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Fürstenfeldbruck/Buenos Aires:An der Schwelle zum Pazifik

Der Fürstenfeldbrucker Weltumsegler Stefan Blasberg meldet sich von der Südspitze Argentiniens. Er hat gewaltigen Stürmen standgehalten und Naturparadiese sowie gastfreundliche Menschen kennengelernt

Die 80 Tage, die Phileas Fogg brauchte, um die Welt zu umrunden, sind längst abgelaufen. Aber Stefan Blasberg ist auch nicht der Held aus Jules Vernes Roman. Vor allem hat der gebürtige Fürstenfeldbrucker, der Mitte 2014 von Griechenland aufgebrochen ist, um sich vom Wind einmal um den ganzen Globus treiben zu lassen, zwar nicht so viel Geld wie der betuchte britische Gentleman, dafür aber viel mehr Zeit.

Seit einigen Monaten klappert der 46-Jährige, der von seinem griechischen Freund Aleko Stephan auf einem eigenen Boot begleitet wird, mit seiner kaum zehn Meter messenden Segelyacht nun schon die Ostküste Südamerikas ab. Dies alles ist die Verwirklichung eines Traums, den er schon als Fünfjähriger hatte und der sich früher beim Segeln mit der Jolle auf dem Wörthsee verfestigte. Viele Freunde und vor allem die am Brucker Wittelsbacher Platz wohnenden Eltern Reni und Gert, verfolgen die Abenteuer gebannt aus der Ferne. In lockerer Folge begleitet die SZ die abenteuerliche Reise (April 2015: "Auf einer Nussschale um die Welt"; Juli 2015: "Kokosnüsse, Kolonialkirchen, Kriminelle"). Im Februar nun meldet sich Stefan Blasberg aus Porvenir auf der Insel Grande de Tierra del Fuego. In Feuerland bereitet er sich mit seinem Begleiter auf die Weiterreise ins chilenische Puerto Montt vor: "Diese Strecke dürfte ein noch größeres Abenteuer werden und hält bestimmt einige Überraschungen bereit." Aber Stefan Blasberg und Aleko Stephan bringt so schnell nichts mehr aus der Ruhe - Mastbrüche, schwere Stürme, Kollisionen mit treibenden Containern und Überfälle haben sie längst abgehakt.

In den vergangenen Monaten hat ihnen das sehr wechselhafte Wetter schon mal einen Strich durch die Rechnung gemacht. Blasberg: "Je südlicher wir segelten, desto wechselhafter, unberechenbarer, stürmischer und kälter wurde es." Ende August erreichen sie Uruguay, wo Aleko Stephan es endlich schafft, einen Leistenbruch behandeln zu lassen. Blasberg nutzt die Zeit, den Motor seines 45 Jahre alten Segelboots auszubauen und überholen zu lassen. Die 18 PS schwache Maschine war schon bei der Überquerung des Atlantiks an ihre Grenzen gekommen. Beide "Operationen" reißen tiefe Löcher in die ohnehin sehr überschaubare Bordkasse. In Buenos Aires, der argentinischen Hauptstadt, bleiben sie sechs Wochen, machen Bekanntschaft mit den "nettesten, hilfsbereitesten Menschen", lernen Tangotanzen, genießen Steaks und vorzüglichen Wein, bereiten aber auch ihre Boote in zahllosen Stunden vor für die Fahrt auf dem Südatlantik. Es folgt ein Segeltörn durchs Tigredelta und den Rio Parana. Ein paar Mal laufen die Boote auf Grund, kommen aber immer wieder frei. Nach fünf Tagen Funkstille erfahren die beiden Globetrotter, dass sie irrtümlich von Argentinien und Uruguay als vermisst gemeldet und bereits gesucht wurden. Anfang Dezember geht es raus aus dem Rio de la Plata ins berühmte Seebad Mar del Plata und weiter nach Süden.

Quelle: SZ-Karte

Die Meeresströmung El Niño beschert den beiden Reisegefährten einen strammen Gegenwind aus südlicher Richtung. Auf beiden Booten reißen Segel und es gibt ordentlich Kleinholz. In solchen Momenten bewährt es sich, dass Stefan Blasberg viele Jahre lang in seiner Wahlheimat Griechenland Häuser ausgebaut und renoviert hat. Im Hafen des Fischerdorfs Puerto Deseado, auf 47 Grad Süd, werden beide dann aber von einem Orkan überrascht, bei dem Stephan fast seine Beduin verloren hätte. Fotos, die von einem in der Nähe vertäuten Hafenschlepper aufgenommen wurden, zeigen atemberaubende Brecher, auf deren Kamm die beiden Boote wie Spielzeug tanzen. "Wir hatten wirklich sehr viel Glück", schreibt Blasberg. Entschädigt werden sie für die Entbehrungen und Ängste mit Naturparadiesen, "die wir uns nicht mal in unseren Träumen so vorgestellt hätten" - so etwa das Naturschutzgebiet Ilha Leone, wo beide auf Surfbretter mit Paddel steigen und begleitet werden von Robben, Seelöwen, Pinguinen, Delfinen, Walen und Albatrossen. Es ist ein unberührtes Refugium mit Tieren ohne jegliche Scheu. Bewohner dieser abgelegenen Gegend kommen an Bord und bringen neben Speisen und Getränken ebenso viel Zeit mit, wie sie Aleko Stephan und Stefan Blasberg haben. Ganz selbstverständlich bieten sie in ihren Häusern Duschen und Waschmaschinen an. Aus dieser heilen Welt werden die beiden Reisenden dann aber jäh bei der Einfahrt in die Magellanstraße herausgerissen - "wirklich das heftigste und anstrengendste Stück unserer ganzen Reise", so Stefan Blasberg. "Die Weststürme, starken Strömungen und der extreme Tidenhub haben uns und unsere Boote an die Grenzen des Machbaren gebracht". Am Ende der Welt fragt sich der gebürtige Fürstenfeldbrucker das erste Mal: "Was mache ich hier eigentlich?" Aber auch solche Momente gehen vorbei. Und der Stolz darüber, es überhaupt so weit geschafft zu haben und nun auf den Spuren des großen Ferdinand Magellan durch das Kanallabyrinth in den Pazifik zu segeln, gewinnt wieder die Oberhand. Mag Philea Fogg auch ungleich schneller gewesen sein, so verpasste er in seiner Hektik doch all die Schätze am Wegesrand, die sich nur dem gemächlich Wandernden erschließen. Behalten Stefan Blasberg und Aleko Stephan das Tempo der zurückliegenden eineinhalb Jahre bei, dann läuft es wohl auf "In 80 Monaten um die Welt" heraus.

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