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Fürstenfeldbruck:Brucker Feuerwache wird teurer

Stadtrat genehmigt bereits die zweite Kostensteigerung innerhalb kurzer Zeit. In der Sitzung flammen Unstimmigkeiten zwischen OB Raff und Stadtbaurat Kornacher auf

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Zu einem Eklat ist es in der jüngsten Stadtratssitzung gekommen. Dabei wurde deutlich, dass es Probleme bei der Kommunikation gibt - zwischen Oberbürgermeister Erich Raff (CSU) und einigen Stadträten, aber auch zwischen ihm und der eigenen Verwaltung. Nicht zum ersten Mal gab es einen kurzen Disput zwischen Raff und Stadtbaurat Martin Kornacher in einer öffentlichen Sitzung - Raff bezeichnete einen Hinweis Kornachers als "Unverschämtheit".

Am Dienstag ging es um die abermalige Kostensteigerung des Feuerwachen-Neubaus im Brucker Nordosten. Eher zähneknirschend stimmten bis auf drei alle Stadträte letztlich zu - mangels Alternative. Denn die Stadt benötigt dringend die zweite Wache, um im östlichen Bereich sowie im Fliegerhorst den Brandschutz innerhalb der Zehn-Minuten-Anfahrtsfrist sicherstellen zu können. Auf sechs Millionen Euro wird das Projekt an der Flurstraße veranschlagt, das auch mehrere Wohnungen umfasst. Nachdem der Bauausschuss jüngst Mehrkosten von 300 000 Euro für unbestreitbar sinnvolle Zusatzausstattungen genehmigt hatte, waren es diesmal 144 000 Euro - für drei Gewerke, die freilich lediglich einen Anteil von 25 Prozent an der gesamten Ausschreibung ausmachen.

"Inakzeptabel" war für Finanzreferent Klaus Wollenberg (FDP), dass es zu dem Punkt nicht einmal eine Tischvorlage gab. Wollenberg warnte vor zunehmender Verschuldung und einer gewissen "Leichtigkeit des Seins" angesichts von außerplanmäßigen Kostensteigerungen. Seinen Unmut äußerte auch Mirko Pötzsch (SPD). Feuerwehrreferent Andreas Lohde (CSU) bezeichnete die erneute Kostensteigerung zwar als ärgerlich, man müsse sie aber wohl hinnehmen. Dafür warb auch Stadtjurist Christian Kieser, demzufolge sich solche Kostensteigerungen mit Blick auf die sehr enge Kalkulation nicht immer vermeiden lassen. Für die Ausarbeitung einer Tischvorlage habe die Zeit gefehlt, weil es erst am Tag der Stadtratssitzung diesbezügliche Gespräche gegeben habe.

Ein ausgewiesener Bauexperte freilich saß in der Stadtratssitzung ganz vorn, ein paar Meter neben dem Oberbürgermeister: Stadtbaurat Martin Kornacher. Man möge doch diesen zu Wort kommen lassen, so die Bitte aus dem Gremium. Raff folgte ihr. Kornacher verwies darauf, dass er aktuell nicht in das Projekt eingebunden sei und erinnerte Raff an entsprechende Hinweise, die dieser den Bauamtsmitarbeitern gegeben habe. Raffs Reaktion darauf war harsch.

Nach SZ-Informationen handelte es sich eher um ein Missverständnis. Raff soll in der Sache Feuerwache das direkte Gespräch zu den jeweiligen Bauexperten gesucht haben. Dadurch entstand beim Chef des Bauamts offenbar irrtümlich der Eindruck, er werde hier bewusst übergangen. Die aktuelle Kostenentwicklung der Feuerwache konnte Kornacher dementsprechend nicht erläutern. Völlig vermeiden ließen sich solche Kostensteigerungen im Zuge der Ausschreibung von Bauprojekten oftmals aber nicht, sagte er tags darauf auf Nachfrage der SZ. Die ausstehenden Details sollen dem zuständigen Fachausschuss noch in schriftlicher Form nachgereicht werden.

© SZ vom 31.07.2020

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