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Fürstenfeldbruck:Artenschwund selbst im Naturschutzgebiet

Die Mehlprimel, eine kleine Schönheit, blüht im Frühjahr.

(Foto: Sebastian Böhm/oh)

Heimische Pflanzen werden von Neophyten verdrängt. So verlieren viele Tiere ihren Lebensraum

Von Ingrid Hügenell, Fürstenfeldbruck

Wie wichtig Pflegemaßnahmen im Ampertal sind, zeigen die Beobachtungen des Insektenexperten Gerald Fuchs in dem Naturschutzgebiet. Er hat im Auftrag des Landschaftspflegeverbands Heuschrecken und Tagfalter erfasst und dabei laut Geschäftsführerin Petra Kotschi festgestellt, dass auch dort viele Arten verloren gehen, trotz der bereits laufenden Anstrengungen.

Nötig wäre deshalb im Ampertal laut den Experten zwingend eine intensivere und differenziertere Pflege, um invasive Neophyten einzudämmen. Diese nicht heimischen Pflanzen verdrängen heimische Gewächse, die Insekten brauchen, um sich ernähren und fortpflanzen zu können. Vor allem geht es laut Kotschi um Goldrute, Springkraut, Staudenknöterich und Riesenbärenklau. Sie überwuchern schnell große Flächen. Um sie einzudämmen, müssen diese Flächen schon früh im Jahr und häufig gemäht werden. Dann können sich die heimischen Pflanzen wieder ausbreiten. Die intensivere Mahd verursacht aber auch höhere Kosten.

Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung, Artenschutz und Landschaftspflege sowie die Erhebung von Daten sind die Schwerpunkte der Arbeit von Sebastian Böhm. Bei der Mitgliederversammlung des Landschaftspflegevereins berichtete auch der Gebietsbetreuer für das Ampertal. Seine Projektstelle wird von den Landschaftspflegeverbänden Fürstenfeldbruck und Dachau finanziert. An 14 Exkursionen nahmen 2019 demnach 250 Menschen teil, zu zwei Vorträgen kamen 51. Fünf Schulklassen mit 95 Kindern nahmen an Projekttagen teil. Heuer sei die Umweltbildung von der Coronapandemie stark betroffen, eigentlich sei sie kaum möglich gewesen, sagte Böhm.

Ein Projekt zum Artenschutz war Böhm zufolge die Vermehrung von Lungenenzian und Mehlprimel, zwei typischen Pflanzen auf Feuchtwiesen. Das Saatgut wurde auf einer 3300 Quadratmeter großen Fläche ausgebracht. Einem Tagfalter, dem Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling, hilft Böhm durch die Aussaat des Wiesenknopfs, einer Wiesenpflanze, und durch die Beratung von Landwirten, wie sie ihre Flächen bewirtschaften können, um dem Schmetterling das Überleben zu sichern. Außerdem gab Böhm 122 Datensätze ein, die etwa zeigen, wo Pflanzen wie das Strohgelbe Knabenkraut, eine Orchidee, oder Laubfrösche vorkommen.

© SZ vom 26.10.2020

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