Im Andenken an den Tag der Befreiung von der Naziherrschaft und an 80 Jahre Frieden seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges sind am Mittwoch in Emmering an der Denkstätte und am Donnerstag in Fürstenfeldbruck, nahe dem Gefangenenfriedhof am Henrik Moor Weg, je ein Ginkgo-Baum gepflanzt worden. Sie bilden die Endpunkte eines etwa drei Kilometer langen Friedensweges, der dem Wunsch der Initiatoren entsprechend nach und nach entwickelt und mit Stationen unter dem Motto „Zeichen des Friedens“ belebt werden soll. Initiiert und umgesetzt haben den Friedensweg der Obst- und Gartenbauverein Emmering (OGV) mit ihrem Vorsitzenden Rufin Mellentin und die Blumen- und Gartenfreunde Fürstenfeldbruck (BGF) unter Leitung von Uli Würstle mit Unterstützung des Kreisverbandes für Gartenkultur und Landespflege im Landratsamt (Sebastian Storch).
Circa 50 Menschen hatten sich jeweils zu den „Einweihungsfeiern“ versammelt, die in Emmering vom Musikverein und in Bruck von der Stadtkapelle musikalisch gestaltet wurden. Die Bürgermeister beider Kommunen und Ortspolitiker sowie Geistliche hatten sich eingefunden. Nach dem kirchlichen Segen wurden in Emmering die Bayernhymne und in der Kreisstadt die Nationalhymne angestimmt. In Bruck bezeichnete Stadtpfarrer Otto Gäng den Gedenktag als „Tag der Dankbarkeit für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg“.
Stadtpfarrer Otto Gäng sieht darin ein Zeichen gegen das Vergessen
Leider vergesse der Mensch sehr schnell, darum segne er den Ginkgo-Baum gegen das Vergessen. Ökumenische Worte des Friedens sprach Pfarrer Traugott Hopp von der Freien evangelischen Kirchengemeinde. 80 Jahre Frieden, wie die Geschichte der Bundesrepublik zeige, sei dies eine nie dagewesene Errungenschaft nach der Befreiung und dem Kriegsende. Die Folgen und Nachwirkungen im Sinne von Tod und Zerstörung seien bis in unsere Zeit erkennbar. Daher gelte es, gerade jetzt, wo sich manche Menschen gar keine Vorstellung mehr machten, was Krieg für Leid über die Menschen bringt, alles zu tun, dass es „nie wieder“ zu Konflikten mit verheerenden Folgen kommt. Der Zweite Weltkrieg habe sozusagen den „Wurzelboden“ hinterlassen, auf dem der Frieden in Freiheit gewachsen sei. „Das darf nie in Vergessenheit geraten, daher ist Erinnerung wichtig“, sagte Hopp. Es lohne sich, für die Erhaltung des Friedens einzutreten und ständig an einer Neuausrichtung gegen das Vergessen zu arbeiten. Städtepartnerschaften komme im Sinne eines friedlichen Nebeneinanders verschiedener Länder ebenfalls große Bedeutung zu, befand der Priester.
OGV-Chef Mellentin bedauerte, dass „Kriege und Not auch heutzutage noch allgegenwärtig“ seien und sich die deutsche Erinnerungskultur, anders als etwa in London oder Moskau, mit der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg „immer noch schwertut“. Dies sei der Tatsache geschuldet, dass das Deutsche Reich, das den Krieg entfesselt habe, diesen gegen eine Welt von Feinden katastrophal verloren habe. Das Leben danach habe Erlebnisse wie Flucht, Vertreibung, Gewalt der Siegermächte, jahrelange Ungewissheit über den Verbleib Angehöriger, Verschleppungen, Gefangene, Zwangsarbeit, Hunger und Not, Scham und Verlust staatlicher Identität nicht einfach verdrängen können. Zudem habe es gedauert, bis die deutsche Teilung erträglich geworden sei.
Die Eröffnung des Friedensweges solle dies alles bewusst machen und zur Dankbarkeit für 80 Jahre Frieden auffordern. Gleichzeitig sollten sich die Menschen gemäß dem Motto der Nato „Wachsamkeit ist der Preis des Friedens“ klar machen, dass der Frieden nur in Freiheit gedeihen kann und dass es „beides nicht zum Nulltarif“ gibt. BGF-Chef Uli Würstle, der die beiden etwa 20 Jahre alten und sechs Meter hohen Bäume gestiftet hat, erklärte, dass die Wahl auf den Ginkgo gefallen sei, weil dieser auch als Friedensbaum gelte, nachdem ein eigentlich zerstörter Baum einige Jahre nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima überraschend wieder neu ausgetrieben habe. „Er ist ein zacher Hund, wie man in Bayern sagt“, so der Gärtnermeister. Würstle erinnerte daran, dass noch vor nicht langer Zeit Schillinge, Lire, Francs oder Peseten notwendig waren, wenn man ins europäische Ausland fahren wollte und stets die Angst vor Grenzkontrollen mitgeschwungen habe. „Auch das ist eine Errungenschaft von 80 Jahren Frieden in Mitteleuropa. Für die Jungen ist dies inzwischen selbstverständlich“. Doch es könne auch wieder anders werden, „wenn wir nicht wachsam bleiben“.

