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Fürstenfeldbruck:Brennstoffzellen-Offensive

Ein österreichischer Maschinenbauer will seine Schienenfräse MG11-H2 mit Puchheimer Brennstoffzellen antreiben. Simulation: proton motor

Brucks Freie Wähler wünschen sich ein Konzept für Busse. Puchheimer Firma setzt die Technik bereits in einem Bauzug ein

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Darüber geredet worden ist schon genug. Nun wollen die Freien Wähler Fürstenfeldbruck endlich mit einer Zukunftstechnologie vorankommen, von der sie sich einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz versprechen: mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzellen könnten unter gewissen Bedingungen Verbrennungsmotoren ersetzen. Denkbar ist vor allem der Einsatz als "Reichweitenverlängerer" in Elektroautos, die somit mit einer kleineren Batterie auskommen würden - die Puchheimer Firma Proton Motor forscht auf diesem Gebiet.

Freie-Wähler-Stadtrat Markus Droth will die Technologie im Bereich Mobilität mit "grünem Wasserstoff" voranbringen, dabei hat er vor allem den Schwerlast- und Busverkehr im Blick. Hier gebe es "aktuell einen Innovationsschub". In dem Antrag an Oberbürgermeister Erich Raff (CSU) spricht sich Droth für die Erarbeitung einer konkreten Strategie aus - im Sinne eines klimaneutralen öffentlichen Personennahverkehrs im Landkreis. Kooperiert werden soll dabei mit den Stadtwerken. Im Fokus steht die CO₂-neutrale Herstellung von Wasserstoff vor allem mit Hilfe von Windkraft und Sonnenenergie sowie die erforderliche Infrastruktur. Droth wünscht sich Pilotprojekte, für die es Zuschüsse von Bund und Land geben würde.

In seiner Begründung verweist Droth auf die Selbstverpflichtung der Kreisstadt auf Klimaneutralität bis 2035. Ein zentraler Baustein sei dabei "der Verkehr und im Besonderen der öffentliche Nahverkehr". Ohne Elektrifizierung von Auto, Lastwagen und Bus werde es nicht gehen. Erste Gespräche mit einem Hersteller von Elektrolyse-Anlagen - unter Einbindung der Stadtwerke - hätten ergeben, dass den Stadtwerken "eine zentrale Rolle bei der Herstellung und Distribution von Wasserstoff zukommt". Bei den innerhalb der nächsten drei Jahre anstehenden Neuausschreibungen von Buslinien im östlichen Landkreis gelte es die neue Ausrichtung zu berücksichtigen: "Gerade die Busunternehmer brauchen eine Perspektive, denn sie müssen Millionen in ihre Fuhrparks investieren. Das geht nur mit Planungssicherheit und mit Anschubfinanzierungen durch Bund und Land."

Die Wasserstofftechnologie könnte in der Tat zumindest in einigen Bereichen der Fahrzeugtechnik vor dem Durchbruch stehen. Zwar ist es noch ein weiter Weg bis zur echten Serienreife bei Autos - wegen der im Vergleich zur Batterie geringeren Effizienz und dem fehlenden Tankstellennetz. Für Lastwagen und andere schwere Fahrzeuge aber scheint die Technologie sehr geeignet zu sein, um Batterien zumindest zu ergänzen. Proton Motor, der in Puchheim ansässige Entwickler von Brennstoffzellen, vermeldet nun einen weiteren Meilenstein, nachdem Brennstoffzellen-Pakete (Stacks) bereits in fünf Müllfahrzeugen des niederländisch-belgischen Unternehmens "E-Trucks Europe" als Reicheweitenverlängerer verbaut worden sind.

Nun wird eine Lok mit der Proton-Technik ausgerüstet. Dabei handelt es sich um einen wasserstoffbetriebenen Schienenfräszug, der somit abgas- und lärmfrei unterwegs ist. Der Typ "MG11-H2" des Weltmarktführers für Schienenfräsmaschinen, der oberösterreichischen "Linsinger Maschinenbau Gesellschaft", wurde jetzt offiziell am Firmensitz in Steyrermühl vorgestellt. Proton Motor wird für die erste Spezial-Bahnbaumaschine dieser Art ein maßgeschneidertes Wasserstoff-Brennstoffzellen-System liefern. Die Hochleistungsfräse MG11-H2 verfügt über einen rein elektrischen Antrieb, wobei auch bei den Arbeitsaggregaten gänzlich auf Hydraulik verzichtet wird. Besonders im Bahn-Tunnel spielt die emissionsfreie Technik ihre Stärken aus.

© SZ vom 12.01.2021
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