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Fürstenfeldbruck:Abiturwissen vom Fachmann

Studentenseminar

Mindestlohn und Migration sind die Themen von Felix Schröter beim Vortrag in Fürstenfeldbruck.

(Foto: Günther Reger)

Sparkasse lädt Zwölftklässler zu Vorträgen über Geldpolitik und Arbeitsmarkt ein

Nur noch wenige Wochen bis zum Beginn der "heißen Phase": Hunderte von Abiturienten stehen kurz vor ihren Prüfungen. Ein Fach, das für das Abitur immer gern gewählt wird, ist Wirtschaft. Um die Schüler bei den Vorbereitungen zu unterstützen, bietet die Sparkasse Fürstenfeldbruck zum 32. Mal das "Abiturienten-Seminar Wirtschaft" an. Das Angebot richtet sich an die Wirtschaftskurse der zwölften Klassen aller sieben Gymnasien im Landkreis. Referenten aus unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen referieren über aktuelle Themen. In diesem Jahr berichtet Sven Lilienthal von der Deutschen Bundesbank über die Geldpolitik in Krisenzeiten, wobei er einen Vergleich zwischen dem Eurosystem und dem Federal Reserve System in den USA zieht.

Felix Schröter, Junior Economist beim Münchner Ifo-Institut, rundet die Veranstaltung mit seinem Vortrag über Quantität und Qualität der Beschäftigung in Deutschland, Mindestlohn und Migration ab. Dabei macht er auch eine Prognose über die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt. Nach den Schätzungen des Ifo-Instituts bekamen im vergangenen Jahr 141 000 Flüchtlinge einen positiven Asylbescheid. Davon könnten vermutlich 109 000 in den Arbeitsmarkt integriert werden.

"Top-Wirtschaftsinformation von Top-Referenten aus erster Hand", das sei der Gedanke hinter der Veranstaltung, meint Dirk Hoogen, Leiter Unternehmenskommunikation der Sparkasse Fürstenfeldbruck. Die Themen würden bereits im Oktober mit den Wirtschaftslehrern abgesprochen. So solle sichergestellt werden, dass die Vorträge aktuell und abiturrelevant sind. Auch die Wirtschaftslehrer vom Graf-Rasso-Gymnasium sind von dem Konzept überzeugt. Sie nehmen zum wiederholten Mal an der Veranstaltung teil und finden es gut, "wenn die Schüler aus dem Schulbuch rausgucken und die Realität kennen lernen". Außerdem seien die Vorträge so konzipiert, dass die meisten Schüler sie auch verstünden.

Die Abiturienten überzeugt die Veranstaltung ebenfalls. Während der Vorträge zeigen sie sich sehr interessiert und stellen Zwischenfragen. Besonders viel Anteilnahme kommt auf, als Schröter auf die positive Entwicklung der Erwerbsquote zu sprechen kommt und dabei auch die zunehmende Beteiligung der Frauen am Arbeitsleben anspricht. Waren 1995 etwa 55 Prozent der Frauen erwerbstätig, stieg die Quote auf 70 Prozent im Jahr 2014. Besonders positiv ist die Resonanz auf den Vortrag Lilienthals. Das Thema Geldpolitik habe ihn sehr interessiert, meint ein Schüler vom Max-Born-Gymnasium. Vor allem, weil die Informationen darüber bisher nur über Externe vermittelt worden seien. "Der erste Vortrag war voll bombe", äußert sich auch eine Schülerin des Gymnasiums Olching. Das Referat von Schröter sei ihr allerdings etwas zu trocken gewesen, obwohl sie das Thema sehr interessant fand. "Und vielleicht kann man es auch in den Unterricht einbringen." Sie wisse jedoch nicht, ob es ihr auch etwas für das Abitur bringe.

Thomas Schranner, Wirtschaftslehrer am Gymnasium Olching, ist anderer Meinung. Er findet auch das zweite Thema sehr relevant für die Prüfungen. Besonders die Informationen über die Arbeitslage in Deutschland und die Minijobs. Die geldpolitischen Maßnahmen, die Lilienthal anspricht, seien ohnehin Teil des Lehrplans der zwölften Klasse. Schranner findet die Veranstaltung sehr nützlich. Es tue den Schülern gut, die Informationen von jemand anderem als von den Lehrern zu erhalten und bereits Gelerntes in den Vorträgen wiederzuerkennen. Das gebe ihnen Sicherheit und Selbstvertrauen. "Und vielleicht glauben sie uns Lehrern ja dann auch mal," fügt er hinzu und lacht.