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Fürstenfeldbruck:Auf dem Weg zur besten Lösung

Mehr als 40 Menschen kommen auf Einladung der CSU zu einem Informationsspaziergang durch den Rothschwaiger Forst in Fürstenfeldbruck. Drei Förster erklären, was der Kiesabbau für den Wald bedeuten würde

Von Ingrid Hügenell, Fürstenfeldbruck

FÜRSTENFELDBRUCK:  Stadtspaziergang in den Rothschwaiger Forst des CSU Ortsvorstand

Mehr als 40 Menschen waren am Samstag mit Revierleiter Alexander Beer (vorne) im Wald unterwegs.

(Foto: Leonhard Simon)

Wenn für den Kiesabbau gerodet ist, wächst dann neuer Wald nach, und wie lange dauert das? Wie kann man den Wald erhalten? Diese Fragen versuchen am Samstagnachmittag drei Forstleute zu beantworten. Die Fürstenfeldbrucker CSU hat zu einem Spaziergang durch den Rothschwaiger Forst eingeladen. Die Firma KRO (Kiesgrubenrekultivierung Oberbayern) möchte dort eine weitere Fläche zum Abbau nutzen. Klimaschutz und Erholungswert sind die Hauptgründe, warum alle Fraktionen des Fürstenfeldbrucker Stadtrats, die Umweltverbände und zahlreiche Bürger Kiesabbau im Südteil des Forstes verhindern wollen. Sie bilden ein breit aufgestelltes Aktionsbündnis.

Eine große Gruppe von gut 40 Menschen bewegt sich zwei Stunden lang auf Forststraßen und schmalen Wegen an den vorhandenen Kiesgruben entlang durch den Wald - auf der Suche nach der besten Lösung. Vor allem sind es Brucker, die im Westen der Stadt leben. Für sie ist der Wald das wichtigste Naherholungsgebiet, manche gehen dort täglich spazieren, radeln oder joggen. Sie wollen ihren Wald nicht verlieren, fürchten auch um das Grundwasser und wissen, wie wichtig der Wald im Kampf gegen die Erderwärmung ist.

FÜRSTENFELDBRUCK:  Stadtspaziergang in den Rothschwaiger Forst des CSU Ortsvorstand

Mit dabei: Die Stadträte Andreas Lohde (ganz rechts), Alexa Zierl (6.v.l.), Oberbürgermeister Erich Raff (3.v.l.) Dirk Lüngen von der KRO (5.v.r.) und Tanja Azambuja (6.v.r.).

(Foto: Leonhard Simon)

Peter Graser, stellvertretender Forstbetriebsleiter, Revierleiter Alexander Beer und Gero Brehm vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, erklären und beantworten Fragen. Der Wald südlich der Kiesgrube gehört dem Freistaat. Die durch Windwurf und Borkenkäfer fast waldfreie Fläche östlich der Grube ist im Besitz mehrerer privater Eigentümer. Sie ist als Alternative für den Abbau im Gespräch. Zwischen zwei bestehenden Abbauflächen zieht sich ein schmaler Waldstreifen hin. Dessen Besitzer waren bisher nicht bereit, die Fläche zum Abbau freizugeben.

Mit dabei sind der Bergbauingenieur Dirk Lüngen von KRO und Betriebsleiter Werner Huber. KRO hat sich bisher kompromissbereit gezeigt. Der Firma geht es vor allem darum, dass sie überhaupt weiter Kies abbauen kann. Auf welcher Fläche, ist nicht so entscheidend. Einig sind sich die Anwesenden, dass der Kiesabbau im Brucker Westen sinnvoll ist, solange zum Bauen Kies verwendet wird und nicht überwiegend Recyclingmaterial, wie es KRO auch herstellt. Schnell wird klar: Das Grundwasser ist durch den Kiesabbau auch künftig nicht in Gefahr.

Der Blick in die Kiesgrube offenbart eine Besonderheit des Rothschwaiger Forstes: Die Humusschicht ist oft nur 20 oder 30 Zentimeter dick, darunter kommt eine 15 bis 17 Meter mächtige Kiesschicht. Wasser versickert deshalb sehr schnell. Die Fichten, die dort nach dem Krieg gepflanzt wurden, seien dem Tode geweiht, erklärt Revierleiter Beer. Sie leiden unter der zunehmenden Trockenheit und werden leicht Opfer des Borkenkäfers. Die Förster versuchen, sie durch Laubbäume zu ersetzen, die steigende Temperaturen und Dürre besser aushalten. In dem Teil des Staatsforstes, der eigentlich für den Kiesabbau vorgesehen ist, haben die Forstleute bisher nicht allzu viel gemacht, eben weil sie davon ausgingen, dass der Wald ohnehin gerodet wird. "Wenn hier Kies abgebaut wird, werde ich in 15 Jahren dafür sorgen, dass hier wieder Wald hinkommt, der klimastabiler ist als der jetzige", sagt Revierleiter Beer. Man könne das Loch mit mehr Humus auffüllen, klimatolerante Baumarten anpflanzen und auch eine Wildwiese anlegen. Zunächst aber hätte man für 15 bis 20 Jahre eine Loch im Wald, erklären ÖDP-Stadträtin Alexa Zierl und Forstwirtin Tanja Azambuja vom Aktionsbündnis. Der bestehende Forst sei ein Klimaschutzwald, "er kühlt unsere Stadt", betont Zierl.

Wie schwierig es ist, auf einer kahlen Fläche wieder Laubwald wachsen zu lassen, erklärt Gero Brehm vom AELF an einer Fläche, wo die KRO genau das als freiwillige Ausgleichsmaßnahme versucht. "Die Bäume kämpfen mit Gras, Mäusen, Dürre." Viel einfacher sei es, im Wald umzubauen von einem Nadel- zum Mischwald, bestätigt Graser. Dort böten die großen Bäume dem Nachwuchs Schatten und Schutz. Überdies wäre der Boden nach dem Kiesabbau massiv gestört, erläutert Brehm, er bräuchte viele Jahre um sich zu regenerieren. Azambuja wies darauf hin, dass das Klima in 15 Jahren wahrscheinlich noch schwieriger für den Wald sein wird. Das Fazit der Begehung fasst Andreas Lohde, CSU-Orts- und Fraktionsvorsitzender, zusammen: Die Informationen sprächen dafür, den bestehenden Wald und damit den Waldlehrpfad zu erhalten. Der Abbau solle auf die östliche Fläche verlagert werden.

Und am besten wäre es Lohde zufolge, wenn zunächst die Besitzer des Waldstreifens zwischen den beiden Abbauflächen dazu bewegt werden könnten, dort Kiesabbau zuzulassen. So könnte Zeit gewonnen werden, um die rechtliche Seite zu klären. Denn für den Abbau auf der südlichen Fläche hat die KRO schon eine Genehmigung, für den Tausch müssten unter anderem diverse Bauleitpläne geändert werden, was gar nicht so einfach wäre.

© SZ vom 21.09.2020

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