Freibad Maisach:Liebenswert anders

Entweder wollen die Besucher des Freibades sportlich schwimmen oder als Familien planschen. Große Attraktionen und viel Technik würden da nur stören

Kommentar von Ariane Lindenbach

Das Freibad in Maisach, beliebte Anlaufstelle vieler Familien, nicht nur aus der Gemeinde, ist in seiner Existenz bedroht. Wegen einer Beschwerde aus der Nachbarschaft, die ursprünglich nur etwas mehr Ruhe für Sonn- und Feiertage bewirken sollte, gibt es jetzt am Montag eine Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht in München. Nach derzeitiger Faktenlage stehen die Chancen für die Gemeinde allerdings sehr gut. Denn die schalltechnische Untersuchung eines Ingenieurbüros hat ergeben, dass die Grenzwerte für reine Wohngebiete in zwei Jahren lediglich an insgesamt drei Tagen marginal überschritten wurden.

Und die BImschV oder auch Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes lässt bei Altanlagen wie dem Maisacher Freibad Milde walten: Eine Überschreitung unter fünf Dezibel muss toleriert werden; in Maisach geht es nur um ein db. Jedoch gelten die Regeln nur so lange, so lange die im Jahre 1929 als besserer Mühlenweiher gestartete Anlage nicht baulich gravierend verändert wird. Diese Spielregeln passen nicht zum Beschluss des Gemeinderats vom Vorjahr, das beschauliche Bad mit seinem schattenspendenden Baumbestand in eine Art Spaßbad zu verwandeln. Um diese Vision von einem halbierten Schwimmerbereich mit Wildwasserkanal und Massagedüsen zu realisieren, müsste es von seinem jetzigen Standort direkt bei den Schulen und zehn Minuten fußläufig von der S-Bahn entfernt auf das Gelände des ehemaligen Militärflughafens bei Gernlinden umziehen. Dorthin könnte auch der gesamte SC Maisach ausgelagert werden. In Maisach ergäbe das viel Platz für weiteren Wohnraum.

Oder aber die Gemeinderäte in Maisach verabschieden sich von ihren Visionen und erhalten das Freibad samt der notwendigen Sanierungen, aber ohne viel weiteren Schnickschnack, an seinem jetzigen Standort. Denn wer mit den Besuchern spricht, erfährt, dass die meisten gerade deswegen dorthin kommen, weil sie eben nicht all die Wasserspiele und sonstigen Bespaßungen brauchen. Für sie ist das Freibad in Maisach genau deswegen so liebens- und erhaltenswert.

© SZ vom 24.09.2021
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