Süddeutsche Zeitung

Fürstenfeldbruck:Ausgezeichnet

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Der 20. Kunstpreis des Landkreises geht an den Maler Wolfgang Ellenrieder, den Förderpreis erhält der 18-jährige Student Nikos Georgalas

Von Florian J. Haamann, Fürstenfeldbruck

Fünfmal habe er am Telefon nachgefragt, ob das so wirklich stimme, erzählt der sichtlich glückliche Nikos Georgalas. So richtig kann der 18 Jahre alte Lehramtsstudent aus Puchheim noch immer nicht glauben, dass er gerade den Kunstförderpreis des Landkreises gewonnen hat. "Für mich wäre es schon eine Überraschung gewesen, überhaupt in die Ausstellung zu kommen". Denn öffentlich waren seine Arbeiten bisher noch nirgends zu sehen. Ganz anders verhält es sich da beim Gewinner des Kunstpreises des Landkreises, Wolfgang Ellenrieder. Der Münchner ist Professor für Malerei an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, hat bereits gut ein Dutzend Kunstpreise gewonnen und konnte seine Arbeiten bei Dutzenden Ausstellungen im In- und Ausland zeigen.

Unterschiedlicher hätte das Duo, das die Jury zum 20. Jubiläum des Kunstpreises in diesem Jahr auswählt, also nicht sein können. Präsentiert wurden die Preisträger wie gewohnt bei der Eröffnung der Kunstausstellung des Landkreises im Kunsthaus Fürstenfeldbruck, bei der neben Arbeiten von Ellenrieder und Georgalas auch die Werke von zahlreichen anderen Künstlern zu sehen sind, die sich für den Preis beworben haben. Voraussetzung ist, dass die Künstler einen Bezug zum Landkreis haben. Beim 1959 in München geborenen Ellenrieder ist es sein Atelier in Puchheim, Georgalas, der in Germering aufs Gymnasium gegangen ist lebt in Puchheim.

Zur Ausstellungseröffnung am Freitagabend war das Kunsthaus voll wie lange nicht, mehr als 50 Besucher, darunter viele Künstler, waren gekommen, um die große Landkreiswerkschau und die Auszeichnung zu sehen. Die Laudatio auf die beiden Künstler übernahm Jurymitglied Herbert Nauderer, der selbst schon den Landkreiskunstpreis gewonnen hat und wie Ellenrieder Professor an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig ist. Seinem Professorenkollegen bescheinigt Nauderer eine "konsequent eigenständige" künstlerische Haltung. Die prämierte Arbeit "Relativ kleines Loch", habe eine "soghafte Wirkung" und erinnere an die Malerei des Barock und der Romantik. Georgalas, der mit seinen 18 Jahren der bisher jüngste Förderpreisträger ist, sieht er in der Tradition der Künstlergruppen Cobra und Spur, die in den Fünfziger- und Sechzigerjahren den avantgardistischen Diskurs mitgeprägt haben.

Ellenrieders großformatiges Gemälde "Relativ kleines Loch" zeigt ein Loch in einer dichten Wolkendecke. Dem Betrachter eröffnet sich so der Blick in die Unendlichkeit des Himmels. Es ist eine beruhigende und zugleich aufwühlende Szene, von der eine große Dynamik ausgeht. Ellenrieders zweite Arbeit, die Installation "Rosettenkissen mit Flecken" ist ein aufgeblasenes Luftkissen mit elf Blüten, zwischen denen die Farben wie kleine Bäche fließen und sich in größeren und kleineren Seen, den Flecken, sammeln.

Nikos Georgalas erhält den Förderpreis für seine beiden Kohlezeichnungen "Der Kuss" und "Verkopft". Ergänzt werden beide jeweils durch einen selbstgeschriebenen Text. "Der Kuss" zeigt ein grob gezeichnetes Gesicht, ausdrucksstark und mit einem roten Lippenstiftabdruck unter dem Mund. "Ich küsse dich, ich küsse alles, was zwischen uns steht/ ich ziehe es in meine Brust, lasse es in meinen Körper/ lasse es in meinen Kopf, sodass kein Wind es mir verweht", heißt es im zugehörigen Text. "Verkopft" zeigt zwei durch dünne Kabel verbundene Hinterköpfe, an denen weitere, lose Kabel befestigt sind. "Mein Kopf sich auf aufgehängt/ an einem einsamen Baum/ weil er nur zurückschaute verrenkt/ und nicht los wollte aus deinem Raum". Beide Arbeiten wirken düster, sind im Kern aber eine romantisch-poetische Hommage an das Leben. Umgeben sind die Arbeiten der beiden Preisträger von zahlreichen sehenswerten Arbeiten bekannter und unbekannterer Künstler aus dem Landkreis, darunter ehemalige Preisträger wie Ina von Jan, die zwei blau-schwarze Farbflächen zeigt.

Friedo Niepmann präsentiert seinen "Heilungskasten für den kleinen blauen Planeten", einen hellblauen Erdball in einem verschließbaren Schränkchen, zu dem auch eine Performance gehört, in der Niepmann Umweltzerstörung und Ressourcenverschwendung kritisiert. Filigran die beiden beleuchteten Papierinstallationen von Michaela Friedrich, ein Paar Pumps und eine Handtasche.

Eine surreale Szenerie entwirft Robby Sintern in seinem Ölgemälde "Das Spiel". Drei Männer in Anzügen sitzen darauf an einem Tisch, auf dem zwei Mehrfamilienhäuser mit einem Baum stehen. Einer der Männer hält eine kleine Angel mit einem Goldfisch, der zweite beobachtet ihn, während er einen Luftballon aufbläst. Der dritte Mann trägt Handschuhe und Mütze und hält Messer und Gabel in den Händen. Hinter den Männern erscheint ein in rosa- und lilatönen gehaltenes Tierwesen, das sich an das Trio anzupirschen scheint.

In ihrer Vielfalt an Themen, Motiven und Techniken ist die Ausstellung wieder eine wunderbare Möglichkeit, zu entdecken, wie abwechslungsreich die Kunstszene des Landkreises und vor allem wie lebendig und sehenswert sie ist. Ganz unabhängig davon, ob es sich um etablierte Künstler handelt oder Newcomer wie Georgalas, von dem man in Zukunft hoffentlich noch viel mehr sehen und lesen darf.

20. Kunstausstellung des Landkreises Fürstenfeldbruck, zu sehen bis zum 24. Oktober im Kunsthaus Fürstenfeldbruck, geöffnet Dienstag bis Samstag von 13 bis 17 Uhr und Sonntag von 11 bis 17 Uhr

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Quelle:
SZ vom 11.10.2021
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