Fürstenfeldbruck Bäcker fürchten Amazon

Vom Amazon-Lager in Geiselbullach werden auch Frischwaren ausgeliefert.

(Foto: Günther Reger)

Die Innung sieht mit der Neuansiedlung des Online-Konzerns in Olching einen großen Konkurrenten auf die Betriebe zukommen.

Von Maren Jensen, Fürstenfeldbruck

Frischer Zimtgeruch umhüllt die Nase, Rosinen und Mandeln sind in aller Munde. Bald duftet es in der Region wieder nach frischen Christstollen. Doch ein Thema trübt die vorweihnachtliche Stimmung in den Bäckereien: die Ansiedlung des Online-Großhandels Amazon in Olching. Seit Montag stellt das Unternehmen von Geiselbullach aus im Großraum München Pakete zu. Dafür hat die US-Firma eine 6000 Quadratmeter große Halle angemietet. Die 27 Backbetriebe im Landkreis fürchten nun Konkurrenz, denn Amazon könnte möglicherweise auch bald Frischwaren ausliefern.

"Wir befürchten einen zu starken Konkurrenten", sagte Kreishandwerksmeister Harald Volkwein auf der Mitgliedsversammlung der Bäcker-Innung am Dienstag. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir erhebliche Verluste machen können." Dem stimmte auch Obermeister Werner Nau zu. "Wir haben sowieso schon stark zu kämpfen. Immer mehr Menschen kaufen ihre Brötchen lieber im Discounter, als frisch vom Bäcker. Das ist erschreckend."

Probleme mit dem Image

Erschreckend für die Bäcker im Landkreis ist zudem, dass ihr Ansehen in der Bevölkerung sinkt. "Dringend muss der Ruf des Bäckers gefördert werden", appellierte Nau. Um das Image zu verbessern, hat die Innung die Berufe im Bäckerhandwerk im vergangenen Jahr auf mehreren Berufsmessen vorgestellt. Erfreuliche Resonanz: In diesem Jahr haben 15 Jugendliche eine Lehre begonnen. Weitere zehn befinden sich derzeit im zweiten und dritten Ausbildungsjahr. "Diesen Trend fortzusetzen, wird schwierig. Es ist nicht einfach, als kleiner Handel beachtet zu werden. Die meisten Jugendlichen gehen direkt zu den großen Firmen ", so Nau.

Schnelle neue Einkaufswelt

Immer mehr Onlinehändler liefern am gleichen Tag, auch Lebensmittel. Nun warten alle, was der Marktführer Amazon macht. Von Stefan Mayr mehr ...

Der Innungsobermeister berichtete aber auch von einer negativen Sichtweise auf den Bäckerberuf. "Oft wird unsere Kunst als minderwertig betrachtet. Viele wissen nicht, dass sie nach der Meisterprüfung zum Beispiel auch studieren können." Diese Weiterbildungsmöglichkeiten nach einer handwerklichen Ausbildung möchte die Innung in Zukunft stärker in den Vordergrund rücken. "Wir versuchen, die Marktlage, so gut es geht, aufzufangen und in neue Maschinen zu investieren", sagte Nau.

Zukunftsplanend sei außerdem, mehr regionale Produkten zu verwenden. "Im nächsten Jahr wollen wir nur noch Butter aus der Region." Bisher bezieht die Innung 80 bis 90 Prozent der Lebensmittel aus Fürstenfeldbruck. Dazu zählen vor allem Milchprodukte und Früchte. Die regionale Beziehung ist allerdings erheblich teurer als die zum Ausland. "Wir setzen eben stark auf Qualität", sagte Nau.

Obermeister beklagt sinkende Wertschätzung

Sollten die Semmeln in Zukunft teurer werden, könnten noch mehr Menschen zum Online-Handel greifen. "Es ist traurig zu sehen, dass immer weniger Menschen Wert auf das Handwerk legen. Qualität wird kaum noch beachtet." Besonders betroffen zeigte sich auch Ehrenobermeister Franz Höfelsauer: "Es ist ungerecht."

Von Bio-Produkten über Kaffee und den morgendlichen Frühstücksflocken bietet der Online-Großhandel ein großes Angebot an Lebensmitteln. Sogar Aufbackbrötchen befinden sich im Sortiment. Aber nicht nur die Bäckerinnung sieht Probleme, auch der Gewerbeverband Olching befürchtet die weitere Verdrängung des Einzelhandels.

Ob der Versandriese Amazon in Geiselbullach vorhat, auch einen Frischdienst anzubieten, scheint noch unklar zu sein. Vorerst wird dies von Amazon dementiert.