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Fotoprojekt:Würfel auf Weltreise

Zwischen Nordpol, Maghreb und Times Square macht das Projekt "Come together now" am Freitag Halt in Fürstenfeldbruck. Die Besucher sind eingeladen, sich vom weltweit gefragten Fotografen Mike Meyer porträtieren zu lassen

Der Fotograf Mike Meyer hat einen Traum: Menschen überall auf der Welt in seinen weißen Würfel zu locken und dort Bilder von ihnen zu machen, in denen ihre ganze Persönlichkeit festgehalten wird, vertraulich, intim, einmalig. Dafür war er in diesem Jahr schon in der Wüste, am Nordpol und in den Bergen Georgiens. In knapp zwei Wochen baut er seinen Würfel auf dem Times Square in New York auf. Doch bevor es über den Atlantik geht, macht Meyer mit seinem einmaligen Projekt für einen Abend Station in Fürstenfeldbruck - zur Eröffnung seiner Ausstellung "Come together now" im Haus 10.

Meyer ist weltweit gefragter Mode- und Werbefotograf, hat in diesem Jahr schon in 25 Ländern gearbeitet und Stars wie Justin Timberlake, Heino Ferch und Manuel Neuer fotografiert. Nun also bekommen die Fürstenfeldbrucker die einmalige Chance am Freitag von 19.30 Uhr an vor Meyer Linse zu treten und damit Teil seines Projektes zu werden. Und Meyer hofft, dass möglichst viele Brucker vorbei kommen und mitmachen. "Es wäre doch schön, wenn ich einen Querschnitt der Brucker Bevölkerung fotografieren könnte".

Egal ob Mensch oder Tier: Mit seinem Cube schafft Meyer einen Raum, in dem der Besucher dem Alltag entrissen wird und für einen Augenblick zur Ruhe kommen kann.

(Foto: Mike Meyer)

Der weiße Würfel ist ein an einer Seite offenes Quadrat mit einer Seitenlänge von drei Metern. Meyer stellt ihn immer an belebten Orten auf und wartet auf Menschen, die sich ins Innere trauen. "Mein Ziel ist es, das echte Porträt der Menschen zu suchen. Im Alltag werden wir doch alle genug rumgebeutelt und müssen funktionieren. In dem weißen Würfel, der wie eine Schutzfläche wirken kann, können die Leute dann kurz ruhig werden. Ich versuche dann in sie hineinzuhören, hinzuhören, das Leuchten in ihren Augen zu finden, das sie ausmacht", sagt Meyer. Mal dauere so ein Besuch nur wenige Sekunden, manchmal entwickelten sich Gespräche und plötzlich seien 20 Minuten vorbei. "Wenn man diese Brücke zulässt, verbindet einen sehr viel. Ich spüre oft, dass Menschen, die sonst vielleicht denken, dass sie nichts besonderes sind, eben doch etwas besonderes spüren."

Jeder der sich an dem Projekt beteiligt, erhält auch das von ihm gemachte Schwarzweiß- Porträt. "Für mich ist das ein Geben und Nehmen", sagt Meyer. Einige der Bilder könnten in künftigen Ausstellungen zu sehen sein, außerdem plant Meyer, aus dem Projekt irgendwann ein Buch zu machen. Angefangen mit "Come together now" hat er im Januar, gerne würde er zehn Jahre lang mit seinem Würfel auf Reisen sein. "Ich kann natürlich nicht sagen, mit welcher Intensität ich das verfolgen kann, in diesem Jahr waren es schon zehn Stationen, das ist schon eine Menge."

Dass der Würfel überhaupt in Fürstenfeldbruck Station macht, ist Dieter Pimiskern zu verdanken, dem Vorsitzenden der IG Kultur. Vor zehn Jahren hat er die Band Quadro Nuevo bei einer Balkantour als Tonmeister begleitet. Als Fotograf dabei war Meyer, der einen Bildband gemacht hat. "Seit diesem Reiseabenteuer, das wir gemeinsam im Tourbus überlebt haben, sind wir Weggefährten", erzählt Meyer. Kontakt gebe es oft, nur persönliche Treffen klappten eher selten. Zu voll ist Meyers Kalender mittlerweile.

"Ich habe vor 16 Jahren angefangen, die Fotografie Vollzeit zu betreiben. Ich habe damals von Null angefangen, und es toll, wenn man sich da hochkämpfen und behaupten kann. Mittlerweile kann ich dem künstlerischen Schaffen immer mehr Raum geben." Viel gelernt habe er vor einigen Jahren als Meisterschüler von Peter Lindbergh. "Er hat immer wieder betont, wie wichtig es ist, in den Porträts den Menschen selber zu finden, ein Bild zu schaffen, dass ihn an sich selbst erinnert."

"Come together now", Ausstellung mit Fotografien von Mike Meyer im Haus 10 Fürstenfeldbruck. Vernissage mit Fototermin im White Cube am Freitag, 8. November, von 19.30 Uhr an. Danach ist die Ausstellung bis zum Sonntag, 24. November zu sehen. Geöffnet jeweils samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr.