Freizeitpark Mammendorf:Wilde Partys: Sperrstunde soll für Ruhe sorgen

Lesezeit: 3 min

Freizeitpark Mammendorf: Rutschpartie mit anschließender Erfrischung im Mammendorfer Freibad.

Rutschpartie mit anschließender Erfrischung im Mammendorfer Freibad.

(Foto: Leonhard Simon)

Öffentliche Badeanstalten bereiten vielen Kommunen Probleme - so wie in Mammendorf: Jugendliche Randalierer schlagen über die Stränge, es fehlt an Personal, und nun sind auch noch Sanierungen in zweistelliger Millionenhöhe nötig.

Von Heike A. Batzer

Der See am Mammendorfer Freibad ist wie alle Seen für viele Jugendliche ein nächtlicher Platz zum Feiern. Doch bei den Partys wird immer wieder über die Stränge geschlagen. Im Februar und März musste die Polizei dreimal anrücken, phasenweise ist mehrmals im Monat ein Einsatz notwendig. "Auffallend viele Gruppen Jugendlicher feiern und randalieren mittlerweile ganzjährig auf dem Gelände", lässt der Landkreis wissen, der den Freizeitpark betreibt. Weil die jungen Feierbiester auch noch viel Müll und gefährlichen Unrat hinterlassen, hat der Landkreis jetzt reagiert - mit der Verschärfung der Benutzersatzung, der Einführung einer Sperrstunde täglich zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens und einem Verbot von Glasflaschen.

Freizeitpark Mammendorf: Die Idylle am See trügt: Immer wieder wird dort gefeiert und allzu viel Unrat zurückgelassen.

Die Idylle am See trügt: Immer wieder wird dort gefeiert und allzu viel Unrat zurückgelassen.

(Foto: Leonhard Simon)

Nur durch Einschränkungen der Benutzungszeit habe man "eine Handhabe durch Polizei und Sicherheitsdienst", betonte Grünen-Kreisrat Christian Stangl im zuständigen Ausschuss für Kultur, Freizeit und Sport. Die Situation am Pucher Meer in Fürstenfeldbruck, wo Stangl Zweiter Bürgermeister ist, sei ähnlich. Nach Angaben der Kreisverwaltung wurden auf dem Freizeitgelände in Mammendorf allein zwischen November 2021 und März 2022 zwölf Supermarkt-Einkaufswägen eingesammelt, die zum Transport von Bierkästen und Flaschen mit alkoholischen Getränken genutzt und dann am See stehen gelassen wurden. Auch zerborstene Glasflaschen bleiben regelmäßig im Gras liegen, die Scherben gefährden Badegäste und Einsatzkräfte. Eine 2000 Euro teure Tischtennisplatte aus Polymerbeton wurde mutwillig und mit viel Kraftaufwand zerstört. Sophie Schumacher, 26 Jahre alte Kreisrätin der Grünen, sah indes wenig Sinn in der Sperrstunde: "Die Jugendlichen tauchen dann an anderen Orten wieder auf. Die Probleme werden nur verlagert."

Freizeitpark Mammendorf: Die 173 Meter lange Rutsche muss demnächst saniert werden.

Die 173 Meter lange Rutsche muss demnächst saniert werden.

(Foto: Leonhard Simon)

Das Areal des Freizeitparks Mammendorf umfasst einen Badesee, einen Jugendzeltplatz sowie ein Freibad mit einer 173 Meter langen Wasserrutsche, einer Breitwellenrutsche, die in eines der Schwimmbecken führt, Luftsprudelanlage, Strömungskanal, Wasserpilz, Beachvolleyballplatz, Tischtennisplatten, Restaurant und seit voriger Woche auch einen Fitness-Parcours'. Doch viele Einrichtungen bedürfen der Erneuerung. So ist die große Wasserrutsche, die sich wie ein gelbes Reptil zum See hinabschlängelt, in die Jahre gekommen. Das Spielgerät, auf dem der Landkreis jedes Jahr ein Wettrutschen auslobt, hat seine geschätzte Lebensdauer überschritten. Die Kosten für eine Erneuerung samt hinaufführender Holztreppe liegen bei 1,75 Millionen Euro. Statt der bislang erdverlegten Rutsche eine schwebende Konstruktion zu wählen, würde noch teurer werden. Nicht nur die Rutsche ist ein Beispiel dafür, dass öffentliche Schwimmbäder ihren Besitzern zur Last fallen können. So sehr, dass manche Kommunen ihre Badeanstalten ganz schließen. In Mammendorf sind in den nächsten Jahren Sanierungsmaßnahmen in Höhe von mehr als 13 Millionen Euro nötig. Stand jetzt.

