Fürstenfeldbruck:Besucherbeschränkung und viel Lob

Fürstenfeldbruck: Kevin Freund ist Meister für Bäderbetriebe und macht das Germeringer Freibad winterfest.

Kevin Freund ist Meister für Bäderbetriebe und macht das Germeringer Freibad winterfest.

(Foto: Günther Reger)

Im zweiten Sommer der Pandemie besuchen mehr Badegäste die vier Freibäder im Landkreis als 2020. Viele freuen sich über das Angebot und äußern das auch. Doch ein Problem bleibt: Es fehlen Schwimmmeister

Von Ariane Lindenbach, Fürstenfeldbruck

Durchwachsen fällt die Bilanz der vier Freibäder im Landkreis zum Saisonende aus. Obwohl das Wetter in diesem zweiten Pandemie-Sommer an entsprechenden Temperaturen und Sonnentagen viele Wünsche offen ließ, konnten alle Freibäder von Germering bis Mammendorf die niedrigen Besucherzahlen vom Vorjahr etwas verbessern. Und viele Badegäste freuten sich, dass der Badebetrieb trotz Corona aufrecht erhalten wurde. Ein Problem jedoch besteht weiterhin: In drei der vier Bäder fehlt Personal.

In Fürstenfeldbruck mussten deshalb zum Beginn der Sommerferien die Öffnungszeiten um eine Stunde reduziert werden, da ein Fachangestellter für den Bäderbetrieb krankheitsbedingt länger ausfällt.

Für das Hallenbad bedeutet das: Es bleibt Montag und Dienstag geschlossen, Mittwoch bis Freitag öffnet es von 14 bis 20 Uhr; nur die Sauna kann an jedem Tag besucht werden. Die Sprecherin der Amperoase, Celina Gerstl, betont, dass die Gäste von Oktober an bereits wieder länger eingelassen,nämlich von zehn Uhr an, an Wochenenden und Feiertagen von neun Uhr an. Schulen und Vereine sind der Sprecherin zufolge nicht betroffen. Sie verfügen über eine eigene Schwimmaufsicht und die ist Voraussetzung, um das Bad zu nutzen.

Der Betreiber der Amperoase, die Stadtwerke Fürstenfeldbruck, suchen laufend Personal mit Stellenanzeigen in Zeitungen wie im Internet, und in den sozialen Medien. "Es wird versucht, den Beruf attraktiv zu machen. Auch Quereinsteiger, welche entsprechend geschult werden, sind bei den Stadtwerken bekommen", erklärt die Sprecherin. Doch bisher hatte die Personalgewinnung in Fürstenfeldbruck, wo vier von zwölf Stellen für die Badeaufsicht vakant sind, keinen Erfolg. Deshalb gibt es aktuell auch Bemühungen, Mitglieder der Wasserwacht zu gewinnen.

Maisachs Bürgermeister Hans Seidl, der für das Bad in Maisach ebenfalls seit längerer Zeit einen Bademeister sucht, kennt die geringe Resonanz auf die Stellengesuche. "Maximal ein bis zwei Bewerber pro Ausschreibung", hätten sich gemeldet. Es habe auch vereinzelte Bewerbungsgespräche gegeben, aber die Bewerber hätten so gar nicht den Anforderungen entsprochen. Das geringe Interesse hat nach Einschätzung Seidls mehrere Gründe, ganz vorne weg vermutlich die unattraktiven Arbeitszeiten. Arbeiten, wenn andere Freizeit haben, ist inzwischen für kaum einen Berufsanfänger denkbar, wie zum Beispiel auch der Mangel an Auszubildenden in Bäckereien zeigt. Und weil Bademeistern im Freibad in Maisach oder dem Freizeitpark in Mammendorf, wo es nicht wie in Germering und Fürstenfeldbruck ein Hallenbad für den Winter gibt, ist das Problem mit den Arbeitszeiten noch viel drastischer als bei einem Bäcker. Die Tätigkeit ist praktisch nur auf die warmen Monate von April bis Oktober beschränkt, im Winter können sie dann Urlaub nehmen und Überstunden ausgleichen. Familienfreundlich oder auch einfach nur gesellschaftlich kompatibel sei dieses Anforderungsprofil sicher nicht, räumt Seidl ein.

Und der Bürgermeister vermutet außerdem, dass auch das gesellschaftliche Ansehen von Bademeistern, die vor ein paar Jahrzehnten noch als Autoritäts- und Respektspersonen galten, eine Rolle spielt. Es fehle absolut an Wertschätzung für jene Personen, die sich um das Wohl anderer kümmern, bedauert er mit Blick auf die schwierige Personalgewinnung für Kindergärten. Hinzu kommen Seidl zufolge zunehmend renitente Badegäste, gelegentlich Anfeindungen. "Es ist auch nicht einfacher geworden", fasst er es zusammen.

Die Zahl der Badegäste ist gegenüber 2020 leicht gestiegen. Allerdings hatte das Freibad in Maisach in diesem Sommer an 110 Tagen geöffnet, im Vorjahr nur am 69, im Sommer 2019 an 118 Tagen. Besucht wurde es von 15 014 Badegästen, im Jahr davor waren es knapp 10 000 und in 2019, dem letzten Sommer vor Corona, 43 884. Das Defizit lag in beiden Jahren bei über 300 000 Euro, sonst ist es gut ein Drittel weniger. "Wir hoffen auf bessere Zeiten", sagt Seidl und bekräftigt, dass sich die Gemeinde das Bad weiterhin leisten wolle.

In den anderen drei Freibädern entwickelten sich die Besucherzahlen ähnlich. In der Kreisstadt nutzten "trotz Corona und einem eher wechselhaften Wetter", wie Celina Gerstl unterstreicht, rund 34 000 Besucher das Angebot, gegenüber 32 000 in 2020 und 96 000 im Sommer 2019. In Mammendorf besuchten 61 360 das Bad, 49 022 waren es 2020 und im Jahr vor der Pandemie 68 833. Auf die Coronabedingten Beschränkungen reagierten die Badegäste laut Luitgard Reigl vom Landratsamt "grundsätzlich verständnisvoll", manche seien gegangen, wenn sie es als zu voll empfanden. "Besonders gefreut" habe die Gäste, dass trotz der Ausnahmesituation viele Schwimmkurse angeboten und Sportabzeichen abgenommen wurden. "Schlimm ist aber in den letzten Jahren das Unverständnis der Eltern, dass Kinder erst ab sieben Jahren auf die große Rutsche dürfen."

In Germering wurden 85 722 Besucher registriert, im Vorjahr 68 944. Normalerweise sind es um die 110 000 Badegäste. Die pandemiebedingte Besucherbeschränkung lag bei 1000 Badegästen, was wegen der Zählung kein Problem gewesen sei, wie Edeltraud Felser von den Stadtwerken Germering mitteilt. "Mit der Besucherbeschränkung gab es keinerlei Probleme, da durch die Zählung das Bad zu keinem Zeitpunkt geschlossen werden musste. Diskussionen rief da schon eher die Maskenpflicht in den Innenräumen auf den Plan. Überwiegend bekamen wir aber großes Lob für unsere Bemühungen, den Badegästen möglichst problemlos einen entspannten Badetag zu ermöglichen."

© SZ vom 20.09.2021
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