zu suchen. Dabei sei das Christentum von Zeit und Raum bestimmt. "Ein ewiges Gespür für das Jetzt ist erforderlich", führt Painadath seinen Gedankengang aus. Das Christentum hält oftmals an seinen Sicherungsstrukturen, Traditionen und Riten fest, dabei müsse man dem sich verwandelnden Geist Raum geben. "Jesus wollte sich an die damaligen Strukturen nicht anpassen, er war von Spiritualität getrieben", begründet Painadath.

Die daraus resultierenden Konsequenzen fasst der Theologe in acht Punkten zusammen. Das Christentum sowie Gläubige müssten ihren geistlichen Horizont erweitern. Strukturen können helfen, allerdings auch zu Blockaden werden. "Menschen machen Rückschritte, wenn sie in der Vergangenheit bleiben", sagt Painadath. Das Christentum könne alternative Lebensformen hervorbringen. Hierbei spricht er vom Einsatz für Frieden und Solidarität. Der Schutz des Lebens und die Sorge um Benachteiligte seien von Bedeutung. All diese Werte seien bereits Zeichen des Reichs Gottes. Zudem müsse sich das Christentum über kurz oder lang umstrukturieren. "Die priesterorientierte Ausführung hält sich vielleicht noch ein paar Jahre, aber sie stellt keine Lösung auf Dauer dar", sagt Painadath. Man müsse die Aktivität aller Gläubigen in allen Bereichen fördern, auch die von Frauen.

Die Kirche als dynamische Gemeinschaft sei das erstrebenswerte Ziel. "Die Kirche nimmt dort Gestalt an, wo Leben pulsiert." Das europäische Lebensumfeld bestehe aus verschiedenen Religionsgemeinschaften. Deswegen müsse man spirituelle Freundschaften untereinander knüpfen und unnötige Vorurteile beseitigen.

Der Vortrag endet mit einer Diskussion. Einige Teilnehmer erzählen von ihrer Sehnsucht nach Spiritualität, die nicht immer in Kirchen gefunden werden kann. Wie ist es also möglich die geistigen Mauern des Christentums abzubauen? Hierbei rät Sebastian Painadath den Blick nicht auf die Institution zu richten, sondern auf den Geist Gottes, der über die Grenzen hinaus gehe.

© SZ vom 21.01.2021
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