Vor einigen Jahren wurde wegen der Kosten auch über eine Schließung nachgedacht

Das Freibad, das der Landkreis seit 1985 betreibt und das eine Freizeiteinrichtung gerade für die Kommunen im Westen werden sollte, ist ihm schon mehrmals lästig geworden. So sehr, dass er es dicht machen wollte. Die CSU-Kreistagsfraktion hatte den unpopulären Vorschlag 2010 vorgebracht oder wollte zumindest den Badebetrieb an einen anderen Träger abgeben. Bürger und vor allem Ortspolitiker aus Mammendorf hatten sich daraufhin zusammengetan, um das Schwimmbad zu retten. Sie akquirierten Spenden und gründeten einen Förderverein. Dieser hilft seither mit, notwendige Anschaffungen zu finanzieren. Außerdem übernimmt die Gemeinde Mammendorf jährlich 50 000 Euro der Betriebskosten sowie den Winterdienst auf der Anlage, alle Mitgliedsgemeinden der VG Mammendorf steuern weitere 15 000 Euro bei. Dennoch läuft der Betrieb nicht kostendeckend, bleibt jedes Jahr ein stattliches Defizit für den Landkreis übrig. Infrage stand das Areal zuletzt aber nicht mehr, wohl auch weil sich die finanzielle Lage des Landkreises entspannt hatte. Die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) forderte schon 2019 einen Masterplan, damit die Schwimmbäder in Deutschland vor dem Verfall gerettet werden können.

Eine Sanierung , die nach Angaben von CSU-Kreisrat Hubert Ficker "nach den Kapazitäten der finanziellen Möglichkeiten" fortgeführt werden solle, würde neben einem mittelfristig geplanten Ersatz der großen Wasserrutsche auch eine Erneuerung von Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken umfassen, die dann nicht mehr gefliest, sondern mit Edelstahl ausgekleidet werden sollen. Auch Wassertechnik und Freianlagen brauchen Erneuerung. Kosten: etwa 8,5 Millionen Euro. Der Umbau von Eingangs- und Kassenbereich sowie den Büroräumen wird auf knapp eine Million Euro geschätzt ebenso die Sanierung der WC-Anlagen am Jugendzeltplatz sowie im Kioskgebäude am Freibad. Am dringlichsten freilich ist der 900 000 Euro teure Umbau der Elektroverteilung am Freibad: Viel mehr Elektrogeräte, als die Anlage verträgt, sind dort angeschlossen und das Bad wird deutlich mehr frequentiert als man beim Bau angenommen hatte. Damals war man von maximal 1500 Badegästen am Tag ausgegangen, mittlerweile sind es an Spitzentagen 4000.

Künftig öffnet das Bad eine Stunde später als bisher

In zwei Sommern sind jeweils mehr als 100 000 Besucher ins Mammendorfer Freibad gekommen, 2003 war das und 2015. Die vergangenen beiden Corona-Jahre muss man zusammenzählen, um erneut auf eine sechsstellige Besucherzahl zu kommen. Dass es bisweilen hier und dort organisatorisch hapert, hat auch damit zu tun, dass Personal nur noch schwer zu kriegen ist. Zwei Vollzeitangestellte für Bäderbetriebe wollte der Landkreis jetzt einstellen, bekommen hat er lediglich zwei Teilzeitkräfte. 30 Wochenstunden fehlen damit in der Personalkalkulation für das Freibad, auch die Rettungsschwimmer zählen dazu, auch da besteht weiterer Bedarf. Die Auswirkungen spüren auch die Badegäste. Die Öffnungszeiten werden gekürzt, von Juni an wird das Bad erst um zehn Uhr und damit eine Stunde später aufmachen.

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