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Fürstenfeldbruck:Nazi-Straßennamen sollen verschwinden

Wernher-von-Braun-Straße

Die Wernher-von-Braun-Straße in Fürstenfeldbruck soll einen anderen Namen tragen.

(Foto: Günther Reger)

17 Straßennamen in Fürstenfeldbruck sorgen für Bedenken. Nun hat der Kulturausschuss deren Umbenennung empfohlen - nur ein Industrieller soll verschont werden.

Der Kulturausschuss hat den Streit um braune Straßennamen in Fürstenfeldbruck nicht gelöst. Das Gremium beschloss am Mittwoch mit zwölf gegen drei Stimmen, die Wernher-Von-Braun-Straße im Stadtzentrum umzubenennen. Eine knappe Mehrheit von acht gegen sieben Stimmen aus Teilen der CSU und der BBV sowie FDP und den Freien Wählern (FW) verteidigte hingegen Willy Messerschmitt, der als Straßenpatron im Gewerbegebiet Hasenheide erhalten bleiben soll. Die Debatte wird im Plenum des Stadtrates fortgesetzt.

Dem Kulturausschuss lag der Bericht des Arbeitskreises Straßennamen vor, der sich mit 17 Straßennamen beschäftigt hatten. Dabei handelt es sich um NS-belastete Personen oder ideologische Wegbereiter, mit Ausnahme des früheren Bürgermeister Leonhard Plonner, dessen Namen Kulturreferent Klaus Wollenberg (FDP) wegen einer Finanzaffäre 1924 genannt hatte. Der Arbeitskreis kam in 15 Fällen zu eindeutigen Ergebnissen, lediglich bei von Braun und Messerschmitt kam es zu einem Patt.

Der Kulturausschuss akzeptierte die Ergebnisse des Arbeitskreises und behandelte lediglich die beiden strittigen Fälle. Demnach könnten der als antisemitisch eingestufte Turnervater Ludwig Jahn, der völkische Schriftsteller Peter Rosegger und der Maler Otto Kubel, ein NSDAP-Mitglied, bleiben. Dagegen sollen die acht Straßenschilder in der Fliegerhorstsiedlung, die nach Piloten der Wehrmacht benannt sind, ebenso verschwinden wie die des völkischen Ideologen Julius Langbehn sowie von Paul von Hindenburg. Franz Neuhierl (FW) sprach sich vergebens für den Reichspräsidenten aus und Klaus Quinten (BBV) gab zu bedenken, dass Langbehn mit Puch verbunden sei, weil er auf dem Friedhof dort begraben liegt.

Dann könnte man auch Adolf Hitler eine Straße widmen

"Die Pucher sollten selber entscheiden", findet Quinten. Die Mehrheit im Ausschuss widersprach. Zwar sollen die Anwohner in betroffenen Straßen gehört werden, eine eigene Bürgerversammlung in Puch wird es aber nicht geben. Kulturreferentin Birgitta Klemenz regte an, die Stadt solle Anliegern die Kosten wegen der Umbenennungen abnehmen.

Die CSU-Stadträtin vertrat eine Position, die in den eigenen Reihen auf Widerspruch stieß: "Wer Teil des NS-Regimes war, ist per se keine Persönlichkeit, nach der eine Straße benannt werden darf." Fraktionschef Andreas Lohde erklärte der "lieben Birgitta", bei einem so strengen Maßstab müssten auch einige christliche Heilige aus dem Verkehr gezogen werden. Nach Ansicht Lohdes handelt es sich bei Straßenbenennungen auch nicht um eine Ehrung, sondern lediglich um "Zeitdokumente".

Eine Umbenennung würde frühere Stadträte desavouieren, die diese Entscheidungen getroffen haben, so Georg Jakobs (CSU), sekundiert von Neuhierl. Wollenberg und Quinten verteidigten Messerschmitt und Braun direkt. Messerschmitt sei bloß ein Firmenname, sagte Quinten. Wollenberg meinte, seine Generation sehe in von Braun in erster Linie den großen Weltraumpionier. Quinten schwenkte später um und schlug vor, die Wernher-von-Braun-Straße Heinrich Heine zu widmen, nachdem Christian Stangl (Grüne) daran erinnert hatte, dass keine einzige Straße der Stadt einem jüdischen Schriftsteller oder Wissenschaftler gewidmet ist.

Philipp Heimerl (SPD) rügte, über die Taten werde hinweggegangen. Die Haltung Messerschmitts komme darin zum Ausdruck, dass er Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge ausgebeutet habe. Von einem enttäuschenden Ergebnis sprach Jan Halbauer (Grüne). Wer Taten gegeneinander aufrechne, könne auch eine Adolf-Hitler-Straße ausweisen. "Das war ein hervorragender Postkartenmaler", sagte er süffisant.