SZ Gute WerkeVier Kinder – und keine Hilfe von den Vätern

Lesezeit: 3 Min.

Das Risiko, in Armut zu leben, ist für Alleinerziehende hoch. Nathalie R. und ihre vier Kinder sind besonders betroffen (Symbolbild).
Das Risiko, in Armut zu leben, ist für Alleinerziehende hoch. Nathalie R. und ihre vier Kinder sind besonders betroffen (Symbolbild). Marcel Kusch
  • Nathalie R. ist alleinerziehende Mutter von vier Kindern und lebt in einer zu kleinen Zweieinhalbzimmerwohnung im Landkreis Fürstenfeldbruck.
  • Die 32-Jährige kämpft mit finanziellen Problemen und benötigt dringend Winterkleidung für ihre Kinder, da beide Väter keinen Unterhalt zahlen.
  • Im Mai will sie eine Teilzeitstelle antreten, um die finanzielle Lage zu verbessern und erstmals seit fünf Jahren Urlaub zu ermöglichen.
Von der Redaktion überprüft

Dieser Text wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Nathalie R. ist alleinerziehende Mutter von vier Kindern, eins davon mit besonderem Förderbedarf. Der Alltag in der kleinen Wohnung ist sehr herausfordernd. SZ Gute Werke wollen der Familie helfen und sie mit neuer Winterkleidung ausstaffieren.

Von Ingrid Hügenell, Fürstenfeldbruck

Um zwischen den Vater ihrer beiden älteren Kinder und sich selbst eine möglichst große Entfernung zu legen, ist Nathalie R. vor sechs Jahren von Berlin in den Landkreis Fürstenfeldbruck gezogen, in die Nähe ihres eigenen Vaters. Einige Jahre später lernte sie einen neuen Mann kennen, wurde wieder schwanger, zweimal kurz hintereinander. Auch diese Beziehung scheiterte, wegen der Gewalt des Mannes, der Nathalie R. sogar in der Schwangerschaft schlug. Beide Männer kümmern sich ihr zufolge nicht um die Kinder und zahlen auch keinen Unterhalt.

Bei der Fürstenfeldbrucker Tafel der Bürgerstiftung für den Landkreis Fürstenfeldbruck ist Nathalie R. mit ihrer Geschichte kein Einzelfall. Dorthin kommen viele Alleinerziehende, auch R. „Das ist schon typisch, dass Frauen glauben, der nächste Mann ist der Ritter auf dem weißen Pferd“, sagt Geschäftsführerin Katrin Rizzi. Und dann folge die Enttäuschung, der neue Mann sei oft wieder kein guter Partner. Die Frauen bleiben häufig mit weiteren Kindern zurück. „Das ist ein gesellschaftliches Problem“, sagt Rizzi.

Nathalie R. und ihre vier Kinder, zwei im Krippenalter, zwei Schulkinder, kämpfen nun mit den Folgen. „Finanziell ist es gerade ein bisschen schwierig“, sagt die 32-Jährige, „sehr mau“. Deshalb würde sie sich sehr freuen, wenn sie aus den Spenden der SZ-Leser für die Guten Werke die zwei Buben und zwei Mädchen mit Winterkleidung und -schuhen ausstatten könnte. Auch sie selbst bräuchte dringend neue Winterschuhe, sagt sie nach einigem Zögern. Das Wichtigste sei ja, dass die Kinder gut versorgt seien. Sehr liebevoll umsorgt sie das jüngste Kind, mit dem sie eben von der Krippeneingewöhnung zurückgekommen ist.

Denn im Mai will R. eine neue Stelle antreten, in Teilzeit. Dann würde sich die finanzielle Lage wohl etwas bessern und die Familie könnte vielleicht sogar ein paar Tage in den Urlaub fahren, das erste Mal seit fünf Jahren. „Uns allen würde ein Urlaub guttun. Aber es ist ja Wahnsinn, was alles kostet.“ Neben der finanziellen Notlage bedrückt Nathalie R. und ihre Kinder die Wohnsituation: Sie leben in einer Zweieinhalbzimmerwohnung, ordentlich, sauber und weihnachtlich geschmückt. Die Wohnung ist für fünf Personen sehr klein, vor allem, weil die ältere Tochter einen besonderen Förderbedarf hat. Sie besucht deshalb eine heilpädagogische Schule.

