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Fotografie:Spieglein, Spieglein

Am Wettbewerb Brucker Buidl beteiligen sich seit zehn Jahren ambitionierte Fotografen. 194 Einsendungen gibt es zum Thema "Wasser". Die drei Erstplatzierten rücken die Kreisstadt mittels Reflexionen ins beste Abendlicht

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Die Jubiläumsauflage fand dieses Jahr unter erschwerten Bedingungen statt: Seit 2011 richtet sich der Blick am Rande der Internationalen Fürstenfelder Naturfototage in Form des Wettbewerbs "Brucker Buidl" auf den Landkreis. Die zehnte Auflage stand unter dem Eindruck der Corona-Krise - auch das für Ende April geplante große Event im Veranstaltungsforum nebst Fachmesse, bei dem traditionell die Sieger des lokalen Fotowettbewerbs ausgezeichnet werden, musste auf den 22. bis 25. April 2021 vertagt werden (Thema: Lebensräume der Natur).

Gleichwohl wurden bereits die Sieger des diesjährigen Brucker-Buidl-Wettbewerbs gekürt - die Juroren Eckart Lutzeier (Sponsor, Firmengruppe Lutzeier), Fürstenfeld-Chef Norbert Leinweber und Mara Fuhrmann (Fürstenfelder Naturfototage) schalteten sich, wie das in Zeiten wie diesen üblich ist, online zusammen. Die zehn besten Aufnahmen sind unter www.glanzlichter.com/Brucker-Buidl.cfm veröffentlicht und werden als Wanderausstellung an verschiedenen Orten im Landkreis, wie Rathaus und Landratsamt, ausgestellt.

"Amperverlauf Richtung Amperbrücke".

(Foto: Steffen Domnick)

Siegte bei der ersten Auflage 2011 Theodor Neidek mit dem Bild "Torjubel an der Bande", das einen Jugendspieler des SC Fürstenfeldbruck zeigt, so sicherte sich in der jüngsten Auflage Steffen Domnick mit dem stimmungsvoll ins Bild gerückten "Amperverlauf Richtung Amperbrücke" den Platz ganz oben auf dem Siegertreppchen sowie 500 Euro Preisgeld. 194 Bilder zum Thema "Wasser" waren eingereicht worden. Silber und Bronze holten sich Klaus Hiltwein aus Egenhofen und Christiane Gistl aus Maisach.

Der 40 Jahre alte Steffen Domnick ist so etwas wie der Meister dieses Fotowettbewerbs. Vor zwei Jahren siegte er bereits, im vergangene Jahr musste er sich mit einem zweiten Platz zufrieden geben. Der Grund für seine Erfolge erschließt sich schnell beim Blick auf seine akribisch in Szene gesetzten Motive und die gekonnte Wahl von Perspektive, der Kombination aus künstlichem und natürlichem Licht sowie von Belichtungszeit und Blende. Und natürlich perfekter Bildbearbeitung. Der Brucker Vertragsmanager hat sich vor etwa acht Jahren vom "Knipser" zum ambitionierten Fotografen entwickelt und sich schrittweise die erforderliche Technik angeeignet. Der Reiz dieses Hobbys? "Bilder sind allgegenwärtig, sie bringen schöne Stimmungen und Emotionen rüber", sagt er. Einen kurzen Moment, der manchmal nur eine Hundertstelsekunde währt, könne man so festhalten. Und noch Jahre später anschauen und die Geschichte dazu erzählen. Am liebsten nimmt Domnick Menschen, Natur und schöne Dinge in den Fokus, meist mit dem lichtstarken 24-70-Millimeter-Objektiv oder der bisweilen unterschätzen 50er-"Normal"-Festbrennweite, die mit einer großen Blende von 1.4 viel Spielraum bei der Available-Light-Fotografie gibt und bei Bedarf minimale Schärfentiefe ermöglicht. Sein Siegerfoto entstand, nachdem Domnick im vergangenen Jahr gemeinsam mit einem Freund die Amper entlang geschwommen war - auf der Suche nach geeigneten Motiven. Fündig wurde er am Kneippbecken nahe dem Silbersteg. Dorthin kehrte Domnick später mit seiner kleinen Tochter zurück. "Gott sei Dank war sie an diesem Tag sehr geduldig, und so hatte ich Zeit, die Kamera einzurichten und dieses Foto zu schießen".

"Spiegelung", das Maschinenhaus des ehemaligen Kraftwerks Aumühle.

(Foto: Klaus Hiltwein)

Spiegelungen geben auch der Aufnahme des Zweitplatzierten den letzten Schliff. Klaus Hiltwein, 71, aus Egenhofen hat sich das Maschinenhaus auf dem ehemaligen Stadtwerkegelände an der Aumühle ausgesucht. Auch er hat bei einem Spaziergang auf das weiche Abendlicht gewartet. Hiltwein verfügt über reichlich Erfahrung noch aus der Zeit der analogen Fotografie, in der man sich genau überlegen musste, wie man den Film mit den damals 36 Fotos einsetzt. Hiltwein nimmt mit den bevorzugten Zoomobjektiven - vom 16-35-Weitwinkel bis zum 70-bis-300-Tele bevorzugt Motive aus den Bereichen Architektur und Landschaft in den Fokus.

Christiane Gistl aus Maisach freut sich sehr über ihren dritten Platz. 1983 ließ sie sich von der Fotografie in den Bann schlagen. Damals entstanden bei der Bundesgartenschau die ersten künstlerischen Aufnahmen, damals noch mit einer kleinen Sucherkamera. Als 2006 die 1200-Jahr-Feier Maisachs anstand, stieg sie um auf eine Digitalkamera. Fotografieren ist mittlerweile ein lieb gewonnenes Hobby: "Man kann abschalten vom Alltag, man sieht manches besser, auch bei der Makrofotografie von Blumen und Blüten. Mit Brennweiten von 35 bis 400 Millimetern fotografiert Christiane Gistl gerne auch auf den ersten Blick profan anmutende Motive wie Rapsfeld oder Kartoffelacker. Ihr nun prämiertes Bild entstand 2013 in Fürstenfeld. Sie erkannte den Reiz des Spiels der Farben in Verbindung mit dem leichten Nebel und den Spiegelungen und drückte auf den Auslöser - mit ruhiger Hand und ohne Stativ.

"Licht und Farbe", das leuchtende Fürstenfeld.

(Foto: Christiane Gistl)

2021 wird der Wettbewerb "Brucker Buidl" voraussichtlich fortgeführt. Motto: "Jugend in FFB". Näheres unter www.glanzlichter.com

© SZ vom 04.06.2020

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