Der denkmalgeschützte ehemalige Schlachthof auf der Lände in Fürstenfeldbruck soll saniert und Herzstück eines künftigen Kreativviertels werden. Dafür hatte die Stadt einen Realisierungswettbewerb ausgeschrieben. Das Preisgericht lud Ende April sechs Büros zur Teilnahme ein. Der Entwurf sollte für das Gebäudeensemble ein Nutzungskonzept im Bestand umsetzen, unter Würdigung des „Einzeldenkmals von nationalem Rang“, wie das Landesamt für Denkmalschutz den ehemaligen Schlachthof einstuft. Das Projekt soll nach zwei Jahren Planung und rund zwei Jahren Bauzeit fertiggestellt sein.
Das Vorhaben ist Teil eines städtebaulichen Rahmenplans für ein neues Quartier rund um die Stadtbibliothek Aumühle und den Bereich des Schlachthofes. Dort soll ein Gebiet entstehen, das zentrumsnahes Wohnen, Kultur- und Kreativwirtschaft, Gastronomie, Jugendkultur und Erholung vereint. Eine Machbarkeitsstudie zur „Umnutzung und Sanierung des ehemaligen Schlachthofs“ liegt ebenfalls bereits vor.
Das Preisgericht unter Leitung von Stadtbaumeister Johannes Dachsel kürte den Entwurf des Architekten Jörg Springer von der Springer Architekten GmbH aus Berlin zusammen mit Marcel Adam Landschaftsarchitekten BDLA aus Potsdam zum Sieger.
Sein Entwurf beinhaltet keine klassische Sanierung in dem Sinn, dass heutige Standards angestrebt werden. Vielmehr geht es darum, den Komplex für die aktuelle Verwendung weiterzuentwickeln. Der Schlachthof wird seit vielen Jahren vom Verein Subkultur für Aufführungen genutzt. Reparieren, nicht sanieren – so lautet Springers Devise. So können die vorhandenen Betondecken auf der oberen Seite um eine Dämmung ergänzt, die Fenster mit Zwei-Scheiben-Isolierglas energetisch verbessert werden.
„Bestehendes wird repariert, technische Ertüchtigungen beschränken sich auf ein einfach und ohne gravierende Eingriffe umsetzbares Minimum. Der Eindruck des in Würde gealterten Ensembles bleibt gewahrt“, erklärt der Architekt. Zwar sei der äußere Eindruck etwa wegen der mehrfach ausgebesserten Putzoberflächen und der überwiegend ziemlich verwitterten Fenster und Türen „eher kritisch“, aber die konstruktive Struktur weitgehend intakt. Springer verweist dabei auf „zum Teil sehr bemerkenswerte, frühe Betonkonstruktionen“.

Präzise gesetzte, neue Baumgruppen und eine jeweils individuelle Behandlung der Oberflächen sollen unterschiedliche Freiräume wie Festplatz, Kreativhof und Musikhof definieren. Auf der Südseite zum Amperkanal hin sind Grüngürtel vorgesehen.
Die geschützte historische Substanz bleibt erhalten. Lediglich der später hinzugefügte östliche Anbau am Schlachthaus, der nicht unter Denkmalschutz steht, wird zugunsten eines großzügigeren Weges an der Amper wieder abgebrochen. Im Osten, zur Amper hin, schließt ein neuer Atelier- und Wohnturm das Ensemble ab. Das ist der einzige echte Neubau, den Springers Entwurf vorsieht. Der Turm ist als architektonisches Pendant zur Alten Mühle gedacht, in dem die Stadtbibliothek untergebracht ist.
Im Westen soll ein Parkhaus den Festplatz abschließen. Allerdings ist dieser nicht Gegenstand des Entwurfs, sondern im Kontext der künftigen neuen Wohnbebauung im Norden geplant. „Bis das Parkhaus kommt, soll an dieser Stelle als Interim eine zum Festplatz hin offene Loggia den Raum fassen“, erklärt Springer.

Die Frage nach den Kosten sei zu diesem Zeitpunkt nicht seriös zu beantworten, so der Architekt. „Die Stadt Fürstenfeldbruck geht nach meiner Kenntnis von etwa 15 Millionen Euro aus, das scheint mir eine durchaus realistische Annahme zu sein.“
Der Architekt Adolf Voll hatte den Schlachthof 1911 als Schlachthof kombiniert mit einem Warmbad geschaffen. Das ehemalige Bad sowie das Kessel- und Kühlhaus auf der Nordseite bieten kleinere Räume für Start-ups. Eine kleine Gastronomie in der früheren Pferdemetzgerei am Ufer des Amperkanals soll das Angebot komplettieren.
Im Stadtlabor werden außerdem die Entwürfe des zweiten und dritten Siegers sowie von zwei weiteren Teilnehmern gezeigt. Zu sehen sind jeweils Visualisierungen, Skizzen, Erläuterungen und ein Modell.

Der zweite Preis ging an den Architekten Eckhard Gerber aus Dortmund. Auch er möchte das historische Ensemble „behutsam“ in einen „Kreativhub“ verwandeln. Die ursprüngliche räumliche Struktur wird freigelegt, und die Höfe, bislang einfach asphaltiert, sollen aktiv genutzt werden, ebenfalls als Festplatz, Kreativ- und Musikhof. Gerbers Entwurf sieht drei Neubauten vor: eine Erweiterung im Osten für ein Café, ein Atelier- und Wohnhaus im Nordosten sowie ein „Mobilitätshub“ im Westen. Im früheren Kühlhaus sollen Proberäume eingerichtet werden, die Kühlhalle Ateliers und Werkstätten aufnehmen. Zentral ist eine sogenannte Kreativgasse, die die einzelnen Gebäudeteile miteinander verbinden soll.
Voll des Lobes für den historischen Bau ist der Architekt Florian Nagler aus München, der den dritten Preis errang. Zwar habe der Brucker Architekt Voll in einer eher konservativen Bautradition gestanden, sei aber unter konstruktiven und bautechnischen Aspekten „sehr auf der Höhe der Zeit“ gewesen. Nagler hat deshalb vorgeschlagen, das Gebäude mit wenigen Eingriffen zu „entschlacken“, eigentlich nur die Fenster- und Türenöffnungen zu verändern, sodass die Fassade fast unverändert bleibt. Dazu soll eine Innendämmung aus Hanfkalk den Häusern eine neue thermische Hülle verschaffen. Dazu kommt ein Neubau aus Holzskelett und Ziegeln.
Die verschiedenen Entwürfe können sich Interessierte noch bis 31. Mai im Stadtlabor, Pucher Straße 6 a, ansehen, das täglich von 11 bis 19 Uhr geöffnet ist.

