Fürstenfeldbruck:Bange Freude

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Fürstenfeldbruck: Anika Kolbe, hier mit Tochter Felina, ist mit dem vierten Kind schwanger. Sie hofft, dass ihr Mann bei der Geburt im Sommer dabei sein kann.

Anika Kolbe, hier mit Tochter Felina, ist mit dem vierten Kind schwanger. Sie hofft, dass ihr Mann bei der Geburt im Sommer dabei sein kann.

(Foto: Jacqueline Schleicher/oh)

Eine Hebamme berichtet, wie es werdenden Eltern in dieser von einem Virus bestimmten Zeit geht. Die 37-Jährige ist selbst schwanger

Von Cynthia Seidel, ürstenfeldbruck

"Es ist untragbar, dass wir Schwangeren dem Ganzen schutzlos ausgesetzt sind", sagt Anika Kolbe. Sie arbeitet als freiberufliche Hebamme in den Landkreisen Fürstenfeldbruck und Dachau und freut sich derzeit auf ihr viertes Kind. Doch durch die Coronapandemie rücken viele Sorgen in den Fokus.

Für viele werdende Eltern sind die neun Monate bis zur Geburt ihres Kindes eine besonders aufregende Zeit. Nun machen sich die Schwangeren zudem Gedanken, ob die Infektionslage Auswirkungen auf den Verlauf der Schwangerschaft, die Gesundheit von Mutter und Kind und die Geburt haben kann. Kolbe ist in der 17. Woche schwanger und erlebt die pandemiebedingten Einschränkungen nicht nur bei der Arbeit, sondern auch privat.

"Ich finde es fürchterlich, dass man als Schwangere im schlimmsten Fall alles allein durchstehen muss", sagt die 37-Jährige. Denn momentan ist es in der Regel nicht möglich, bei Vorsorgeterminen oder in den Kreißsaal vom Vater des Kindes oder jemand anderem begleitet zu werden. "Es macht einen gravierenden Unterschied, ob man vertraute Menschen dabei hat. Nicht nur für ihre Teilhabe, sondern auch um die Schwangere zu unterstützen", sagt Kolbe. Die Familie sei außen vor, Emotionen hätten nur wenig Platz.

Um trotzdem ein wenig Nähe zu ihren Patientinnen aufzubauen, die auch durch das Tragen der Maske beeinträchtig seien, bietet Kolbe Onlinetreffen an. "Man vertraut mir als Hebamme sein Leben und das des ungeborenen Kindes an, da ist gegenseitiges Vertrauen essenziell." Deshalb sei es ihr wichtig, dass die Schwangeren, die sie begleitet, sie auch mal komplett sehen können und möglichst angenehme und "normale" Verhältnisse geschaffen werden.

Sie selbst hofft, dass ihr Mann bei der Geburt ihres vierten Kindes im Juni dabei sein kann. Wenn die Infektionslage sich bis dahin nicht verbessert, ist es allerdings von den Bestimmungen des jeweilig zuständigen Gesundheitsamtes abhängig, wer mit in den Kreißsaal darf. Bisher sei der Vater bei den Geburten aller Kinder dabei gewesen.

Momentan gelte im Kreis Fürstenfeldbruck überall mindestens die 3-G-Regelung. Was in der ausgesuchten Geburtsklinik gilt, erfährt man im Vorgespräch, es kann sich aber, wie alle Corona-Regeln, täglich ändern. "Man muss kurz vor der Geburt wirklich informiert bleiben. Einige erfahren bei Geburtsbeginn, dass sie alleine in den Kreißsaal müssen und versuchen, noch kurzfristig die Klinik zu wechseln", sagt die Maisacherin.

Oft ist die Erlaubnis, bei der Geburt dabei sein zu dürfen, abhängig vom Impfstatus. Denn Schwangere und Stillende hätten, insbesondere ohne Impfung, ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf", erklärt die Hebamme. Deshalb rate sie den Schwangeren, aber auch den Vätern, sich impfen zu lassen. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel. Alle, die eine Schwangerschaft planen, sollten vorab einen ausreichenden Impfschutz haben.

Kolbe sagt, sie sei vor zwei Wochen selbst an Corona erkrankt. Sie wolle sich gar nicht ausmalen, welche Auswirkungen das Virus auf sie und ihr ungeborenes Kind gehabt hätte, wäre sie nicht geimpft gewesen. "Ich bin geboostert, und dadurch war es für mich und meinen Mann nur wie eine schlimmere Erkältung", sagt sie. Eine Corona-Infektion während der Schwangerschaft sei weitaus gefährlicher für Mutter und Kind als die Impfung.

Durch ihre Arbeit als Hebamme habe sie aber auch Krankheitsverläufe von ungeimpften Schwangeren mitbekommen. "Im Extremfall, wenn die werdende Mutter auf der Intensivstation liegt, ist es nicht selten notwendig, dass das Kind durch eine Frühgeburt geholt werden muss", sagt Kolbe. In diesen Fällen könne die Schwangere das Kind in ihrem Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Bedenken, dass Betten fehlen könnten, hat Kolbe noch nicht. "Momentan versuchen wir, Plätze zu schaffen, wo es geht", sagt sie. Sie hoffe, dass das die Infektionszahlen weiter sinken. Ihr größter Weihnachtswunsch sei es, dass spätestens im Sommer jeder wieder seine Liebste bei allen Abschnitten der Schwangerschaft begleiten kann und dass ihr Mann auch bei der Geburt des vierten Kindes mit in den Kreißsaal darf.

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