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Fürstenfeldbruck:Brucker Streichkonzert

FÜRSTENFELDBRUCK:  Abrakadabra-Tag im Veranstaltungsforum

Das Veranstaltungsforum in den ehemaligen Klostergebäuden (hier bei den Zaubertagen im September) genießt eine Bestandsgarantie.

(Foto: Leonhard Simon)

Dem Finanzausschuss wird für die Haushaltsberatungen ein auf Kante genähter Entwurf vorgelegt, dessen Lücken sich dieses Jahr wohl durch Rücklagen schließen lassen. Bis 2024 aber könnte die Pandemie tiefe Spuren hinterlassen

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

2020 und 2021 werden den Finanzexperten der Kreisstadt wohl als Corona-Krisenjahre in Erinnerung bleiben. Und doch scheint Fürstenfeldbruck mit einem blauen Auge durch die Pandemie zu kommen. So ersetzt der Bund Teile der ausgefallenen Steuererträge, und auch im angelaufenen Jahr kann eine millionenschwere Lücke wohl aus Rücklagen geschlossen werden. Zudem versuchen die Stadträte noch den Rotstift anzusetzen, so auch bei den Personalkosten. Dass es Grenzen gibt, wurde am Dienstag im Finanzausschuss deutlich. So wusste Finanzreferent Klaus Wollenberg alle Fraktionen hinter sich, als er zusicherte, dass das Veranstaltungsforum auf jeden Fall zu erhalten sei - auch wenn dessen Defizit mittlerweile deutlich gestiegen ist im Vergleich zur Vor-Coronazeit.

Susanne Moroff ist es als Leiterin der Finanzverwaltung gewohnt, allzu großzügige Stadträte zu zügeln. Denn schöne Projekte, die viel Geld kosten, gäbe es genügend. Da wäre die Verlegung des Bauhofs und Neugestaltung der Lände, die Umgestaltung von Viehmarktplatz und auch die Umgestaltung des Fliegerhorsts, um nur ein paar zu nennen. Und dies in Zeiten, in denen auch viele Pflichtaufgaben Unsummen verschlingen, wie aktuell die zweite Feuerwache und der anstehende Bau der Schule West an der Cerveteristraße. Auch am Dienstag warnt Moroff die Politiker diplomatisch aber nachdrücklich, die finanzielle Seite der Krise nicht aus dem Blick zu verlieren. Zumal die Kreisstadt in den vergangenen Jahren immer mal wieder in den kritischen Blick der Kommunalaufsicht geraten ist - so hatte bereits der geplante Bau der Turnhalle auf dem Gelände des neuen Sportzentrums West gestrichen werden müssen.

Die Lücke durch wegbrechende Einnahmen für das Jahr 2012 beziffert die Kämmerin auf voraussichtlich 2,4 Millionen, im nächsten Jahr rechnet sie sogar mit 4,9 Millionen Euro. Erst 2023 wird wieder ein positive Ergebnis erwartet. Das schlägt direkt auf den Finanzhaushalt durch: 2021 dürfte sich hier eine Lücke von acht Millionen Euro auftun, in den Folgejahren kalkuliert das Finanzmanagement - Stand heute - mit 26 (für 2022), 21 (für 2023) sowie neun (für 2024) Millionen Euro. Das bedeutet unterm Strich eine Nettoneuverschuldung von 64 Millionen Euro - trotz historisch niedriger Zinsen eine große Belastung. Die acht Millionen Euro fürs laufende Jahr hält Susanne Moroff noch für gerade so verkraftbar - dann aber werde es schwierig mit dem Wünscheerfüllen.

Finanzreferent Klaus Wollenberg (FDP) sieht das ähnlich. Auch er kennt die Zahlen gut und war in die Erarbeitung des Haushaltsentwurfs eingebunden. Halbwegs zufrieden stellt er fest, dass schon überall gespart wurde, wo das ohne Schaden möglich ist, und das Defizit sich damit deutlich reduziert hat ("wir kommen von elf Millionen"). Kein Bereich sei tabu gewesen, auch nicht die Kultur, die Wollenberg sehr am Herzen liegt. So mahnt er dazu, auf mögliche Änderungen im Veranstaltungssektor vorbereitet zu sein: Noch ist unklar, wie sich beispielsweise der Messebereich nach Corona entwickelt, der für Fürstenfeld eine zentrale Säule der Finanzierung ist. Und Wollenberg lässt auch durchblicken, dass er die Volkshochschule gerne auf den Prüfstand stellen will - ohne diese aber in ihrem Bestehen zu gefährden. Die 2,4 Millionen Defizit im Ergebnishaushalt, so empfiehlt er mit Rückendeckung von Grünen-Fraktionssprecher Jan Halbauer, lassen sich aber erst einmal aus Rücklagen decken. Das freilich geht nur einmal. Und weil das Geld eigentlich für Investitionen eingeplant war, die sich dann aber (noch) nicht umsetzen ließen, wird man für diese Projekte eben auch auf absehbare Zeit keinen "Spargroschen" mehr übrig haben. Gleichwohl sei das besser als "Kaputtsparen", findet Halbauer.

Manchem im Gremium sind einige Ansätze im ersten Haushaltsentwurf ohnehin zu pessimistisch. So glaubt Philipp Heimerl, dass der Einbruch bei der Grunderwerbsteuer angesichts der florierenden Immobilienbranche nicht so schlimm kommen wird wie prognostiziert. Sein Antrag, die fürs laufende Jahr erwarteten Einkünfte von 2,5 Millionen um eine Million Euro nach oben zu korrigieren, wird mehrheitlich angenommen. Fortgesetzt werden die Haushaltsberatungen am Mittwoch.

© SZ vom 21.01.2021
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