Das Mädchen könne Lärm nicht gut aushalten, bekomme oft Wutanfälle, erklärt die Mutter. Ein eigenes Zimmer hat sie aber nicht, nur einen vom Wohnzimmer abgetrennten Raum ohne Tür, die sie hinter sich schließen könnte, mit einem Hochbett, das bald zu klein wird. Eine größere Wohnung wünscht sich Nathalie R. daher dringend. Sie habe aber die Erfahrung gemacht, dass viele Vermieter keine alleinerziehende Mutter mit vier Kindern wollten. „Das Klischee ist, wir sind asozial. Und so sind wir in der Situation gefangen.“

Neues Angebot der SZ
:Wählen Sie den Whatsapp-Kanal für Ihren Landkreis

Die Süddeutsche Zeitung bietet Whatsapp-Kanäle für alle Landkreise rund um München an, die Sie mit wichtigen Nachrichten, Terminen und ausgewählten Kulturterminen aus Ihrem Landkreis versorgen sollen. Das Angebot ist kostenlos.

Selbst könne sie praktisch nie abschalten. Die einzige freie Zeit für sich hat Nathalie R. nach ihren eigenen Worten morgens in der Badewanne. Dafür stehe sie um 4.30 Uhr auf. Anschließend räumt sie auf und putzt. „Ich will ja alles ordentlich und sauber haben.“

Die Tafeln der Bürgerstiftung für den Landkreis Fürstenfeldbruck geben Lebensmittel für etwa 2500 Menschen aus, überall außer in der Großen Kreisstadt Germering, wo die Tafel vom Sozialdienst organisiert wird. „Vor Weihnachten kommen mehr Leute“, sagt Rizzi. Die meisten Tafelkunden würden versuchen, sich möglichst selbst zu versorgen. Wenn sie aber beim Essen ein wenig sparen könnten, sei ein kleines Geschenk fürs Enkelkind drin.

„Das ist auch eine Form von Teilhabe und hat mit Menschenwürde zu tun“, sagt Rizzi. „Die Kinder sollen die Armut nicht so zu spüren bekommen.“ Die Guten Werke möchten die Tafeln gerne unterstützen und mithelfen, die Fahrzeuge zu finanzieren, mit den die gespendeten Lebensmittel abgeholt werden. Da zwei Großspender ausgefallen sind, wird Unterstützung dringend benötigt.

So können Sie spenden

Per Paypal oder per Lastschriftverfahren unter sz-gutewerke.de/spenden. Mit einer Überweisung an SZ Gute Werke e.V., HypoVereinsbank, IBAN DE 04 7002 0270 0000 0822 28, BIC HYVEDEMMXXX. Spenden können Sie auch im SZ-Servicepunkt im Kaufhaus Ludwig Beck, Marienplatz 11, Eingang Dienerstraße, 1. Obergeschoss. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr. Spenden an SZ Gute Werke sind steuerlich absetzbar. Jede Spende wird in vollem Umfang dem guten Zweck zugeführt. Alle Verwaltungskosten trägt der Süddeutsche Verlag. Sachspenden können aus organisatorischen Gründen nicht entgegengenommen werden.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Nachkriegsschicksal
:Verschleppt in Stalins Reich

Der Germeringer Karl Breuninger verbrachte seine Kindheit in der UdSSR. Sein Vater sollte ein Flugabwehrsystem gegen die Spionageflüge der USA entwickeln. Nach dem Krieg wurde der Physiker mit seiner Familie in die Sowjetunion deportiert.

SZ PlusVon Peter Bierl

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: