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Fürstenfeldbruck:Aus dem Tagebuch eines Pendlers

Leidgeprüft: Michael Pausch fährt täglich mit der Bahn von Puchheim aus zur Arbeit.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Freie-Wähler-Politiker Michael Pausch beschwert sich beim Verkehrsminister über die Dauermisere bei der S-Bahn. Er fordert von der Staatsregierung, sofort aktiv zu werden statt sich in Ankündigungen zu ergehen

Für Pendler hat sich bei der S 4 im abgelaufenen Jahr nichts verbessert: Überfüllte Züge, ständige Verspätungen, komplette Ausfälle, mangelhafte Information wie gehabt, dazu gestrichene Verbindungen infolge von Fahrzeugmangel im Herbst und Behinderungen durch den Umbau des Bahnhofs Buchenau. Michael Pausch aus Puchheim hat sich nun in einem offenen Brief an Verkehrsminister Hans Reichart (CSU) gewandt. Er rügt das "tägliche Chaos" und fordert Besserung - und zwar sofort.

Pausch fährt täglich mit der S-Bahn zur Arbeit und kennt daher die Misere aus eigener Anschauung. Er ist bei den Freien Wählern im Arbeitskreis zum Bahnausbau aktiv. In dem Brief schildert er, was Pendler Anfang Dezember zu schlucken hatten. So habe die S-Bahn in der ersten Woche im morgendlichen Berufsverkehr häufig nur aus zwei Zugteilen bestanden. Ein solcher sogenannter Vollzug führe zwangsläufig zu einer völligen Überfüllung.

Am Donnerstag, 5. Dezember, ereilten Pausch am Nachmittag auf der Heimfahrt die Folgen eines der längst regulären Ausfälle des Stellwerks am Ostbahnhof. Dass es in fünfzehn Jahren nicht gelungen sei, dieses zentrale Element in einen betriebssicheren Zustand zu bringen, sei einfach "nicht nachvollziehbar", rügt der Ingenieur. Am Stachus habe man den Wartenden gesagt, sie sollten mit der S 3 bis Pasing fahren und dort in die S 4 umsteigen. Das funktionierte schon deshalb nicht, weil die S 3 nur aus zwei Zügen bestand, so dass nicht alle mitfahren konnten. In Pasing fuhr nach Angaben von Pausch lange keine S 4 vor, sondern erst nach 50 Minuten. Der Bahnsteig war inzwischen voller Pendler, es kam aber wieder nur ein Vollzug mit zwei Garnituren. Im gleichen Zeitraum trafen fünf Züge der S 3 ein, wobei einer auf einen anderen Bahnsteig umgeleitet wurde, weshalb sich hunderte von Menschen in Bewegung setzten. Umsonst, wie Pausch berichtet, weil der Zug dann nicht weiterfuhr.

Am Montag, 9. Dezember, begann die Woche mit umfangreichen Verspätungen wegen eines Notarzteinsatzes auf der Stammstrecke. Solche Verzögerungen werden bei der S 4 stets noch gesteigert, weil Regional- und Fernverkehr Vorfahrt haben. Die S-Bahnen bleiben stehen, bis diese überholt haben. In Aubing und Leienfelsstraße habe der Zugführer wartende Fahrgäste aufgefordert, nicht in die vollen Wagen einzusteigen, sondern auf den nächsten Zug zu warten, berichtet Pausch. Durch Überfüllungen seien weitere Verzögerungen programmiert, weil zwar nicht alle reinpassen, aber viele versuchen einzusteigen und damit Lichtschranken blockieren, so dass die Türen nicht schließen.

Für ihn steht fest, dass die DB Regio AG nicht in der Lage ist, auf der S 4 einen ordnungsgemäßen Betrieb zu organisieren. Die Transportkapazitäten seien zu gering, die Maßnahmen im Störungsfall ungeeignet, die Informationen dürftig und oft falsch. Das Unternehmen erbringe nicht die Leistungen, zu denen sie sich gegenüber der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG), die das Geschäft für die Regierung betreibt, vertraglich verpflichte.

Pausch fordert den Minister auf, daraus Konsequenzen zu ziehen: Sämtliche S-Bahnen auf dem Westast der S 4 müssen im Berufsverkehr von Montag bis Freitag als Langzüge mit drei Zugteilen fahren, fordert er. Informationen haben schnell und korrekt zu erfolgen, dafür müsse man kaputte Anzeigetafeln eben kurzfristig instand setzen. Bei Störungen im Gesamtbetrieb der S-Bahn dürften einzelne Linien nicht benachteiligt werden.

Die Störungen zeigen nach Ansicht von Pausch auch, dass ein dreigleisiger Ausbau der Strecke bis Eichenau völlig unzureichend wäre. Geplant sind bislang Weichenverbindungen zwischen den drei Gleisen, was bedeutet, dass Fern- und Regionalzüge auch künftig auf die Schienen der S-Bahn ausweichen werden, die dann wegen Überholungen warten müssen. Nur vier Gleise garantieren eine getrennte Abwicklung, so dass Regional- und Fernverkehr sich nicht in die Quere kommen. Die Planung für drei Gleise verwirft Pausch als "nicht sinnvoll und nicht zukunftsfähig". Sie sollten nicht weiter verfolgt und stattdessen auf vorhandene Pläne aus der Zeit vor 2011 für vier Gleise zurückgegriffen werden.

Außerdem klagt der FW-Kommunalpolitiker Transparenz ein. Bislang sind wichtige Gutachten und Studien zum S 4-Ausbau von der Regierung oft nur in Auszügen und Zusammenfassungen veröffentlicht worden. Deshalb fordert Pausch vom Minister in Bezug auf die neue Machbarkeitsstudie zum viergleisigen Ausbau, die Fakten zu nennen. Er will wissen, wann die Studie in Auftrag gegeben wurde, wie die Fragestellung genau lautet und bis wann das Ergebnis vorliegen soll. Die Bürger hätten einen Anspruch darauf.

© SZ vom 10.01.2020

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