Freie Wähler:Auf Schuldsuche beim Ministerpräsidenten

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Wie die Freien Wähler im Landkreis versuchen, die Impfskepsis ihres Chefs Hubert Aiwanger zu erklären

Von Peter Bierl, Fürstenfeldbruck

Während die Freien Wähler im Nachbarlandkreis Starnberg ihren Parteivorsitzenden Hubert Aiwanger wegen dessen Impfskepsis scharf kritisiert haben, äußern sich wichtige Vertreter in Fürstenfeldbruck deutlich zurückhaltender. Schuld sei eigentlich Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der seinen Vize vorgeführt habe, lautet der Tenor. Wobei der Landtagsabgeordnete Hans Friedl von einer "sehr unglücklichen Wortwahl" Aiwangers spricht, die nicht hilfreich sei.

Freie Wähler: Hans Friedl blieb nach den Äußerung Aiwangers teils "die Spucke weg".

Hans Friedl blieb nach den Äußerung Aiwangers teils "die Spucke weg".

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Der FW-Chef wollte sich nicht nur nicht impfen lassen, sondern sprach von Jagd auf Ungeimpfte und Apartheidsdiskussion, worauf die AfD prompt ein Urheberrecht reklamierte. Aiwanger sprach außerdem von Nebenwirkungen bei denen ihm "die Spucke wegbleibt". Friedl ist sicher, dass Aiwanger solche Äußerungen "von sich aus" nie getan hätte und es sei eines Ministerpräsidenten "unwürdig", seinen Stellvertreter so vorzuführen. Das sei auch kein Versuch Aiwangers, im Bundestagswahlkampf in trüben Gewässern zu fischen. "Aiwanger ist sicher kein Querdenker, er ist sich der unglücklichen Wortwahl auch bewusst und hält sich jetzt zurück", versicherte der Landtagsabgeordnete aus Alling.

"Das ist keine Wahlkampftaktik, der ist da reingetappt", sagt auch Gottfried Obermair, der stellvertretende Kreisvorsitzende und stellvertretende Vorsitzende der Kreistagsfraktion. Allerdings räumt auch Obermair ein, dass er die Aussagen bedenklich findet: "Ich bin nicht glücklich darüber, weil wir Corona nur mit impfen in den Griff kriegen, ich will nicht, dass wir einen weiteren Lockdown haben oder wieder Schulen geschlossen werden."

Gottfried Obermair

"Unglücklich" ist der FW-Funktionär Gottfried Obermair über die Wortwahl von Impfgegner Aiwanger.

(Foto: Günther Reger)

Die Haltung Aiwangers würde in den Medien "überspitzt dargestellt", meint Sandra Meissner, die FW-Fraktionsvorsitzende im Kreistag. Sie betont jedoch, dass sie dessen Meinung nicht teile.

Friedl und Obermair berichteten, dass sie sich selber bereits geimpft seien. "Ich mache überall Werbung dafür", versichert Obermair. Meissner bezeichnete das Impfen als Bürgerpflicht und Akt der Solidarität. Gleichwohl müsse es die persönliche Entscheidung jedes einzelnen bleiben, alles andere wäre eine Einschränkung von Grundrechten. Ähnlich sieht es die Bundestagskandidatin der Freien Wähler für den Wahlkreis Dachau-Fürstenfeldbruck.

Susanne Droth hat sich impfen lassen, hält aber das Testen weiterhin für wichtiger, weil sich auch Geimpfte infizieren und das Virus weiterverbreiten können, deshalb sei es falsch, das die Tests bald nicht mehr umsonst sind. Zwar räumt Droth ein, es sei "dumm" gewesen, wie sich der FW-Chef geäußert habe, aber er sei eben auch nur ein Mensch und "in die Ecke gedrängt" worden. Sie ärgert sich, dass man Aiwanger "alles mögliche in den Mund legt" und nur noch darüber gesprochen werde statt über inhaltliche Fragen.

Während die Fürstenfeldbrucker Führung der Freien Wähler beschwichtigt, äußerte die Starnberger Kreistagsfraktion scharfe Kritik. Der Versuch mit "zum Teil abenteuerlicher Argumentation, entgegen aller Erkenntnisse der Wissenschaft, politisches Kapital schlagen zu wollen" wird als "nur noch peinlich" gerügt. In dem offenen Brief heißt es: "Einerseits vehement Öffnungen zu fordern, andererseits aber die dafür notwendige Durchimpfung der Bevölkerung zu diskreditieren, ist eines bayerischen Wirtschaftsministers und stellvertretenden Ministerpräsidenten unwürdig."

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